Schau mir in die Augen, Kleiner

Augen sind auch für Tiere die Fenster zur Welt. Ist etwas damit nicht in Ordnung zeigt sich das Problem oft zunächst in einem etwas veränderten Verhalten. Auch wenn sie vielleicht harmlos beginnen, Augenkrankheiten sind in jedem Fall ernst zu nehmen.

Vererbbare Augenkrankheiten haben bei Hunden und Katzen in den vergangenen Jahren leider zugenommen. Wobei sich zwar nicht direkt die Anzahl der Erkrankungen erhöht hat, sehr wohl aber die Variationen. Gleichzeitig sind in der Tiermedizin aber auch die Diagnose - und Behandlungsmethoden verbessert worden. In der Augenmedizin bei Tieren ist der Standard der Humanmedizin fast schon erreicht.

Augentierärztin Vera Neun untersucht das Auge eines Hundes

Tierarztpraxis Neun

Eine genaue Untersuchung des erkrankten Auges steht am Anfang jeder Behandlung

Kater Prinz bekommt plötzlich auffällige braune Flecken in einem Auge. Sein aufmerksames Frauchen besucht mehrere Tierärzte, bis sie schließlich zu einer Augenspezialistin nach Bayern geschickt wird. Ihre Diagnose: Cornea Nigra. Nach einer Augenoperation und mit speziellen Medikamenten lässt sich die Krankheit nun gut behandeln. Die braunen Flecken verschwinden langsam.

Cornea Nigra bei einer Katze

Tierarztpraxis Neun

Ein an Cornea Nigra erkranktes Auge einer Katze. Ohne Behandlung würde das Tier erblinden

Auf Veränderungen achten

Es sind oft kleine Veränderungen, die Besitzer von Hunden und Katzen aufmerksam werden lassen. Auch wenn an den Augen der Tiere vielleicht noch nichts auffällt, verhalten sich die Vierbeiner einfach etwas anders, erzählt Vera Neun. Sie führt in Raubling bei Rosenheim eine tierärztliche Praxis für Augenheilkunde. „Bei alten Katzen, die wegen ihres Bluthochdrucks bereits erblindet sind, erzählen mir die Besitzer oft, ihre Katze würde nicht mehr so gut sehen. Wenn ich ihnen dann sagen muss, dass ihr geliebter Vierbeiner leider schon gar nichts mehr sieht, sind sie ganz verblüfft. In ihrer gewohnten Umgebung kommen blinde Tiere nämlich erstaunlich gut zurecht.“

Vererbtes Leiden

Wenn sich Tiere nicht am Auge direkt verletzen, werden Augenerkrankungen leider häufig vererbt, weiß die Tierärztin. Hier hilft nur eine strenge Auslese bei erkrankten Elterntieren. Vor allem bei Hunden, mit denen gezüchtet wird. „Ich weiß von wirklich tollen Hunden mit Auszeichnungen, die im Bewegungsapparat überhaupt kein Problem haben. Leider macht sich dann ein kleiner grauer Star bemerkbar. Das führt zum Zuchtausschluss. Das ist für die Züchter natürlich sehr bitter, aber in der Regel sind sie da gewissenhaft.“

Grauer Star beim Hund

Tierarztpraxis Neun

Grauer Star bei einem Hund. Diese Erkrankung wird vererbt und führt bei Hunden zum Ausschluss aus der Zucht

Augenprobleme als Rassemerkmal

Vererbte Augenkrankheiten kommen bei Katzen und Hunden oft auch sehr rassetypisch vor. Manchmal sind verfehlte Zuchtziele die Ursache. „Eine besonders schlimme Erkrankung ist das Primärglaukom. Es kommt häufig beim Husky vor, bei Sennenhunden oder bei Elos. Hier erleiden die Tiere bereits im mittleren Alter einen hohen Augeninnendruck und erblinden. Die Therapieerfolge sind bei dieser Krankheit leider sehr mäßig.“

Hunde, denen weit hervorstehende sogenannte Glubschaugen angezüchtet wurden, wie Möpsen oder auch Chihuahuas leiden häufig an Augenentzündungen. Das Leiden ist paktisch chronisch und muss ständig behandelt werden. "Chronische Erkrankungen müssen dann wirklich ein ganzes Leben lang konsequent behandelt werden. Dann gelingt es oft gut, beschwerde- und schmerzfrei mit der Krankheit zurecht zu kommen.

Sofort erkennen und handeln

Wichtig ist, Veränderungen an den Augen möglichst schnell behandeln zu lassen und sie nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zu warten nach dem Motto „schauen wir mal“ ist gerade bei Augenerkrankungen fatal. Je früher das Problem medizinisch behandelt wird, desto besser. „Wartet man zu lange, erblinden die Tiere meistens oder es muss das Auge sogar entfernt werden.“

Tierärztin Vera Neun bei einer Augenoperation

Tierarztpraxis Neun

Augentierärztin Vera Neun bei der Augenoperation

Leben mit Blindheit

Wenn ein Tier erblindet oder aus medizinischen Gründen ein Auge entfernt werden muss, bedeutet das aber nicht, dass der geliebte Vierbeiner eingeschläfert werden muss, betont Tierärztin Vera Neun. „In der Regel kommen Tiere mit Seheinschränkungen besser zurecht als Menschen, weil sie nicht über ihr Schicksal nachdenken. Außerdem haben sie andere Sinne, die sie dann schärfen. Sie kommen erstaunlicherweise auch blind sehr gut zurecht.“

Der Freilauf für blinde Katzen wäre allerdings zu gefährlich. Sie werden im Haus oder in einem abgesicherten Garten gehalten und sind in ihrer gewohnten Umgebung auch zufrieden. Blinde Hunde werden bei Spaziergängen an die Leine genommen. Andere Hundebesitzer sollten gebeten werden, ihre Tiere nicht zum Spielen heranstürmen zu lassen. Das würde den Kollegen mit Einschränkung wahrscheinlich überfordern und er könnte aggressiv reagieren.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
22. 4. 2017 ab 10.00 Uhr

Moderne Augenmedizin kann helfen

Eine Augenerkrankung muss also unbedingt ernst genommen werden. Die Tiermedizin kann mit modernen Behandlungsverfahren wie Lasern in vielen Fällen helfen. Sogar UV Schutzbrillen und Kontaktlinsen gibt es für Hunde bereits. Sie werden zwar nicht eingesetzt, um Fehlsichtigkeiten zu korrigieren wie beim Menschen. Sie dienen aber dem Schutz des Auges, zum Beispiel nach einer Operation oder vor schädlichem UV-Licht. So werden Lawinenhunde bei ihren Einsätzen im Hochgebirge oft mit Sonnenbrillen geschützt. Hunde tolerieren gut passende Brillen durchaus. Bei Katzen ist das allerdings meistens unmöglich.

Lydia Gallo Gau, Maria-Bettina Bacher;
tirol.ORF.at

Links: