Verschärfte Regeln im neuen Tierschutzgesetz

Wenn im Mai das neue Tierschutzgesetz in Kraft tritt, dürfen Tiere von Privatpersonen nicht mehr über das Internet vergeben werden. Damit will der Gesetzgeber den Schwarzmarkt mit Tieren unterbinden.

Zum ersten Mal haben sich für eine Novelle des Tierschutzgesetzes im Vorfeld alle Beteiligten an einen Tisch gesetzt. Vertreter der Landwirtschaft genauso wie Tierschutzorganisationen und Amtstierärzte aus allen Bundesländern. Herausgekommen ist ein Kompromiss, der durchaus dem Wohl der Tiere dient, sagt der Tierschutzombudsmann in Tirol, Martin Janovsky.

Tiere dürfen nicht mehr online vergeben werden

Egal, ob ein Tier verkauft oder verschenkt werden soll, es darf von Privatpersonen nicht mehr über das Internet angeboten werden. Dieser Punkt sorgt wohl für die meisten Diskussionen über die Novelle des Tierschutzgesetzes. Das gilt also auch für alle, die einen guten Platz für junge Kätzchen in ihrem Internet-Freundeskreis suchen.

Drei junge Katzen im Korb

APA

Kätzchen zu verschenken ist natürlich erlaubt, im Internet dürfen sie aber nicht mehr angeboten werden

Der Gesetzgeber begründet das Gesetz damit, dass das Internet ein öffentlicher Marktplatz sei und das Verkaufen und Verschenken von Tieren auf öffentlichen Plätzen verboten ist. Es soll zum Beispiel Welpen davor schützen, aus dem Kofferraum auf einem Parkplatz verkauft zu werden. Auch das ist verboten. Martin Janovsky, der Tierschutz-Ombudsmann in Tirol: „Damit soll der Schwarzmarkt mit Tieren unterbunden werden. Das Internet hat dabei eine immer größere Rolle gespielt.“

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Vielleicht vertraut man ein Tier ja auch besser einem tatsächlichen Bekannten an, als jemandem, den man nur aus den sozialen Netzwerken kennt. Es geht immerhin um das Schicksal eines Lebewesens.

Nur gewerbliche Anbieter wie der Zoohandel, Züchter oder auch Tierheime dürfen weiterhin Tiere im Internet anbieten. Sie müssen die Herkunft ihrer Schützlinge nachweisen können.

Bauernkatzen müssen kastriert werden

Heiß diskutiert wurde im Vorfeld auch die Kastrationspflicht für sogenannte Bauernkatzen. Es wurde befürchtet, dass sie wieder zurückgenommen wird. Sie bleibt aber bestehen, mit einer Ausnahme: Wenn die Katze oder der Kater zur Zucht dient. Dafür muss das Tier aber eigens gechippt und in die Datenbank eingetragen werden. Kritiker freilich befürchten, dass Landwirte freilaufende Katzen am Hof weder kastrieren noch eintragen lassen. Martin Janovsky hofft dennoch, dass das unkontrollierte Vermehren von Katzen vor allem auf dem Land damit eingedämmt wird. "Denn diese Vermehrung schafft Tierleid,“ sagt er. Tierärzte berichten außerdem, dass immer mehr verantwortungsvolle Landwirte ihre Hofkatzen kastrieren.

Katze im Sprung in einem Garten

dpa

Auch Katzen in bäuerlicher Haltung müssen kastriert werden

Rinder bleiben angebunden

Für viel Ärger bei Tierschützern sorgt, dass die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern noch immer nicht generell verboten wurde. Das Gesetz erlaubt die Anbindehaltung dann, wenn die Tiere zumindest 90 Tage im Jahr ins Freiland oder zumindest in den Freilauf auf dem Hof kommen. Es gibt aber immer noch Ausnahmen, die das Anbinden im Stall 365 Tage im Jahr erlauben.

Martin Janovsky: „Wenn ein Landwirt seinen Tieren aus Platzgründen keinen Freilauf bieten kann oder keine Almflächen zur Verfügung hat, darf er die Kühe ganzjährig anbinden.“ Bisher brauchte er das nur zu behaupten. Jetzt ist die ganzjährige Anbindehaltung aber meldepflichtig geworden. Damit ist sie von den Behörden auch kontrollierbar.

Kühe bei Wassertränke auf Alm

Agrarmarketing Tirol

Laut Tierschutzgesetz müssen Rinder mindestens 90 Tage im Jahr Freilauf erhalten, zum Beispiel auf einer Alm. Ausnahmen gibt es aber auch in der Novelle

Bundesgesetz statt Ländergesetz

Schon seit 2005 hat Tirol kein eigenes Tierschutzgesetz mehr, das Österreichische Gesetz gilt für alle Bundesländer. Für den Tierschutzombudsmann macht das durchaus Sinn. „Warum sollten für eine Kuh oder ein Schwein im Burgenland andere Richtlinien gelten als in Tirol? Es ist gut, dass das Wohl der Tiere im ganzen Land gleich geregelt ist.“

Auch wenn Tirol dem österreichischen Tierschutzgesetz unterliegt, wie es in der Praxis aussieht, was angezeigt und geahndet wird, ist sehr wohl Ländersache, betont der Tierschutzombudsmann. „Denn der Vollzug des Gesetz liegt bei den Behörden, also zum Beispiel bei den Bezirkshauptmannschaften und den Amtstierärzten.“ Es wird sich also erst zeigen, welches Bundesland das Gesetz eher streng auslegt und vollzieht und welches etwas weit gefasster. Das Wohl der Tiere, egal ob Nutztier oder Heimtier, liegt letztlich aber in der Hand ihrer Besitzer.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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