Schmetterlinge in Tirol

Alle lieben die zarten, bunten Gaukler, die über den Blumenwiesen flattern, als sei das ausschließlich ihr Vergnügen. In Tirol wird der Lebensraum der Schmetterlinge aber langsam knapp.

Eigentlich ist Tirol ein Schmetterlingsland. 2.800 verschiedene Arten sind bei uns im Land nachgewiesen. Nur fünf bis sechs Prozent flattern allerdings sichtbar bei Tag, der Großteil sind Nachtfalter und führen deshalb auch im Kopf vieler Tirolerinnen und Tiroler ein Schattendasein. Peter Huemer, der Leiter der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen und ausgewiesener Schmetterlingskenner bricht eine Lanze für die Nachschwärmer; vor allem weil seine Abteilung schon so manche Art entdeckt hat: „Wir haben da zum Beispiel das südliche kleine Nachtpfauenauge. Es ist eine der Arten, die wir im Rahmen unserer Forschungsarbeiten hier in Tirol nachgewiesen haben.“

Südliches Kleines Nachtpfauenauge

P.Buchner/TLM

Auffällig behaart mit Fächer-Fühlern: Das Südliche Kleine Nachtpfauenauge wurde in Tirol entdeckt

Artenvielfalt in der Blumenwiese

Kohlweißling, Nachtpfauenauge, Schwalbenschwanz, kleiner Fuchs, Zitronenfalter und Bläuling - sie alle kennen wir aus der Natur vor unserer Haustür. Wobei dem Experten natürlich viel mehr Arten im Kopf herumschwirren, als einem Laien, sagt Peter Huemer. „Ein Laie würde zum Beispiel stolz erzählen, dass er einen Kohlweißling erkannt hat. Der Experte würde dann schmunzeln und fragen: ja was hast Du denn nun gesehen, einen kleinen Kohlweißling, einen großen Kohlweißling, einen Rapsweißling oder den Karstweißling? Es gibt unter den Schmetterlingen eben sehr viele ähnliche Arten und Unterarten.“

Apollo-Falter an lila Strohblume

P.Buchner/TLM

Wunderschön und sehr selten: der Apollofalter. In Tirol gibt es ihn noch vereinzelt

Selten geworden wie ein Tiger

Eine besonders freudige Überraschung wäre es, einen Apollo-Falter zu entdecken, der international den Schutzstatus eines Tigers aufweist, so selten ist er vielerorts geworden. Aber es gibt noch andere Arten, die ungemein rar geworden sind und dennoch bei uns in Tirol vorkommen, sagt Peter Huemer. „Einer dieser berühmten äußerst seltenen Nachtfalter ist der Matterhorn Bärenspinner. Er kommt nur in der Umgebung von Vent im Ötztal vor, auf einer wenige Hektar großen Fläche in rund 3000 Metern Seehöhe. Wahrscheinlich ist er sogar ein Eiszeitrelikt, das heißt, er lebt dort schon seit zig Tausenden von Jahren. Außer in Tirol kommt er vielleicht noch an zehn weiteren Orten weltweit vor.“

Tipp:

Die Österreichische Schmetterlings-App von Global 2000 und der Stiftung Blühendes Österreich ist Schmetterlingsführer und Bestimmungsbuch in einem. Außerdem kann man mit Fotos seine eigene Galerie anlegen und die Tiere dann in Ruhe bestimmen und betrachten. Außerdem soll die App den Bestand der in Österreich vorkommenden Schmetterlinge sammeln und dokumentieren helfen.

Die hochsensiblen Gaukler

So wie in anderen Gegenden der Welt machen den Schmetterlingen die fortschreitende Verbauung und Verdichtung zu schaffen. Deshalb sind aus dem Inntal so viele Arten verschwunden. Manchmal ist es auch nur eine vermeintlich kleine Veränderung, die das Schicksal der Schmetterlinge in einer Region besiegelt.
„Wenn zum Beispiel ein Bauer sagt, die Magerwiese wirft nichts ab und er düngt sie nur ein einziges Mal, können die Populationen von seltenen Arten für immer verschwunden sein.“

Peter Huemer nennt noch ein anderes Beispiel, das zeigt, wie sensibel Schmetterlinge auf Veränderungen ihres Lebensraumes reagieren. „Im Bereich der Ruine in Zirl gab es früher sonnige Wiesen am Hang, die beweidet wurden. Weil diese Hänge irgendwann verbuschten und verwaldeten, verschwanden auch hier viele Schmetterlingsarten.“ Nicht immer sind also Dünger oder Spritzmittel Schuld an veränderten Lebensräumen.

Auch die Lichtverschmutzung kostet Tausenden von Faltern jede Nacht das Leben. LED-Lampen mit einem beschränkterem Lichtkreis vermindern das Massensterben zumindest etwas.

Großer Schwalbenschwanz als Raupe

P.Buchner/TLM

Schon als Raupe ein Hingucker: Ein großer Schwalbenschwanz

Zu wenig Flächen für Schmetterlinge

Verbauung und Intensivierung sind freilich die Hauptursache für den Rückgang der Schmetterlings-Vielfalt. Wegen der
intensiven Nutzung des Inntales, das einmal ein Schmetterlingsparadies war, sind unzählige Arten dort für immer verschwunden, bedauert Peter Huemer. Aber auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bringt das Leben der Schmetterlinge in Gefahr. Die meisten Pestizide und Spritzmittel werden natürlich nicht gegen Schmetterlinge eingesetzt, sondern gegen verschiedene Schädlinge, darunter auch Raupen, sozusagen das Jugendstadium der Schmetterlinge. Auch wenn viele Klein-und Privatgärtner inzwischen auf solche Gifte verzichten und fleißig Schmetterlingswiesen angebaut werden, wenn nicht auch die großen landwirtschaftlichen Betriebe mitziehen, wird es nicht reichen, die Schmetterlinge nachhaltig zu bewahren, sagt Peter Huemer. „Jede Schmetterlingswiese, die angebaut und stehen gelassen wird, ist wichtig. Aber das sind zu wenige, um die Vielfalt der Arten in Tirol zu erhalten.“

kleiner Kohlweißling

P. Buchner/TLM

Den kennen wir! Ein kleiner Kohlweißling

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
6. 5. 2017 ab 10.00 Uhr

Schmetterlinge braucht der Mensch

Wenn die Bienen sterben, stirbt auch die Menschheit, heißt es in einem bekannten Sprichwort. Das lässt sich direkt auch auf die Schmetterlinge umlegen. Denn ohne die zarten Bestäuber und ihre Hinweise auf eine intakte Natur, können auch wir Menschen nicht überleben. Die Versuche vieler Menschen in Tirol, ihren Garten naturnah und schmetterlingsfreundlich zu bebauen ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Schmetterlinge brauchen eine starke Lobby, ist Peter Huemer überzeugt. Die Stiftung "Blühendes Österreich“ und Global 2000 haben sich zum Beispiel verstärkt dem Schutz der Bienen und der Schmetterlinge angenommen. Davon braucht es aber wohl noch sehr viel mehr.

Peter Huemer, Kustos Naturwissenschaftliche Sammlungen Tiroler Landesmuseen

privat/REWE-Stiftung

Mit Schmetterlingen auf Du und Du: Peter Huemer, Kustos der Naturwissenschaftlichen Sammlungen der Tiroler Landesmuseen

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

Links: