Unerwünschtes Markieren und Urinieren

Das kann auch die größte Katzenfreundin zur Verzweiflung treiben: Wenn der geliebte Haustiger plötzlich in der Wohnung markiert oder außerhalb der Katzentoilette seine Lacken hinterlässt. Da ist guter Rat teuer und Geduld und Fingerspitzengefühl sind gefragt.

Für die Katzenbesitzerinnen und Besitzer kommt es meist aus heiterem Himmel. War die Katze doch längst stubenrein und hat bisher brav ihre Kiste aufgesucht, wenn es notwendig war. Mit einem Schlag ist alles anders. Ein übel riechender Spritzer an den Möbelstücken oder ständig nasse Hinterlassenschaften auf dem Teppich bringen auch Katzenliebhaberinnen zur Verzweiflung.

Es ist keine böse Absicht

Das wichtigste ist, sich klarzumachen, dass keine Katze mit dem Markieren oder Urinieren in der Wohnung ihre Besitzerin ärgern will, sagt die Innsbrucker Katzenverhaltensberaterin Gaby Bunde. „In der Natur ist das Markieren ein völlig normales Verhalten. Katzen kommunizieren auf diese Weise miteinander, stecken Reviergrenzen ab und gehen so Kämpfen aus dem Weg.“ Innerhalb der Wohnung ist es dagegen eine überaus unerwünschte Verhaltensstörung. Katzen können aber nicht wie Menschen denken. „Sie drücken nicht aus: Warte nur, wenn Du vom Urlaub heimkommst, pinkle ich Dir die ganze Wohnung voll.“

Katze in einer Katzentoilette

Gaby Bunde

Vorübergehend kann es sinnvoll sein, Toiletten in verschiedenen Zimmern der Wohnung aufzustellen, um unerwünschtes Urinieren zu verhindern.

Zuerst zum Tierarzt

Sehr oft liegt bei unerwünschtem Urinieren eine Blasenentzündung zugrunde. Der erste Schritt ist deshalb ein Besuch beim Tierarzt und eine entsprechende Behandlung, empfiehlt Gaby Bunde. Das Problem kann aber anhalten, auch wenn die medizinische Ursache bereits abgeklungen ist. Verbindet die Katze Schmerzen beim Urinieren mit ihrem Kistchen, kann es sein, dass sie dieses nicht mehr benützen will. Hier kann es helfen, ein neues zu kaufen und eventuell ein anderes Streu zu verwenden.

Katze in geblümter Toilette

Gaby Bunde

Aber bitte mit Blumen: Welche Toilette die richtige ist, bleibt dem Geschmack der Katze überlassen.

Die richtige Katzentoilette

In vielen Fällen, mit denen Gaby Bunde befasst ist, liegt die Ursache für das Urinieren in der ganzen Wohnung in einer nicht geeigneten Katzenkiste. "Sie muss so groß sein, dass die Katze sich drehen kann. Geschlossene Kisten sind ungeeignet, weil sie für die feine Nasen der Katzen stinken. Manchmal ist auch eine unangenehme Einstreu der Grund allen Übels. Katzen haben sehr empfindliche Pfoten. Wenn die Einstreu piekst, wird die Katze ihre Toilette meiden. Auch die Gerüche der Streu sind sehr unterschiedlich. Probieren Sie einfach aus, in welcher sich Ihre Katze am wohlsten fühlt. Es habe sich außerdem bewährt, in einem Mehrkatzenhaushalt eine Toilette zusätzlich anzuschaffen, empfiehlt Gaby Bunde.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
23. 9. 2017 ab 10.00 Uhr

Stress und Veränderungen

Markieren in der Wohnung betrifft häufiger Kater, aber auch weibliche Tiere können plötzlich damit beginnen. Kastrierte Tiere markieren deutlich seltener. Dem unerwünschten Verhalten liegt oft eine Veränderung im Haushalt oder eine stressige Situation zu Grunde. "Wenn ein Baby kommt, empfinden Katzen das als sehr einschneidende Veränderung, so wie die ganze Familie. Aber auch eine neue Person im Haushalt oder auch nur ein neues Möbelstück kann bei der Katze Stress auslösen. Katzen lieben Rituale und hassen Veränderungen. In stressigen Phasen ist viel Zuneigung besonders wichtig. Es gilt Ruhe zu bewahren und wie gesagt, es steckt keine böswillige Absicht des Tieres dahinter, betont die Katzenverhaltensberaterin.

Katze liegt auf dem Bücherregal

Gaby Bunde

Von oben herab: Katzen lieben die dritte Ebene, je höher desto besser.

Strafe bringt gar nichts

"Es gibt immer noch Menschen, die glauben, sie müssten ihre Katzen bestrafen, indem sie etwa ihre Nase in den Urin tunken,“ bedauert Gaby Bunde. Das verunsichert und verängstigt das Tier aber nur noch mehr. Denn wie gesagt, es steckt keine böswillige Absicht hinter ihrem Verhalten, auch wenn wir das leicht hinein interpretieren. Eine Katze mit einer Verhaltensstörung braucht Aufmerksamkeit und Zuneigung. Anders bekommen wir das Problem nicht in den Griff.

Katzenpsychologin Gaby Bunde

Gaby Bunde

Gaby Bunde, hier mit ihrer Lilly, versucht zu helfen, wenn Stubentiger Probleme haben.

Rückzugsmöglichkeiten

Gerade in einer für die Katze schwierigen Phase braucht sie Möglichkeiten, sich zurückzuziehen. Wichtig ist für die ausgezeichneten Kletterer die dritte Dimension. Also der Blick von oben. Wer sich von einem hohen Kasten oder Kratzbaum die Welt anschauen kann, behält den Überblick und kommt eher wieder zur Ruhe. Aber auch ein Korb als kuschelige Höhle oder sogar ein einfacher Karton mit Sehschlitz kann dem Stubentiger Sicherheit geben.

Katze neben einer Katzenhöhle aus Karton

Gaby Bunde

Ein einfacher Karton kann als Rückzugsort für eine Katze gute Dienste leisten.

Guter Rat und Geduld sind gefragt

Manchmal löst sich das Problem von selbst, manchmal dauert es Monate, ja sogar Jahre, bis der Grund für das unerwünschte Verhalten einer Katze gefunden ist. Katzenbesitzerinnen und Besitzer werden da häufig auf eine harte Probe gestellt. „Suchen Sie Rat und Hilfe bei Experten,“ empfiehlt Gaby Bunde. Das kann ein Tierarzt sein, eine andere Katzenbesitzerin mit viel Erfahrung oder eben auch eine Verhaltensberaterin.

In manchen Fällen zerbricht die Liebe zum Tier an diesem hartnäckigen Problem. Im besten Fall, aber längst nicht immer, landen die Katzen dann in einem der Tiroler Tierheime.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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