Gelenkserkrankungen bei Hunden

Wenn ein lustiger Springinsfeld keine Lust mehr hat zum Laufen und Herumtoben könnte das auf Gelenksprobleme hinweisen. Sie treten viel häufiger auf als früher. Dabei sind nicht nur Senioren, sondern auch schon ganz junge Hunde betroffen.

War die Hüftdysplasie bei Deutschen Schäferhunden jahrelang im Gespräch gibt es hier eine gute Nachricht. Dank des korrigierten Zuchtziels ist diese angezüchtete, also angeborene Form der Gelenkserkrankung heute weniger häufig als früher. Die schlechte Nachricht ist, dass Probleme mit Gelenken bei Hunden generell zugenommen haben, sagt Rupert Wassermann von der Tierklinik St. Lukas in Arzl im Pitztal.

Weißer Welpe

ÖKV

Wenn schon ganz junge Hunde Probleme mit ihren Gelenken haben, ist das meist erblich bedingt.

Schon junge Hunde sind betroffen

Während man bisher Gelenkserkrankungen eher auf das höhere Alter der Hunde zurück führte, sind heute leider zunehmend bestimmte Rassen bzw. auch schon junge Hunde betroffen. „Häufig haben zum Beispiel Labradore, Golden Retriever oder Boarder Collies mit ihren Gelenken Schwierigkeiten,“ sagt der Tierarzt. „Die Hunde sollen sportlich aussehen und werden schmal gezüchtet. Haben sie dann zu viel Gewicht, schadet das den Gelenken extrem.“

Hund springt nach Frisbee-Scheibe

APA

Allzu wildes Spiel kann langfristig die Gelenke stark belasten.

Der Lebensstil muss passen

Häufig sieht man Gelenksprobleme bei Modehunden. „Der Boarder Collie etwa ist ein Hüte- und Arbeitshund, er ist extrem lauffreudig. Er wird gerne gekauft, weil er so nett aussieht. Wenn er dann aber den ganzen Tag in der Wohnung herumsitzt und zu wenig Auslauf bekommt, nimmt er meistens zu und das kann die Ursache für schlechte Gelenke sein.“ Wenn man sich einen Hund anschafft, sollte man sich genau überlegen, ob der Lebensstil von Mensch und Vierbeiner zusammen passt. Denn auch Überforderung kann Gelenken schaden. Übermäßiger Sport oder allzu wildes Spiel kann auf Dauer ebenfalls die Gelenke stark belasten. „Einen Hund unter einem Jahr würde ich etwa nicht auf eine Ski- oder Bergtour mitnehmen. Knochen und Gelenke sind bei einem so jungen Hund noch nicht gefestigt. Hier kann man großen Schaden anrichten.“

Hund auf Gipfel

Hubert Gogl

Wer mit seinem Hund große Skitouren unternehmen will - hier auf dem Gipfel der Grabspitze im Pfitschtal nach 1600 Höhenmetern - braucht einen Vierbeiner mit Top-Kondition. Für einen jungen Hund ist das nichts.

Auf Symptome achten

Wenn das bisher quirlige Energiebündel nicht mehr herumspringen mag, Treppen vor allem hinunter nur mehr mit sichtbaren Schmerzen bewältigt werden können oder bereits eine deutlich sichtbare Lahmheit vorliegt, dann sollte schnell der Tierarzt aufgesucht werden, sagt Rupert Wassermann. Die Probleme beginne schleichend. Es kann sein, dass ein Hund eine Wanderung problemlos mitläuft. Nach der Rast, also wenn er eine Weile gelegen ist, lahmt er dann aber deutlich. Andere wollen gar nicht mehr spazieren gehen, setzen sich plötzlich hin oder drehen sogar einfach um. „Das sind Warnsignale,“ erklärt Tierarzt Rupert Wassermann.

Behandlungen bringen Besserung

Gelenkschäden sind in der Regel nicht mehr rückgängig zu machen. Gute Erfahrungen gibt es bei diesen Erkrankungen mit Physiotherapie. Die Hunde bewegen sich dadurch wieder deutlich besser. Aber auch der gezielte und mit dem Tierarzt abgesprochene Einsatz von Ergänzungsfuttermitteln kann eine Besserung erzielen. Zuletzt bringt auch eine Schmerztherapie oder sogar eine Operation Linderung für den vierbeinigen Patienten.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
4. 4. 2015 ab 10.00 Uhr

Verantwortungsvoll züchten

Strenge Zuchtuntersuchungen der Elterntiere zum Beispiel durch die veterinärmedizinische Universitätsklinik in Wien machen Sinn und geben Züchtern und Besitzern Sicherheit, betont der Tierarzt. Auch wenn es für die betroffenen Züchter bitter ist, wenn sie Elterntiere vielleicht nicht mehr einsetzen dürfen. Mit einer strengen Zuchtauslese werden zumindest erblich bedingte Gelenkserkrankungen minimiert. "Wenn dadurch schon ein junger Hund beeinträchtigt wird, ist es nicht in erster Linie der höhere finanzielle Aufwand , der die Besitzer belastet, sondern vor allem das Leid des geliebten Vierbeiners,“ weiß man im Team der Tierklinik St.Lukas.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at.

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