Das Kreuz mit der Hüfte

Es war vor allem das verfehlte Zuchtziel beim Deutschen Schäferhund, das die Hüftdysplasie, kurz HD, in aller Munde brachte. Viele Rassen, vor allem große und schwere, kämpfen immer noch massiv mit dem Problem.

Obwohl der genetische und damit vererbbare Defekt seit langem bekannt ist, gelingt es offenbar nicht, die Hüftdysplasie bei Hunden auszumerzen. In Österreich und Deutschland wird inzwischen eine strenge Zuchtauslese vorgenommen und bei Zuchttieren auf HD geröngt. „Bei Tieren aus anderen Ländern wie Italien, Frankreich, Spanien oder den Ostländern ist das allerdings immer noch nicht der Fall. Werden Zuchttiere aus diesen Ländern zur Blutauffrischung eingesetzt, vererben sie HD leider wieder“, erklärt der Innsbrucker Tierarzt Peter Szabados.

Deutscher Schäferhund im Schnee

Tierarztpraxis Szabados

Größere Hunderassen wie Schäferhunde, Retriever oder Neufundländer usw. sind besonders anfällig für HD

Leiden von Welpenbeinen auf

Das Schlimme an dem vererbbaren Hüftschaden: Das Leiden beginnt nicht erst im fortgeschrittenen Hundealter, sondern bereits bei den Welpen. „Schon bei ganz jungen Hunden fällt auf, dass sie nicht herumspringen. Sie liegen viel und bewegen sich ungern. Bei Hunden im Alter von sechs bis acht Monaten sieht man die Hüftdysplasie dann schon an einem schaufelnden Gang. Die Hinterläufe werden nach außen gedreht. Dann muss man leider davon ausgehen, dass etwas nicht in Ordnung ist.“

Modell einer Hüfte beim Hund

Tierarztpraxis Szabados

Im Modell gut zu erkennen: Links eine gesunde Hüfte, rechts eine krankhafte veränderte Hüfte

Früh erkennen und behandeln

Ein möglichst frühes Erkennen der Hüftdysplasie beim Hund ermöglicht es, rechtzeitig mit Therapien anzusetzen. „Wenn man Glück hat, wächst sich ein vermeintliches Problem aus. Hat der Hund tatsächlich HD, kann ein früher Nerven- oder Muskelschnitt den Druck auf das Gelenk nehmen und Schmerzen lindern,“ sagt Tierarzt Szabados. Auch mit Physiotherapie gibt es gute Erfahrungen. Weil HD nicht heilbar ist, geht es vor allem darum, dem Hund ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen.

Röntgenbild einer Hüfte beim Hund mit Goldimplantaten

Tierarztpraxis Szabados

Auf diesem Röntgenbild von der Hüfte eines Hundes sind die Goldimplantate als kleine helle Punkte gut zu erkennen

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
4.2.2017 ab 10.00 Uhr

Schmerzmittel Gold

Gute Erfolge hat Tierarzt Peter Szabados mit Gold-Implantaten gemacht. Dabei nutzt die Veterinärmedizin offenbar die positiven Eigenschaften des Edelmetalls auf den Organismus. "Ein feiner Golddraht wird in kleine Stücke geschnitten. Die winzigen Goldpartikel werden dann mit einer Kanüle an das krankhafte Gelenk platziert. Die positiven Eigenschaften des Edelmetalls auf das Gewebe sorgen offenbar dafür, dass Entzündungen gemildert werden. Der Hund hat nach dem Eingriff weniger oder gar keine Schmerzen mehr.“ Das verbessert seine Lebensqualität enorm. Die Ursache der HD kann man damit aber nicht beheben, betont der Tierarzt.

Schäferhund in einer Tierarztpraxis

Tierarztpraxis Szabados

Ronja aus Wattens geht es nach dem Implantieren von kleinen Goldteilchen in ihre Hüfte deutlich besser

„Anfangs sind die Tierbesitzer oft skeptisch, weil es sich um ein alternatives Verfahren handelt,“ beschreibt Peter Szabados seine Erfahrungen. Er berichtet aber von überaus guten Erfahrungen. Einer seiner letzten Patienten aus Wattens, eine Schäferhündin, springt nach dem Eingriff inzwischen wieder fröhlich herum. Das wollte sie vorher gar nicht mehr. „Sie ist praktisch schmerzfrei und es geht ihr wirklich gut.“

Die Kosten für Goldimplantate liegen beim Hund etwa bei 1.000 Euro. Eine künstliche Hüfte - auch die gibt es in der Veterinärmedizin seit langem - kostet etwa das Doppelte. Sie ist sozusagen die letzte Möglichkeit, einem Hund mit schwerer Hüftdysplasie zu helfen.

Tierarzt Peter Szabados, Innsbruck

privat

Ausnahmsweise einmal nicht in seiner Praxis: der Innsbrucker Tierarzt Peter Szabados

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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