Frühlingserwachen im Tierreich

Einige kalte Tage und Nächte können den Frühling nicht mehr bremsen. In der Tierwelt beginnt das große Erwachen, das Nestbauen und Revierbesetzen, das Brüten und Laichen. Tierfreunde erleben jetzt eine spannende Zeit

Der Stieglitz mit seinem prächtigen bunten Gefieder trällert seinen Nebenbuhlern eine Warnung: „Das ist mein Revier, flieg ab!“ Und lockt mit Schönheit und Gesang gleichzeitig ein Weibchen. Auch das Pfeifen eines Kleibers oder das vielseitige Lied der ersten Mönchsgrasmücken lassen die Herzen der Vogelfreunde höher schlagen.

Amselnest

Alpenzoo Innsbruck/Böhm

Ein Vogelnest im eigenen Garten - hier sind schon die ersten Amseln geschlüpft

Wer zuerst baut, brütet zuerst

Christiane Böhm, Ornithologin und Leiterin der Forschungsabteilung im Innsbrucker Alpenzoo sagt: „Frühbrüter sind zum Beispiel die Meisen. Für sie und andere Vogelarten beginnt jetzt die Zeit des Nestbaus. Sie haben zum Teil mehrere Bruten im Jahr und je früher sie anfangen, desto besser.“ Für die Tierwelt sind es weniger die Temperaturen, als vielmehr die länger werdenden Tage, die den Startschuss ins Frühjahr geben.

Kleiber an einem Baum

Alpenzoo Innsbruck

Das Pfeifen eines Kleibers ist für geschulte Ohren ein Frühlingsruf

Achtung Amphibien - Verkehr!

Die Achtsamkeit der Autofahrer erfordert das Frühlingserwachen in der Welt der Lurche, Frösche und Kröten. Sie sind jetzt unterwegs zu ihren Laichgründen und müssen dafür auch Straßen überqueren. Ein gefährliches Unterfangen im dichtbesiedelten Tirol. „Die Amphibien erwachen aus ihrer Winterstarre. Hat es genug geregnet, wissen sie, dass ihre Tümpel und Teiche ausreichend Wasser haben, um darin ihren Laich abzulegen. Sie machen sich auf in das Gewässer, in dem sie geboren wurden.“ Im Inntal mit seinen vielen stark befahrenen Verkehrswegen haben Amphibien kaum eine Chance, sie sind deshalb meist bereits verschwunden. Im Mittelgebirge oder auch im Lechtal gibt es dagegen noch zahlreiche Bestände, zum Beispiel den Grasfrosch.

An besonders gefährdeten Abschnitten werden Amphibienschutz-Zäune aufgestellt. Ganz neu ist der zum Beispiel in Hatting im Bezirk Innsbruck-Land. Hier gibt es noch Amphibien. Die Zäune halten die Tiere von den Straßen ab. Sie werden in Kübeln eingesammelt und von freiwilligen Helfern auf die andere Straßenseite gebracht.

Paarung von Erdkröten

Alpenzoo Innsbruck

Erdkröten im Liebesrausch. Zum Ablaichen wandern die Kröten in das Gewässer ihrer Geburt zurück

Naturnahe Gärten belassen

Im Garten, wenn sich die ersten Frühblüher an die Oberfläche wagen, sollten alle Heckenschnitt- und Aufräumarbeiten abgeschlossen sein. Denn jetzt beginnt für viele Vögel der Nestbau. „Die Nistkästen werden um diese Jahreszeit nicht mehr ausgeräumt!“ sagt Christiane Böhm. Es könnte nämlich sein, dass schon emsig am neuen Zuhause gebaut wird. Laub am Boden enthält viele Insekten, die den Vögeln in der aufwändigen Nist- Brut- und Fütterungszeit Nahrung bringen. Auch Schneckenhäuser liefern gerade für Amseln wichtigen Kalk zum Eierlegen. Ein nicht allzu penibel aufgeräumter Garten ist also für die Tierwelt im Frühjahr besonders wichtig!

Jungtiere in Ruhe lassen

Bei den Säugetieren kommen die ersten Jungen ab März, aber vor allem im Mai und Juni zur Welt. Die Füchsin wirft als eine der ersten schon im März/April. Gams, Steinbock, aber auch Rehe und Hirsche legen den Nachwuchs gut getarnt am Boden ab. Und dort sollten die Kleinen auch bleiben dürfen. „Eine Häsin zum Beispiel kommt nur zwei- bis dreimal am Tag zu ihren Jungen und säugt sie.“ Ansonsten sitzen die winzigen Fellkugeln am Boden und verhalten sich still. So sind sie vor Feinden bestmöglich geschützt. „Würde man sie mitnehmen, weil man irrtümlich glaubt, sie seien von ihrer Mutter verlassen worden, würde man ihnen nicht Gutes tun,“ warnt die Biologin. Es ist fast unmöglich, säugende Hasen mit der Flasche aufzuziehen.

Ausnahme sind verletzte Tiere. Sie können im Innsbrucker Alpenzoo abgegeben werden, damit sie von Fachleuten gesund gepflegt werden können.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
18. 3. 2017 ab 10.00 Uhr

Fensterscheiben als Todesfallen

Jetzt im Frühjahr fliegen im Trubel des Brautwerbens und der Verteidigung des Reviers besonders viele Vögel gegen Fensterscheiben. "Man sollte sie nicht sich selbst am Boden überlassen. Sie sind meist benommen und damit leichte Beute für herumstreunende Katzen. Tierfreunde können die Vögel behutsam in einen Karton setzen. Wenn sie durch den Aufprall nicht verletzt wurden, fangen sich die Tiere nach einer Weile wieder,“ sagt Christiane Böhm vom Alpenzoo. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass sich etwa die Hälfte der Scheibenopfer erholt und in die Freiheit entlassen werden kann.

Natopia-Stand im Innsbrucker Alpenzoo

Alpenzoo Innsbruck

Kaum eine Frage, die unbeantwortet bleibt - beim Frühlingserwachen im Alpenzoo kann man den Biologen Löcher in den Bauch fragen

Frühlingserwachen im Alpenzoo:

Sonntag, 19. März 2017
8.00 Uhr Beginn Vogelexkursion
10.00 Uhr Publikumsveranstaltung mit Infostationen

Frühlingsgefühle im Tierreich

In besonders geballter Form können Naturfreunde das Frühlingserwachen am Sonntag erleben. Es gibt eine Amphibien-Laichwanderung und an mehreren Ständen viele Informationen von Fachleuten für Tier- und Gartenfreunde. Los geht es schon um 8 Uhr mit einer Vogelexkursion. Jetzt zum Frühlingsbeginn ist nämlich die beste Zeit, um sich Vogelstimmen einzuprägen. „Derzeit singen die Vögel noch vereinzelt und ihre Gesänge sind gut auseinanderzuhalten. Wenn im Mai alle auf einmal durcheinanderzwitschern kommt man ganz durcheinander,“ lacht die erfahrene Ornithologin Christiane Böhm.

Bache mit säugenden Frischlingen

Alpenzoo Innsbruck

Die Frischlinge der Bache werden ab Mai als eine der ersten Jungtiere im Alpenzoo zur Welt kommen.

Wer den ersten felligen Nachwuchs im Alpenzoo besuchen will, muss noch ein bisschen Geduld haben. Erst ab Mai werden die Säugetiere ihre Jungen bekommen. Frischlinge, Wolfs- und Luchsjunge sowie die Kitze von Gams oder Steinbock werden die ersten sein, die im Alpenzoo in die Frühlingssonne blinzeln.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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