CIPRA fordert Ende beim Seilbahn-Wettrüsten

Vor der Zunahme an Seilbahnprojekten warnt am Freitag die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA. Sie fordert eine alpenweite Debatte darüber. Als Negativbeispiel nennt CIPRA den Zusammenschluss Pitztal-Ötztal.

Derzeit herrsche eine „unkontrollierte Wachstumsspirale“ und ein „Überbietungswettbewerb“ vor, kritisierten CIPRA-Vertreter von Deutschland, Österreich und Südtirol am Freitag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Eine solche Strategie des „ungebremsten Wachstums“ beeinträchtige die Umwelt und stehe im Widerspruch zu den großen Herausforderungen wie dem Klimawandel. „Es braucht eine alpenweite Denkpause“, verlangte Katharina Conradin, Präsidentin von CIPRA International.

Respekt vor Schutzgebieten „unerlässlich“

Zudem pochten die Vertreter der Alpenschutzkommission auf die Ausarbeitung eines „Konzepts der alpinen Raumordnung“ auf Basis der Alpenkonvention sowie die Einhaltung von bestehenden raumplanerischen Grundlagen durch die Behörden. Die Raumordnungen seien in der Vergangenheit immer wieder ausgehöhlt worden, kritisierte der Vorsitzende von CIPRA-Österreich, Peter Haßlacher. Auch sei der Respekt vor den bestehenden Schutzgebieten unerlässlich.

Katharina Conradin, Präsidentin von CIPRA International, erklärt, weshalb es eine alpenweite Nachdenkpause in Bezug auf den Bau weiterer Seilbahnprojekte braucht.

Lösung nur länderübergreifend möglich

Die Alpenschutzkommission forderte einen „Dialog auf Augenhöhe“ mit den Tourismusverantwortlichen und der Politik. „Die Problematik der Übererschließung ist nur auf internationaler, alpenweiter Ebene zu lösen“, so Haßlacher. Man wolle nun den Vorlauf für die 14. Alpenkonferenz in Deutschland Mitte Oktober nützen, an der auch die Umweltminister der Alpenstaaten teilnehmen werden. Dort sollten sich die Verantwortlichen der Problematik annehmen. „Es müssen die heißen Themen der Übererschließung, des Transits, der Raumordnung und des alpinen Flächenverbrauchs angenommen werden“, erklärte Haßlacher.

„Wettrüsten“ von der Schweiz bis Bayern

Derzeit finde jedenfalls ein länderübergreifendes Wettrüsten statt, das mit immer gigantischeren Investitionen und Umweltzerstörungen einhergehe - und das bei einer sinkenden Bedeutung des Skisports bzw. des Skitourismus. Die CIPRA-Verantwortlichen nahmen dabei etwa auf den geplanten Zusammenschluss der Gletscherskigebiete Ötztal und Pitztal Bezug. Dieses sei an „gigantischer Projekterweiterung nicht mehr zu überbieten“, wurde kritisiert.

Ein Dorn im Auge sind den Alpenschützern etwa die in Diskussion stehenden Erschließungen vom Kaunertaler Gletscher ins Langtauferer Tal sowie von Sexten in Südtirol nach Sillian in Osttirol. Auch eine geplante Skigebietsverbindung am Riedberger Horn im bayerischen Allgäu sowie jene von Andermatt nach Sedrun in der Schweiz wurden unter anderm als Negativbeispiele genannt.

Kritik übt Seilbahn-Vertreter Hörl

Scharfe Kritik an der Alpenschutzkommission CIPRA und dem Alpenverein, der den Vorstoß von CIPRA unterstützt, übt Franz Hörl, der Obmann des Fachverbandes der österreichischen Seilbahnen. Die beiden Organisationen seien Oberegoisten-Vertreter, die auf allen Ebenen danach trachten würden, die Täler menschenleer zu machen, so Hörl. Man brauche keine Zurufe von CIPRA und ÖAV, man lebe seit Jahrzehnten im Einklang mit der Natur und sei sehr ökologisch orientiert, verteidigt Hörl seine Branche.

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