Der Höhenflug der Adler

Sie wurden als Symbol von Macht und Unsterblichkeit verehrt, später gnadenlos abgeschossen und so gut wie ausgerottet. Jetzt kreisen die Steinadler wieder in Tirol. Die meisten gibt es im Nationalpark Hohe Tauern.

Nach dem Löwen ist der Adler das häufigste Wappentier. Tirol ist also bei weitem nicht das einzige Land, das den stolzen Greifer im Wappen trägt.

Am nächsten kommt man einem Steinadler im Innsbrucker Alpenzoo. Dort thront in einem großen Gehege die Adlerdame Donna. Sie hat nie in Freiheit gelebt, sondern wurde aus schlechter Haltung über die deutschen Behörden in den Innsbrucker Alpenzoo gegeben. Ihr Federkleid ist makellos, ihre Augen sind golden, die gewaltigen Klauen spitz wie Dolche. Sie kommt in ihrem Gehege angeflogen, sobald Alpenzoo-Direktor Michael Martys am Zaun erscheint. Auf Distanz zu der mächtigen Adlerin geht der Direktor aber dennoch: „Ich locke sie mit Pfeifen und sie antwortet mir. Ins Gehege selbst gehe ich aber nicht. Denn ihr Lockruf ist gleichzeitig auch eine Warnung, dass sie allein die Herrscherin ihres Reviers ist. Mit ihren Klauen könnte sie mir mühelos den Oberarm durchbohren und darauf kann ich gerne verzichten.“

Steinadler am Boden mit ausbereiteten Flügeln

Alpenzoo Innsbruck/Parigger

Beeindruckend und schön zugleich. Mit einer Flügelspannweite von 2.60 Meter ist der Adler der größte Raubvogel. Nur der Bartgeier als Aasfresser ist noch größer

Adler über Tirol

Auch in freier Natur gibt es die Steinadler wieder. Der Nationalpark Hohe Tauern meldet 15 Jungvögel im vergangenen Jahr, drei sollen in Tirol geschlüpft sein, der Rest im Salzburger Gebiet. 42 Adlerpaare gib es im gesamten Nationalpark derzeit. „Wir können sagen, dass sich der Adler wieder flächendeckend in Tirol angesiedelt hat. Die Reviere, die zur Verfügung stehen, sind besetzt, wobei ein Revier bis zu 100 Quadratkilometer umfasst.“

Sinnbild der Macht und Feind

Es scheint absurd, dass der König der Lüfte mit einer Spannweite von bis zu 2.60 Meter als Vogel der Könige und Herrscher verehrt, ab dem Mittelalter bis ins 19 Jahrhundert aber gnadenlos gejagt und so gut wie ausgerottet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Adler zum Feindbild der Bauern, weil sie Angst um ihre Schafherden hatten. Greifvögel galten als Sinnbild für das Böse, entsprechend wurden sie gejagt und geschossen.

Steinadler am Horst im Alpenzoo Innsbruck

Alpenzoo Innsbruck

Der Adler fliegt und brütet wieder in Tirol. Hier im Bild sehen wir „Donna“ aus dem Innsbrucker Alpenzoo

Es kann nur einen geben

Nur den strengen Schutzbestimmungen der vergangenen Jahrzehnte ist es zu verdanken, dass der Steinadler nun wieder auf Tirol hinabsieht. Adler haben ein ausgeprägtes Territorialverhalten, das sie strikt auch gegenüber Artgenossen verteidigen. „Deshalb ist die Angst unbegründet, dass die Population zu groß werden könnte. Die Adler regeln das selbst, weil sie keine anderen Könige der Lüfte in ihrem Territorium dulden. Herrscherin über das Revier ist die Adlerin. Sie ist wesentlich größer und mächtiger als die männlichen Tiere,“ erklärt Michael Martys.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
4. 3. 2017 ab 10.00 Uhr

Die Dolche des Greifers

Adler jagen aus der Luft Kleinwild, an etwas größere Tiere wagen sie sich nur, wenn sie geschwächt oder gerade verendet sind. Der Adler tötet nicht mit seinem mächtigen Schnabel, sondern mit seinen bis zu 8 Zentimeter langen scharfen Klauen. Er ist ein sogenannter Grifftöter. Mit bis zu 70 Kilogramm kann der mächtige Greifer zudrücken, da zersplittern auch große Knochen. Schlägt der Adler zu, wird seine Beute mit den spitzen, kräftigen Krallen erdolcht.

Kopf eines Steinadlers

Alpenzoo Innsbruck

Der scharfe Blick des Adlers ist sprichwörtlich. Seine Beute tötet er aber nicht mit dem beeindruckenden Schnabel, sondern mit den dolchartigen Klauen

Partnerschaft mit Hindernissen

Die Partnerschaft der Adler ist als durchaus schwierig anzusehen. Die Weibchen sind wählerisch. "Weil das weibliche Tier deutlich größer und schwerer ist als das Männchen, ist es für den Adler nicht ungefährlich, sich einer Adlerdame anzunähern. Das ist auch der Grund, warum Adlerin Donna im Alpenzoo nach dem Tod ihres ersten langjährigen Partners immer noch allein lebt.“ Unter mehreren anderen stolzen Adlerkandidaten war ihr noch kein Prinz genehm und sie hat alle verjagt.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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