Skitour auf die Weißkugel von Vent

Einer der ganz großen Klassiker der Skihochtouren ist die Weißkugel in den Ötztaler Alpen. Als dritthöchster Gipfel Österreichs hat er einen besonderen Stellenwert. Der Anstieg von Vent zählt zu den längsten Skitouren-Anstiegen in Nordtirol.

Eine Übernachtung in der bewirtschafteten Schutzhütte Hochjoch-Hospiz ist aufgrund der 18 km langen Strecke für die allermeisten ein Muss.

Charakter: hochalpine Skitour, Gletscher
Entfernung: Insgesamt ca. 1750 Hm, 18 km, 7 ½ -8 ½ Stunden; Hüttenzustieg ca. 2 ½ Std., 450 Hm
Ausgangspunkt: Vent, Rofenhöfe (2014 m)
Kartenausschnitt:

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Die Weißkugel ist mit 3738 m Höhe der dritthöchste Gipfel Österreichs. Nur der Großglockner und die nahezu benachbarte Wildspitze überragen die Weißkugel was die Höhe anbelangt. Die beiden letzteren sind absolute Modeberge und was die konditionellen Anforderungen anbelangt der Weißkugel mit dem Anstieg von Vent aus deutlich unterlegen. Die Anstrengungen liefern dabei weniger die zu bewältigenden Höhenmeter als vielmehr die nicht enden wollende Strecke. Es sind nicht weniger als 18 km von den Rofenhöfen bis zum Gipfel der Weißkugel, welche im hintersten Rofental im Grenzverlauf zwischen Nord- und Südtirol aufragt.

Skitour auf die Weißkugel

Hubert Gogl

Nach 2½ Stunden Etappenziel Hochjoch-Hospiz erreicht

Zu den Schwierigkeiten: Der Hüttenzustieg zum Hochjoch-Hospiz führt auf einem teilweise exponierten Steig, der manchmal tückisch sein kann, aber im Frühjahr meist gut begehbar ist. An manchen Stellen geht man am nicht sehr schmalen Steig neben einem bis zu 50 m hohen senkrechten Abgrund zur Rofenachen.

Gletscherausrüstung sollte dabei sein

Von der Schutzhütte am Weg zum Gipfel ist man lange Zeit am Hintereisferner unterwegs. Entsprechende Gletscherausrüstung sollte daher nicht fehlen. Bis zum letzten Abschnitt ist der Anstieg durchwegs als ziemlich flach zu bezeichnen. Erst auf Südtiroler Seite vom Hintereisjoch hinauf zum Vorgipfel der Weißkugel ist ein steiler Hang mit mehr als 35 Grad zu bewältigen. Vom Vorgipfel zum Hauptgipfel wartet ein kurzer Felsgrat, der im Regelfall problemlos ohne Seil zu begehen, bzw. in leichter Kletter zu bewältigen ist. Mitunter können aber auch unangenehme Wechten warten. (Stand 31.3.17: absolut problemlos, vor allem mit Steigeisen)

Skitour auf die Weißkugel

Hubert Gogl

Am Hintereisferner – nicht enden wollende Weiten

Ausgangspunkt sind die Rofenhöfe oberhalb von Vent, die höchstgelegenen dauerbesiedelten Bergbauernhöfe Österreichs. Die Auffahrt von Vent zu den Rofenhöfen ziert ein Fahrverbotsschild mit einer Zusatztafel der Ausnahmen. Nach Auskunft des Wirtes vom GH Rofen ist die Zufahrt für die Skitourengeher erlaubt und oben befindet sich ein gebührenpflichtiger Parkplatz (4 Euro pro Tag).

Hütte nach sechs Kilometern erreicht

Der erste Abschnitt führt von Rofen (2014 m) gerade aus durch das Rofental zum Hochjoch-Hospiz (2412 m). Durch die dürftige Schneelage bedingt ist der Zustieg zur Hütte immer wieder mit geschulterten Skiern zu meistern. Nach ca. 2 ½ Stunden (6 km, 450 Hm) erreicht man das Schutzhaus.

Skitour auf die Weißkugel

Hubert Gogl

Jetzt ist es endlich nicht mehr weit

Sendungshinweis:

„Hallo Wochenende“; 31.3.2017

Vom Hochjoch-Hospiz kann man entweder hinter der Hütte die Hänge querend einem Steig taleinwärts folgen, oder auch von der Hütte hinunter zur Hängebrücke gehen und dort dann taleinwärts starten. Im Tal geht’s ohne Orientierungsschwierigkeiten flach taleinwärts. Irgendwann zeigt sich mit Eisverwerfungen das Ende, oder im Aufstiegssinn der Beginn des Hintereisferners. Dieser Gletscher zählt, wie man schon bald hatunah erfahren darf, zu den größten Gletschern Tirols und er wird seit gut 100 Jahren von Gletscherforschern beobachtet. Unter anderem lieferten Bohrungen in den Jahren um 1900 Beiträge zur Entwicklung, bzw. Bestätigung der Fließtheorie von Gletschern.

Skitour auf die Weißkugel

Hubert Gogl

Der Verfasser auf der Weißkugel – 3738 m

Über diese Dinge nachzudenken hat man am sehr gemächlich ansteigenden Hintereisferner genügend Zeit. Nachdem sich der Gletscher in einem Bogen langsam rechtswärts zieht, hält man sich tendenziell im linken Bereich (im Sinne des Aufstiegs), steuert ganz grob gesagt die Innere Quellspitze an, welche östlich vom Hintereisjoch (3469 m) ist. Rechts zeigt sich dann die Weißkugel mit der sehr steilen Ostflanke und darunter zeigen sich Gletscherspalten. Das Hintereisjoch erreicht man ohne Schwierigkeiten. In einem Bogen geht’s nun auf Südtirolerseite zum ersten und letzten steilen Hang der Tour. Knapp 100 Höhenmeter ist der etwas mehr als 35 Grad steile Aufschwung. Nach dieser Passage hat man bald jenen Punkt erreicht, an dem der Gipfel der Weißkugel zum Greifen nahe ist – ein kurzer Felsgrat trennt vom dritthöchsten Gipfel Österreichs.

Skitour auf die Weißkugel

Hubert Gogl

Skivergnügen am Hintereisferner

Der Felsgrat ist erfahrungsgemäß am besten mit angeschnallten Steigeisen zu klettern. Nach dieser kurzen Klettereinlage stehen Sie auf der Weißkugel, auf 3738 m. Aufstiegszeit ab dem Hochjoch-Hospiz rund 5-6 Stunden (ca. 1300 Hm. Das Panorama ist überwältigend – aus der Vielzahl der Berge seien im Süden der Ortler und die Königsspitze und im Norden die relativ nahe Wildspitze erwähnt. Der Rückweg ist am bekannten Weg zu bestreiten. Dabei wartet ein Gegenanstieg von ca. 100 Hm im Bereich vom Hochjoch-Hospiz. Sie müssen von der Hängebrücke unterhalb vom Schutzhaus am Steig mit geschulterten Skiern aufsteigen. Danach geht’s, wie schon vom Hüttenzustieg gewohnt teils (je nach Ausaperung auch evtl. größtenteils) Ski tragend hinaus zu den Rofenhöfen.

Sollten Sie die Kraftreserven oder die Motivation während des nahezu meditativen Auf- und Abstieges zur Neige gehen, sollten Sie daran denken, dass jeder, der sich halbwegs für einen Alpinisten hält, einmal auf der Weißkugel gewesen sein muss!

Hubert Gogl wünscht viel Ausdauer, gutes Wetter für die Skitour auf die Weißkugel!

Hochjoch Hospiz – Hüttenwirt Thomas Pirpamer – Tel. +43/720 920311 oder +43/676 630 5998

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