Laufenten - Schneckenvertilger im Garten

Als fleißige Schneckenfresser im Garten sind sie berühmt und beliebt geworden. Laufenten werden zunehmend in heimischen Gärten gehalten, damit sie die verhassten Nacktschnecken aus dem Weg räumen. Die munter schnatternde Entenschar stellt aber auch hohe Ansprüche.

Schlank und hoch aufgerichtet watscheln sie eng beieinander durchs Grün, haben offenbar immer viel zu tun und sich noch mehr zu erzählen. Und - ja es stimmt - auf ihrem Speiseplan stehen tatsächlich maßgeblich Nacktschnecken und ihre Eier, sagt der Obmann des Tiroler Geflügelzuchtvereines Hans Oberlechner. Für Gartenfreunde klingt es fast zu schön, um wahr zu sein. Die Gärtner müssen sich um die Schneckenplage keine Sorgen mehr machen - um ihre freiwilligen Helfer aber sehr wohl.

Vier Laufenten im Garten

Nienetwiler

Immer schön beisammen bleiben, so lautet die Devise bei den Laufenten.

Viel Wasser muss sein

Wer Laufenten als Schneckenvertilger halten will, muss den Schnattergästen nämlich auch einiges bieten. Viel Wasser zum Beispiel. Sie brauchen es, um ihre schleimige Kost einzuweichen und sie wollen ausgiebig baden und plantschen. Es sind ja schließlich Enten. Mindestens große Schüsseln, Badewannen oder Kinderschwimmbecken sollten es sein. Ein großer Teich ist natürlich der Traum aller Enten. Vergessen Sie allerdings die Vorstellung, dass Sie und Ihre Laufenten im selben Wasser schwimmen wollen. Enten verwandeln fast jede Wasserfläche schnell in eine Dreckbrühe. Ein häufiger Wasserwechsel von Wannen, Behältern und Schüsseln ist unumgänglich, erklärt Hans Oberlechner. Auch die Filter der Teichanlagen verschmutzen durch Enten schneller und müssen regelmäßig gereinigt werden.

Viel Platz zum Herumstöbern

Laufenten - das sagt schon ihr Name - brauchen aber auch viel Platz zum Laufen. Außerdem sind sie unendlich neugierig, graben und hacken mit ihren Schnäbeln den Boden um und haben eigene Vorstellungen von einem schönen Garten. Sie gestalten ihn auch gern selbst einmal um. Möglichst naturbelassen sollte er sein, mit vielen verschiedenen Bereichen, Gehölzen und Gestrüpp. Für zwei Enten werden im besten Fall rund 400 Quadratmeter Platz benötigt. Ein kleiner Rasen hält keine Enten aus und würde sehr schnell mit dem weichen Entenkot verschmutzt werden. Ordnungsfanatiker und Freunde des perfekten englischen Rasens werden mit Laufenten keine Freude haben und umgekehrt. Auch Hobby-Gemüsebauern müssen sich vorsehen. „Enten knabbern schon mal an zarten jungen Salatpflänzchen und lieben Grünzeug jeder Art,“ warnt Oberlechner. Weil Laufenten nicht fliegen oder springen, kann man sie mit einem niedrigen Zaun aber ganz gut in die Schranken weisen.

Mann mit Laufente im Arm vor einem Entenschild

dpa/Franz Mächler

Ein Verkehrsschild „Vorsicht Laufenten“ gibt es noch nicht. Wenn sie auskommen watscheln sie aber auch mal gerne auf der Straße.

Ein bunter Speiseplan

Laufenten werden in der Regel mit Körnern, Grünzeug und sogar Speiseresten aus der Küche gefüttert. Man sollte ihnen nur nicht soviel anbieten, dass sie keinen Hunger auf Schnecken mehr haben. Abgeraten wird davon, Schnecken einzusammeln und sie den Enten in der Schüssel vorzusetzen. Sie fressen dann zu viele davon und können ersticken. Lassen Sie die Laufenten ruhig selber nach Nacktschnecken und ihren Eiern stöbern. Auch Insekten, Würmer und Larven suchen sie sich im Garten. Eigenes Entenfutter wird im Fachhandel angeboten, auch Hühnerfutter wird gerne angenommen.

Laufenten-Erpel

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Ihre typische aufrechte Haltung macht Laufenten sofort erkennbar. Ausbüchsen ist ihr Lieblingshobby.

Ein guter Zaun und ein sicheres Entenhaus

Laufenten können zwar nicht fliegen wie ihre Verwandten, aber sie lieben es, auszubüchsen und sich zu neuen Abenteuern auf den Weg zu machen. Zu ihrer eigenen Sicherheit brauchen sie einen Zaun, durch den sie nicht schlüpfen können, auch wenn sie sich ganz dünn machen. Wichtig ist außerdem ein raubtiersicheres und geräumiges Entenhaus. Pro Ente wird ein Quadratmeter Platz empfohlen. „Der Eingang sollte so hoch sein, dass die aufrecht watschelnden Enten bequem hinein kommen,“ empfiehlt Hans Oberlechner. In der Nacht kommt das Schnattervolk ins sichere Haus, in der Früh wird es dann wieder ausgelassen. Die Einstreu besteht am besten aus Holzspänen und Stroh. Das Entenhaus sollte so geräumig sein, dass es gut ausgemistet und gesäubert werden kann. Mindestens einmal in der Woche wird die gesamte Einstreu erneuert. Futterbehälter und Tränken werden täglich sauber gemacht. Räuber wie Greifvögel, Marder oder Füchse dürfen keine Chance haben, ins Entenhaus einzudringen.

Ein Laufentenerpel und drei Enten

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Laufenten fühlen sich nur in der Gruppe wohl. Am besten sind ein Erpel und mehrere Entendamen zu halten.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
22. 7. 2017 ab 10.00 Uhr.

Nur gemeinsam sind sie lustig

Laufenten müssen in der Gruppe gehalten werden, zwei sind das mindeste, drei sind in Ordnung und mehrere noch besser. Letztlich ist alles eine Frage des Platzes. Am häufigsten sieht man einen Erpel und zwei Enten durchs Gras watscheln.

Laufenten gelten als fleißige Eierproduzenten. Ihre Eier können genauso wie Hühnereier zubereitet und verzehrt werden. Eine gemeinsame Haltung von Enten und Hühnern wird wegen der Übertragung von Salmonellen nicht empfohlen, außer es steht ein sehr großes Grundstück zur Verfügung, sagt Hans Oberlechner.

Hans Oberlechner, Obmann des Geflügelzuchtvereins Tirol

privat

Hans Oberlechner, Obmann des Tiroler Geflügelzuchtvereins.

Was tun, wenn sie ausbüchsen?

Sollten Ihre Laufenten übrigens tatsächlich einmal auskommen - was angesichts ihrer Neugierde nicht ausgeschlossen werden kann - muss keine wilde Jagd beginnen. Laufenten sind in der Regel zahm und bleiben immer zusammen. So können sie einfach und ruhig wieder in ihren Garten dirigiert werden. Wie Sie Ihrer Nachbarin das Fehlen der frisch eingesetzten Salatpflänzchen erklären, bleibt dann Ihnen überlassen. Ihre Laufenten werden nur schelmisch darüber schnattern und die Unschuldsmiene aufsetzen.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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