Bergtouren mit Hunden

Stundenlange Streifzüge in die heimische Bergwelt genießen vierbeinige Bergfexe ganz besonders. Vorausgesetzt die Hunde haben die entsprechende Kondition und sind kerngesund. Mit einem Hund ist die Bergtour nocheinmal so schön.

Es gibt ja genügend Bergfreunde, die viel lieber mit ihrem Hund als mit anderen Zweibeinern zu einer Tour aufbrechen. Der Grund ist klar: Die Vierbeiner nörgeln nicht und haben immer Lust, mit zu kommen. Die Hunde-Rasse spielt dabei kaum eine Rolle. Vorraussetzung ist aber ihre Gesundheit, ihre Fitness und ihr Alter, sagt die Innsbrucker Hundetrainerin Caroline Burchell.

Zwei Hunde jagen sich spielerisch am Gipfelkreuz

Caroline Burchell

Energie ohne Ende: die meisten Hunde schaffen Bergtouren locker und haben auch am Gipfel noch Reserven

Wer zum Bergfex taugt

„Wenn sie entsprechend trainiert sind, können eigentlich alle Hunde mit auf den Berg. Ausnahmen machen nur sehr alte Hunde oder Welpen. Während die Senioren meist schon mit Problemen im Bewegungsapparat zu kämpfen haben, sind junge Hunde mit längeren Ausflügen noch überfordert.“ Keine prinzipiellen Einschränkungen macht Caroline Burchell bei den Rassen. „Auch Dackel und kleine Hunde lieben es, am Berg zu sein. Allerdings sollte man auf ihre kurzen Beine Rücksicht nehmen. Sie können natürlich nicht so schnell laufen oder weit springen wie größere Hunde.“ Für alle Hunde gilt bei größeren Bergtouren so wie bei den Menschen: sie müssen topfit sein.

Vier Hunde auf einem Felsen

Caroline Burchell

Egal welche Rasse und welche Größe ein Hund hat. Ob er bei Bergtouren mit kann, hängt von seiner Fitness und seiner Gesundheit ab

Keine Klettermaxe auf vier Beinen

Eine angepasste Tourenplanung ist für jede Bergtour ein Muss. Ob die Anforderungen dem eigenen Können entsprechen, ob das Wetter passt und ein Notfallplan zurechtliegt - all das spielt mit oder ohne Hund eine große Rolle. Wer seinen Vierbeiner mitnimmt übernimmt allerdings auch eine zusätzliche Verantwortung. Manche Hunde bewegen sich zwar mit beeindruckender Sicherheit auch auf blankem Fels. Mit ihren Krallen laufen sie aber Gefahr, abzurutschen und abzustürzen. "Bei Touren mit Kletterpassagen, die auch der Zweibeiner nur mit einer Seilversicherung oder angeseilt meistert, bleiben die Hunde besser daheim. Für sie ist die Absturzgefahr zu groß. „Bei Bergtouren die ich im Rahmen meines Vereins Joy und Co anbiete, verzichten wir auf schwarze Touren und beschränken uns auf mittelschwere An- und Abstiege,“ erklärt die Hundetrainerin.

Mit drei Hunden am Berg auf einem schmalen Steig

Caroline Burchell

Auf schmalen Steigen heißt es: immer schön im Gänsemarsch

Frei ohne Leine?

Ob ein Hund am Berg frei laufen darf oder angeleint bleibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Rücksicht auf andere Bergsteiger, Wildtiere und Weidevieh steht bei dieser vieldiskutierten Frage aber an erster Stelle. „Wenn andere Bergsteiger unterwegs sind, lasse ich den Hund an der Leine hinter mir gehen. Das gilt vor allem für enge Steige, wenn die anderen entgegen kommen,“ betont Caroline Burchell. Auch wenn der Hund eine Fährte in der Nase hat und schon prüfend wittert wird er vorsorglich angeleint. „Nach ein paar hundert Metern kann er dann ja wieder frei laufen.“ Angeleint wird immer vorausschauend und nicht erst, wenn der Hund auf Wild oder Weidevieh schon durchgestartet ist.

Sicherheit und Risiko

Außerdem muss vorort geklärt werden, ob die Leine mehr Sicherheit bringt oder ein Sicherheitsrisiko birgt. „Bei Stellen, an denen der Hund abstürzen könnte, nehme ich ihn an einem gut sitzenden Geschirr an die Leine. Allerdings muss bedacht werden, dass ein ziehender Hund auch seinen zweibeinigen Begleiter leicht mitreißen und in Gefahr bringen kann.“ Mit Geschirr haben auch kleinere Hunde eine beträchtiche Kraftübertragung. Im Zweifel darf der Hund seinen Menschen nicht gefährden und muss alleine im Gelände zurecht kommen. Lieber einmal zu viel umkehren, als einen Unfall provozieren, heißt auch mit dem Hund die Devise am Berg.

Hund trinkt aus einer Quelle

Caroline Burchell

Eine natürliche Wasserquelle wird gerne genutzt, verlassen kann man sich aber nicht darauf

Immer Wasser im Gepäck

So wie wir Menschen uns am Berg auf jeden Fall mit ausreichend Flüssigkeit versorgen müssen, sollte auch an den Hund gedacht werden. Sich darauf zu verlassen, dass man irgendwann schon an einer Wasserstelle vorbeikommt, genügt nicht.
„Gerade im Karwendel gibt es einige Touren, bei denen man an keiner Wasserstelle vorbeikommt. Für den Hund habe ich immer extra Wasser dabei,“ sagt Caroline Burchell.

Keine Gipfel-Jause notwendig

Im Gegensatz zum Wasser braucht der Hund keine zünftige Gipfeljause. Da denken wir Menschen zu sehr in unseren Mahlzeiten-Kategorien. „Ich habe allerdings immer Leckerlis dabei, damit ich den Hund in bestimmten Situationen positiv bestärken kann. Wenn ich ihm dann auch am Gipfel eines gebe, ist sicher nichts dagegen einzuwenden. Eine extra Mahlzeit mitzunehmen, halte ich aber auch bei Touren von mehreren Stunden nicht für notwendig. Der Hund schafft den Abstieg auch ohne zusätzliche Stärkung.“

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
3. 9. 2016 ab 10.00 Uhr

Gelenke schonen beim Abstieg

Lange Bergtouren mit steilen An-und Abstiegen sind nichts für Menschen und Hunde mit Übergewicht, Herz-Kreislaufproblemen oder Gelenksschmerzen. Um die Hunde nicht zusätzlich zu belasten bleibt das wilde Bergablaufen tabu. "Wenn ich einen Ball oder einen Stecken bergab werfe und der Hund mit Volldampf nachrennt, belastet das seine Ellbogen und Kniegelenke extrem. Das sollten wir vermeiden.“

Hund sitzt auf einem Felsen am Berg

Caroline Burchell

„Sitz“ auf dem Felsen - eine leichte Gehorsamsübung macht am Berg doppelt Spaß

Kleine Übungen zwischendurch

Sehr wohl können auch auf der Bergtour kleine Aufmerksamkeits- oder Gehorsamsspiele eingebaut werden. „Ich kann den Hund über einen Baumstamm balancieren lassen, oder auf einen kleinen Felsen setzen. Ich kann ihn auch ablegen und zuerst über eine Brücke gehen. Er kommt dann auf Zuruf nach.“ Das sind alles Spiele, die die Bindung zwischen Zwei- und Vierbeinern stärken und ganz nebenbei auch den Gehorsam schulen. Wer seinen Hund immer nur mitlaufen lässt, als wäre er gar nicht dabei, lastet ihn eigentlich zu wenig aus, sagt die Trainerin.

Das Gleichgewicht, das für Menschen wie Hunde am Berg so wichtig ist, lässt sich übrigens auch schon zu Hause schulen. Mit Wackelkissen und Balancierübungen lernt der Hund trittsicher zu werden und sich auch in schwierigem Gelände zu bewegen. Auch die Erfahrung macht Hunde mit der Zeit zu echten Bergsteigern. "Sie lernen, wie weit sie springen und was sie sich zutrauen können. Deshalb gilt so wie für die Zweibeiner, die Anforderungen langsam steigern, von leichten zu schwereren Touren.

Hundetrainerin Caroline Burchell, aus Innsbruck

Caroline Burchell

Hundetrainerin Caroline Burchell bietet mit ihrem Verein Joy und Co auch Bergwanderungen mit Hunden an

Nach der Tour ist Ruhe

Nach einer Bergtour ist Ruhe angesagt, betont Hundetrainerin Caroline Burchell. Keine Kinder, die mit ihm herumtollen wollen, kein aufregender Verwandtenbesuch und schon gar kein Einkaufsbummel in der Stadt mehr. Hunde brauchen ihre Ruhephasen, auch und gerade nach einer Bergtour.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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