Immer mehr Reptilien im Tierheim

Reptilien aller Art landen immer häufiger in den Tiroler Tierheimen. Allein in Mentlberg in Innsbruck werden derzeit 75 dieser sehr aufwändig zu haltenden Tiere betreut. Das ist mit großem Aufwand und auch hohen Kosten verbunden.

Bartagamen, Geckos, eine große Boa, ein beachtlicher Leguan - sie alle leben derzeit nicht etwa bei Reptilienfreunden, sondern im Tierheim Mentlberg in Innsbruck. Zählt man die Wasserschildkröten dazu, die derzeit noch im Winterschlaf sind, werden 75 Reptilien im Tierheim gehalten.

Terrarium im Tierheim Mentlberg

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Der Aufwand, mit dem Reptilien gehalten werden müssen, ist auch für das Tierheim enorm

Aus ganz klein wird riesengroß

„Wir bemerken seit Jahren einen ständigen Anstieg von Reptilien, die bei uns im Tierheim landen“, sagt Kristin Müller, Geschäftsführerin im Tierheim Mentlberg. Abgegeben, ausgesetzt oder gefunden werden die Tiere meist, wenn sie schon eine beachtliche Größe erreicht haben. Die fast drei Meter lange Boa und der etwa einen Meter lange prächtige Leguan brauchen ein ganzes Terrariumzimmer. Sie wurden vermutlich als winzige Jungtiere von ihren Besitzern gekauft und sind dann für die Wohnung zu groß und zu teuer geworden. „Es wird immer wieder unterschätzt, wie schnell Reptilien wachsen. Das gilt für Echsen genauso wie für Wasserschildkröten“, erklärt Müller.

Leguan

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Der Leguan im Innsbrucker Tierheim ist so groß, dass er in keinem Terrarium mehr Platz hat. Für ihn musste ein eigenes Zimmer eingerichtet werden.

Aus dem Mülleimer gerettet

Wenn die Reptilien ihren Weg ins Tierheim gefunden haben, sind sie zumindest gerettet. Eine Bartagame wurde bei der Martinswand in Innsbruck ausgesetzt. Andere Tiere erleiden ein noch schlimmeres Schicksal. „Wir haben eine Kornnatter bei uns, die in einem Müllkübel entsorgt wurde“, erzählt Sonja Flunger, die sich als Leiterin der Abteilung Kleintiere im Tierheim auch um die Reptilien kümmert. „Viele Leute, die sich Reptilien anschaffen, unterschätzen wie viel Arbeit sie machen und wie hoch die Kosten für die technischen Geräte sind, die diese exotischen Tiere brauchen.“ Auch die Stromkosten für Wärmelampen, Feuchtigkeitsregler und Ähnliches sind nicht zu unterschätzen.

Kornnatter

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Diese wunderschöne Kornnatter wurde in Reutte in einem Mistkübel entsorgt - jetzt lebt sie im Tierheim

Neue Plätze werden genau angeschaut

Wenn jemand ein Reptil aus dem Tierheim übernehmen möchte, muss er oder sie einen guten und vor allem fachgerechten Platz bieten können. „In diesem Fall überprüfen wir vor der Abgabe die Haltungsbedingungen im neuen Zuhause. Wir wollen damit wie bei allen unseren Tieren vermeiden, dass sie irgendwann erneut im Tierheim landen“, so Flunger. „Wenn jemand einer Echse, einer Schlange oder einer Wasserschildkröte ein schönes Zuhause bieten kann, geben wir sie natürlich gerne ab.“ Flunger erinnert die neuen Besitzer dann auch daran, dass für jedes Reptil eine Anmeldepflicht bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft besteht.

Bartagame

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Wer Reptilien wie diese Bartagame aus dem Tierheim übernehmen will, sollte sehr gute Haltungsbedingungen bieten können

Sendungshinweis

„Radio Tirol am Vormittag"
15.4.2017 ab 10.00 Uhr

Wasserschildkröten im neuen Becken

Für die etwa 60 derzeit noch schlafenden Wasserschildkröten im Tierheim wird im Untergeschoss des Kleintierhauses zurzeit ein großes Wasserbecken gebaut. Eine richtige Unterwasserwelt soll es werden. Und auch für die anderen Reptilien muss in den kommenden Monaten ausgebaut werden. "Sie sollen einen ganz eigenen Bereich bekommen“, sagt Müller. Damit sie mit großem Aufwand und auch beträchtlichen Kosten möglichst artgerecht im Tierheim untergebracht werden können.

Lydia Gallo Gau, tirol.ORF.at

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