Katzen erziehen - geht denn das?

Katzen haben ihren eigenen Willen und machen nur das was sie gerade im Sinn haben. Das stimmt, aber deshalb sind sie nicht unerziehbar. Man kann ihnen durchaus etwas Beibringen, sogar Tischmanieren!

Menschen erziehen nicht ihre Katzen - Katzen erziehen ihre Menschen. An dieser Redensart mag einiges dran sein. Die Innsbrucker Katzen-Verhaltensberaterin Gaby Bunde ist aber davon überzeugt, dass sich die Samtpfoten sogar sehr gerne erziehen lassen. „Katzen lieben es sogar, erzogen zu werden, sie müssen nur Spaß daran haben!“

Katze sitzt auf dem gedeckten Tisch

Gaby Bunde

An den Tischmanieren müssen wir noch arbeiten

„Mein Revier, meine Regeln“

Natürlich sind der Erziehung auch Grenzen gesetzt. Die Wohnung ist das Revier der Katzen, wenn niemand zu Hause ist. Hier zu erwarten, dass Betretungsverbote für einzelne Zimmer greifen und die Anrichte in der Küche tabu bleibt, ist zu viel verlangt. Katzen zum Beispiel aus der Küche oder dem Schlafzimmer auszusperren, ist aber nicht der richtige Weg. Ihr Revier wäre dann nicht mehr vollständig. Das kann die Stubentiger stark verunsichern. „Unerwünschtes Markieren oder Urinieren könnte die Folge sein,“ warnt Gaby Bunde. Solange die Katzen also allein sind gehört die Wohnung ihnen.

schwarze Katze sitzt auf einem Tisch und frisst ein Stück Hühnchen

privat

Fixe Regeln gelten auch für die Menschen im Katzenhaushalt. Und eine heißt: nichts am Tisch liegen lassen

„Sehr wohl kann ich aber Regeln aufstellen, wenn ich zu Hause bin. Ich kann ihnen verständlich machen, dass sie nicht auf die Anrichte springen dürfen, wenn ich koche. Oder ich möchte nicht, dass sie auf den Tisch hüpfen oder betteln, wenn ich esse.“ Das geht mit liebevoller Konsequenz. Gaby Bunde nimmt die Katze zum Beispiel vom Tisch und erklärt „Nein“ oder „Ab“. Sie verknüpft also ihr Handeln mit einem Wort. Wenn diese Regeln immer gleich gelten, versteht sie die Katze sehr schnell.

Katze liegt im Kinderzimmer im Bett

privat

Ein Herz und eine Seele. Wenn die Katze aber nicht im Kinderzimmer schlafen darf, muss das immer gelten.

Tabu Kinderzimmer

Ein weiterer heikler Punkt kann das Kinderzimmer sein. Wenn die Katze nicht bei den Kleinen schlafen soll, dann muss das von Anfang an und immer gelten. „Wenn Schlafenszeit ist, wird die Katze aus dem Zimmer geholt und die Türe geschlossen. Auch wenn die Kinder betteln, dass ihr kuscheliger Schmuser heute bei ihnen bleiben darf.“ Ausnahmen gibt es keine, sie würden die Katze nur verunsichern. Sie kann ja nicht wissen, dass sie heute im Zimmer bleiben darf, weil Wochenende ist und morgen nicht mehr, weil Schule ist.

Fixe Regeln geben Sicherheit

Egal welche Regeln aufgestellt werden, wichtig für die Katzen ist es, dass sie immer und ohne Ausnahmen gelten. Einmal so und dann wieder so sorgt für Verunsicherung. Kompromisse darf es geben, aber auch die müssen fix sein. Gaby Bunde erzählt aus ihrem Haushalt mit fünf Katzen. „Ich erlaube zwei meiner Katzen beim Frühstück in einem Körbchen auf dem Tisch zu sitzen. Da sitzen sie brav und sind selig.“

Katze liegt in einem Korb auf dem Tisch

Gaby Bunde

Auf den Küchenisch? Na gut, aber nur im Körbchen

Raus um 4 Uhr früh

Haben Ihre Katzen Freilauf, hüten Sie sich, sie zu nachtschlafender Zeit ins Haus hinein oder hinaus zu lassen. Außer Sie wollen jede Nacht der Türsteher ihres Haustigers sein. Geben Sie dem Maunzen und Scharren an der Tür auch nur ein einziges Mal nach, haben Sie das schon zur Regel gemacht. Schließlich wissen auch Katzen, wie sie ihre Menschen erziehen. Und die ziehen eisern durch, was uns Menschen manchmal schwer fällt. „Einmal ist immer.“ Im Nervenkrieg mit einer Katze ziehen wir Zweibeiner meistens den Kürzeren. Wir müssen erfahren, dass der Begriff „Katzen-Erziehung“ eine ganz neue Bedeutung bekommt.

Give Me Five And Turn Around

Katzen kleine Kunststückchen beizubringen, macht ihnen und ihren Menschen Freude. Es geht darum, gemeinsam Zeit zu verbringen und sich zu beschäftigen. Mit Trockenfutter als Leckerlis geht da einiges, erzählt Gaby Bunde. „Mein Kater Romeo gibt Pfote, dreht sich auf das Kommando Turn Around um die eigene Achse und setzt sich dann hin. Danach kommt natürlich gleich ein Leckerli. Das macht ihm einen Riesenspaß“

Katze gibt Pfote

Gaby Bunde

Romeo gibt Pfote und macht auch sonst allerlei Kunststückchen.

Die einzelnen Trainingseinheiten sind immer nur ein paar Minuten lang. Solange ist die Aufmerksamkeit der Katze gesichert. Lieber öfter als zu lange. Und immer mit Lob und nie mit Strafe. So wird das was mit der Katzenerziehung.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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