Der Hund im Bett

Manche Hunde dürfen einfach alles. Sie schlafen im Bett bei Frauchen und Herrchen, sitzen auf dem Stuhl am Esstisch und im Wohnzimmer auf der Couch. Ein Hundeleben ohne Grenzen bedeutet aber nicht unbegrenztes Hundeglück.

Manche Hunde dürfen nicht einmal ins Haus hinein, für andere gibt es überhaupt keine Grenzen. Katja Wolf, Sprecherin des Österreichischen Kynologenverbandes, kurz ÖKV, lädt zu einem interessanten Experiment ein. „Legen Sie sich doch einmal in das Hundebett und schauen Sie, wie der Hund reagiert. Meistens ist er gar nicht begeistert. Also das mit dem uneingeschränkten Teilen aller Lebensbereiche ist nicht unbedingt das, was der Hund will.“

Kleiner Hund liegt auf den Polstern im Bett

ÖKV

„Ich geh schon mal schlafen - Du kannst ja nachkommen...“ Dieser Jack Russell Terrier hat sich das Bett bereits erobert

Getrennte Betten für ruhigen Schlaf

So ist Katja Wolf der Meinung, dass es für Mensch und Hund durchaus Vorteile hat, das Bett nicht miteinander zu teilen. „Mit einem Bernhardiner stelle ich es mir etwas eng vor, bei einem ganz kleinen Hund hätte ich Angst, ihn zu erdrücken, wenn ich mich umdrehe.“ Mensch und Hund brauchen ihre Ruhe und die haben beide eher im eigenen Bett. Es spreche ja nichts dagegen, dass das Hundebett des Vierbeiners direkt neben dem seines Menschen steht.

Sendungshinweis:

Radio Tirol am Vormittag, 21.10.2017, 10.00 bis 12.00 Uhr

Kuscheln erwünscht

Dass viele Hunde tatsächlich die körperliche Nähe ihres Menschen suchen, ist bekannt. Trotzdem sei es keine grobe Zurückweisung, wenn dem Lieblingsvierbeiner gewisse Grenzen im täglichen Umgang gesetzt werden, findet Katja Wolf. „Wenn der Hund genügend Streicheleinheiten, Kuschelzeit und Aufmerksamkeit tagsüber genießt, wird er es auch aushalten, nachts allein zu schlafen,“ ist Katja Wolf überzeugt. Sie findet, dass es einem Vierbeiner durchaus zuzumuten ist, zurück gewiesen zu werden. „Nein, wir teilen uns nicht die Duschkabine und er muss auch nicht in der Küche herumwuseln, wenn ich mit heißem Essen hantiere.“ Es gibt Zeit, die zusammen verbracht wird und Zeit, die der Hund auch mal allein verbringt. Zum Beispiel in seinem eigenen Hundebett.

Großer Hund in einem Hundebett

ÖKV

„In meinem Hundebett ist es auch schön flauschig“, findet Ingah

Der Hund ist ein Hund

Menschen und Hunde leben eng zusammen, aber jeder führt sein eigenes Leben in dieser Gemeinschaft. „Ich wälze mich ja auch nicht in der Wiese, wie mein Hund es so gern macht. Ich esse nicht aus seinem Napf und er nicht von meinem Teller. Es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden sollten.“ Weil der Hund eben ein Hund ist und bleibt. Deshalb lieben wir ihn ja auch.

Hygiene und Krankheitsübertragung

Intensives Schnüffeln an Hundekot, das Wälzen in Aas, das Fressen von Pferdeäpfeln - es gibt viele Beispiele dafür, dass Menschen von Hygiene andere Vorstellungen haben. Tatsächlich werden etwa Fuchsbandwürmer weniger durch Wildtiere direkt als vielmehr durch den engen Kontakt mit Haustieren auf den Menschen übertragen. Das ist zwar durchaus selten, kommt aber vor. Auf der anderen Seite können kranke Personen, zum Beispiel bei einer starken Erkältung, auch Hunde krank machen. Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden, heißen Zoonosen - mehr dazu in Wenn Tiere Menschen krank machen.

Regeln bieten Sicherheit

Es sind genau diese Grenzen, die einem Hund Sicherheit geben. Wenn er weiß, wo im Rudel sein Platz ist, wer das Alphatier ist und was er tun und lassen darf, stärkt das seine Persönlichkeit und sein Selbstvertrauen. "Hunde brauchen ein klares „Ja“ oder „Nein“. Mit einem „Vielleicht“ werden sie nur verwirrt und unsicher. Weil Hunde in einer Menschenwelt leben und nicht umgekehrt, muss der Mensch die Spielregeln vorgeben. Wenn der Hund das Kommando übernimmt gibt es Probleme, das ist sicher.

Benimm-Knigge für unterwegs

Während die Regeln in den eigenen vier Wänden tatsächlich jedem Hundehalter und seiner Familie selbst überlassen bleiben, sind dem Verhalten des Hundes in der Öffentlichkeit Grenzen gesetzt. Andere Menschen, die vielleicht sogar Angst vor Hunden haben, sehen es am liebsten, wenn der Vierbeiner mit den Reißzähnen für sie so gut wie unsichtbar bleibt. Auf der Straße genauso wie im Restaurant. „Das größte Kompliment ist für mich, wenn der Gastwirt oder andere Gäste sagen, sie hätten den Hund gar nicht bemerkt.“

Kleiner Hund auf einem Stuhl schaut in die Kamera

ÖKV

Mit ihrem sprichwörtlichen Hundeblick erreichen unsere vierbeinigen Mitbewohner (fast) alles. Gewisse Regeln müssen trotzdem sein

Überall Zuhause

Die meisten Hotels, Restaurants und viele Geschäfte erlauben Hunde inzwischen. Eine gute Idee für das Wohlbefinden des vierbeinigen Gastes ist eine eigene Hundedecke. „Das ist Stück transportables Zuhause. Die Decke unter den Tisch gelegt, weiß der Hund, dass dort sein Platz ist und er bleibt auch dort, wenn er das so gelernt hat.“ Außerdem bietet die Decke Schutz vor kalten Steinböden, auf denen vor allem kleine und kurzhaarige Hunde oft ungern liegen bleiben.

Wenn der Hund zu Hause alles darf, wird es schwierig sein, ihm beizubringen, dass er zum Beispiel im Restaurant nicht ebenfalls auf dem Stuhl am Tisch sitzen darf, sagt Katja Wolf. Die Regeln, die aufgestellt wurden, müssen immer gelten und laufend überprüft werden. Nur dann hält sich der Hund daran. Egal ob zu Hause, bei einem Besuch oder in der Öffentlichkeit.

Neben dem Chef sein macht stark

Verhaltensforscher erklären den Drang der Hunde, im menschlichen Bett zu liegen oder am liebsten auf dem Fahrersitz im Auto Platz zu nehmen, ziemlich nüchtern. Das rangniedrigere Tier sucht die Nähe des Rudelführers, um selbst im Rudel aufzusteigen. Von Kuschelromantik ist da nicht die Rede.

Der Hund ist kein Mensch und der Mensch ist kein Hund. Mit diesem ganz banalen Gedanken im Hinterkopf, klappt das mit dem zufriedenen Zusammenleben aller Beteiligten eigentlich ganz gut.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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