Hühnerhaltung als buntes Hobby

Von industrieller Hühnerhaltung wollen viele Menschen nichts mehr wissen. Sie sind auf der Suche nach artgerechter Haltung und wollen bedenkenlos ihr Frühstücksei genießen. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, hält sich Hühner am besten selbst.

Wenn man etwas über Hühner und ihre artgerechte Haltung erfahren will, ist Pians im Oberland keine schlechte Adresse. Hier hält die HTL Lehrerin Alexandra Zangerl rund 60 Hühner verschiedenster Rassen, Farben und Formen. Hühner sind ihr Hobby.

Hühnergruppe im großen Gehege

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So bunt ist die Hühnerschar in Alexandra Zangerl Freigehege in Pians.

Vielfalt im Federkleid

Ob federfüßige Zwerghennen, Strupphennen, ostfriesische Mövchen, Seidenhennen oder was es sonst noch alles gibt. Wer Hühner nicht reinrassig züchten möchte, kann sie ruhig alle zusammen in ein Gehege setzen. „Ich selbst freue mich über jedes Ei und über jeden Nachwuchs, auch wenn kein reinrassiges Huhn dabei herauskommt,“ sagt Alexandra Zangerl. Sie bezeichnet sich deshalb auch nicht als Hühnerzüchterin, sondern als Hobby-Hühnerhalterin. Sie liebt die Vielfalt in ihrer Hühnerschar.

Egal ob bunt gescheckt, schwarz marmoriert, mit einem kecken Schopf auf dem Kopf oder Federn an den Füßen. Für sie ist jedes Huhn ein Kunstwerk. Wer sich mit den einzelnen Hühnerrassen etwas beschäftigt, wird über die Vielfalt an Farben, Formen und Größen überrascht sein. Den meisten wird es schwer fallen, sich für eine Rasse zu entscheiden.

Schwarz weißes Sebright-Huhn

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Eine Schönheit: Ein Sebright Huhn zeigt sich in seiner ganzen Pracht

Farbenfrohe Eiersammlung

Nur in der industriellen Produktion gleicht ein Ei dem anderen. In Freilandhaltung mit verschiedenen Rassen gibt es eine bunte Vielfalt. Mit unterschiedlicher Qualität hat das nichts zu tun. Die Eier unterscheiden sich nicht nur in ihrer Größe deutlich, sondern auch in ihrer Farbe und der Konsistenz der Schale. Manche sind weiß, andere braun, einige gefleckt, manchmal sind sie auch grün. Einige fühlen sich rau an und wieder andere sind wie aus Porzellan. Mit der Zeit gelingt es dem Hühnerfreund, die Eier genau der Produzentin zuzuordnen.

Verschiedene Eier auf einem Teller

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Eierlei: Wer Hühner verschiedenster Rassen hält, darf sich über einen bunten Eiermix freuen.

Das beste Futter für die besten Eier

Bei artgerechter Haltung in einem ausreichend großen Gehege finden Hühner ihr Futter außer im Winter selbst. Sie fressen Insekten, Grassamen, Fallobst, wilde Kräuter und was die Natur im Wechsel der Jahreszeiten sonst noch alles hergibt. Je natürlicher die Nahrung, desto besser, sagt Alexandra Zangerl. „Ich füttere etwas Getreide dazu, dabei achte ich auf österreichische Qualität.“

Außerdem bekommen die Hühner Kräuter und Gemüse aus dem eigenen Garten. Im Gehege hat sie einen eigenen Hühner-Kräutergarten angelegt, außerdem wachsen Apfel- und Kirschbäume, sowie zahlreiche Beerensträucher. „Bei der Ernte muss man sich nicht mehr bücken, auf einer Höhe von etwa 80 Zentimetern pflücken die Hühner ihr Futter selbst,“ schmunzelt Alexandra Zangerl.

Hühnerhalterin Alexandra Zangerl mit einem schwarzen Hahn im Arm

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Alexandra Zangerl herzt Hahn Fauso, den faulen Socken. Die meisten ihrer Hühner sind handzahm.

Zwiebel und Knoblauch gegen Krankheiten

Um Krankheiten abzuhalten kocht die Hühnerhalterin ihren Eierproduzentinnen Reis oder Nudeln mit Faschiertem und mischt viel Zwiebeln und Knoblauch darunter. Für sie ist das neben viel frischer Luft und Bewegung die beste Gesundheitsvorsorge fürs Federvieh. Zum Trinken können die Hühner zwischen einer Tränke und dem Teich wählen. Warum ihnen das trübe Nass aus dem Teich besser schmeckt als das klare Wasser vom Brunnen, bleibt das Geheimnis des Federviehs.

Ausmisten als Freizeitbeschäftigung

Oberstes Gebot für gesunde Hühner ist die Sauberkeit im Gehege und im Hühnerhaus. Das regelmäßige Ausmisten, vor allem der Legeplätze macht viel Arbeit. Die Zeit dafür muss man aufbringen. Obwohl es wahre Hühnerfreunde nicht als lästige Pflicht, sondern als erholsame Beschäftigung sehen. „Ich bezeichne es nicht als Arbeit, es ist ja mein Hobby. Wenn ich das große Hühnerhaus ganz ausmiste und frisch einstreue, brauche ich etwa zwei Stunden,“ rechnet Alexandra Zangerl.

Viel Platz fürs glückliche Hühnerleben

Wichtig ist auch der Platz. Freilaufende Hühner brauchen viel Raum im Freien. Damit das Federvieh, das ständig scharrt und pickt, nicht nach wenigen Tagen einen umgegrabenen Acker vorfindet, lieber weniger Hühner als zu viele halten, empfiehlt Alexandra Zangerl. „Wer wenig Platz zur Verfügung hat, kann mindestens drei Hühner halten. Weil das Gras bald aufgepickt sein wird, können Rasenschnitt, Heu, Äste, Zapfen und Buschwerk für Abwechslung sorgen.“ Auch Wasser zum Trinken muss immer frei zur Verfügung stehen. Im festen Hühnerhaus sollten Sitzstangen und getrennte, dick eingestreute Legeplätze nicht fehlen. Hühner lieben es gemütlich.

Braunes Huhn im Hühnerhaus beim Eierlegen

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Ungestört in einem dicken Strohbett legen und brüten Hühner am liebsten.

Schutz vor natürlichen Feinden

Alexandra Zangerl hat in der Hühnerhaltung freilich auch schon bittere Rückschläge erlebt. Einmal hat ein Fuchs ihr dreißig Hühner gerissen. Auch Marder haben es auf Hühner abgesehen. All diesen natürlichen Feinden muss ein Hühnerhaus standhalten. Die Hartnäckigkeit und Gerissenheit eines hungrigen Räubers sollten Hühnerhalter nicht unterschätzen.

Aus der Luft droht Gefahr durch Greifvögel, vor allem Habichte und Bussarde schlagen Hühner, wenn diese nicht mit Netzen von oben gesichert sind. Zu ihrer Sicherheit sollten Hühner deutlich vor der Abenddämmerung in den Stall gesperrt und erst nach Tagesanbruch aus dem sicheren Haus ins Freigehege gelassen werden. Automatische Türen mit Zeitschaltuhren erleichtern die Arbeit der Hühnerhalter. Von Zeit zu Zeit wird freilich den meisten Hühnerfreunden passieren, dass natürliche Feinde einige ihrer Hühner erbeuten. Das wird sich bei der Freilandhaltung nicht ganz vermeiden lassen. Zumal es Hühner gibt, die wahre Ausbrecherprofis sind. Die leben dann besonders gefährlich.

Schwarzer Hahn

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Sie sind zwar der Stolz jeder Hühnerschar, wer keinen Ärger mit den Nachbarn haben will, verzichtet aber vielleicht lieber auf einen Hahn.

Da kräht kein Hahn danach

Bevor der eigene Hühnerstall entsteht, gilt es, sich mit den örtlichen Gegebenheiten in der eigenen Gemeinde auseinander zu setzen. Das betrifft vor allem die Laustärke und die Tages- und Nachtaktivitäten eines stolzen Hahns. Die Begeisterung, jeden Morgen gegen 4.00 Uhr vom Hahn des Nachbarn geweckt zu werden, hält sich in der Regel in Grenzen. Nicht immer werden Eier als kleine Geste der Wiedergutmachung für eine gestörte Nachtruhe akzeptiert. Es gibt inzwischen einige Gerichtsurteile, vor allen in Städten, wo im Zweifel gegen den Hahn entschieden wurde. Das Gericht urteilt dabei, ob das Krähen ortsüblich ist oder nicht und verfährt in einer Reihenhausanlage anders als in einem sehr ländlich geprägten Ambiente.

Wer dennoch auf seine eigenen Eier nicht verzichten möchte, braucht allerdings keinen Hahn in seiner Gruppe. Die Hühner legen auch ohne ihren männlichen Kollegen brav fast jeden Tag. Nur wer sich ab und zu Küken-Nachwuchs wünscht oder überhaupt züchten will, kommt um den stolzen Chef im Federmantel nicht herum.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
13. 5. 2017 ab 10.00 Uhr.

Und das Ende?

Ohne Zweifel haben Hühner aus Freilandhaltung mit artgerechter Fütterung das beste Fleisch schlechthin. Allerdings geben vor allem kleine Rassen kaum eine Mahlzeit auf dem Teller ab. Die meisten Hobby-Hühnerhalter bringen es ohnehin nicht übers Herz, ihre gehegten und gepflegten Zweibeiner zu schlachten und zu rupfen. So erreichen manche Hühner ein geradezu biblisches Alter. Alexandra Zangerls Älteste ist schon neun Jahre und macht keinerlei Anstalten, in den Hühnerhimmel abzutreten.

Eine Hühner-Fibel zum Nachlesen

Ihre Erfahrungen hat Hühnerhalterin Alexandra Zangerl in einer eigenen kleinen Fibel mit vielen Bildern zusammengestellt. "Ich wurde immer wieder über dies und jenes über die Hühner gefragt. So ist die Idee für das kleine Büchlein entstanden.“

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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