Nervenerkrankungen bei Hunden

Es kann schleichend beginnen, aber die Folgen können fatal sein. Wer bei seinem bisher so lebenslustigen Vierbeiner plötzlich Koordinationsstörungen, Bewegungsunlust oder unerklärliche Lahmheit bemerkt, sollte schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen.

Neurologische Krankheiten sind ein vielschichtiges und weitreichendes Krankheitsbild. Vom Patienten und von Frauchen und Herrchen werden viel Geduld und Konsequenz gefordert. Neurologische Krankheiten werden trotz der verbesserten Zuchtziele vor allem im Bewegungsapparat der Hunde leider eher mehr als weniger, sagt die Wattener Tierärztin Valeria Ferrari.

Tierärztin Valeria Ferrari untersucht einen Hund

Tierarztpraxis Ferrari

Tierärztin Valeria Farrari untersucht den braunen Labrador Schoko.

Die vielseitigen Symptome

Nervenerkrankungen zu erkennen ist oft deshalb so schwierig, weil es so viele unterschiedliche Symptome gibt. Manchmal beginnt es einfach damit, dass sich die Hunde nicht mehr so gerne bewegen wollen, sie werden lauffaul, haben Probleme beim Treppensteigen oder Springen. Teilweise oder komplette Lähmungen der Beine sind sehr deutliche Symptome und weisen auf eine fortgeschrittene Erkrankung hin. In Ruhephasen verringert sich der Schmerz, bei Belastung wird er wieder stärker. Manchmal ist es aber auch gerade umgekehrt. Nach dem Warmlaufen wirkt der Hund gesund und bewegt sich besser, danach geht es ihm aber deutlich schlechter. Bei einer längeren Erkrankung bildet sich die Muskulatur zurück.

Jagdhund

privat

Starke Schmerzen und Lähmungen können auf eine Nervenerkrankung hinweisen.

Die schwierige Suche nach der Ursache

Nervenerkrankungen können sehr viele unterschiedliche Auslöser und Ursachen haben. Man unterscheidet zwischen genetischen, also angeborenen Erkrankungen und erworbenen.

Malteser mit Kopfschiefhaltung

Tierarztpraxis Ferrari

Dieser Malteser zeigt eine neurologisch bedingte Kopfschiefhaltung nach einer schweren Mittelohrentzündung.

Infektionen und Viruserkrankungen können neurologische Störungen verursachen, genauso aber auch Verletzungen wie Brüche oder Quetschungen, zum Beispiel nach einem Unfall. Ein Bandscheibenvorfall, eine Störung des Hormonhaushalts oder schlicht eine Überlastung des Bewegungsapparates können weitere Ursachen sein.

Auch junge Hunde sind betroffen

Denkt man bei Nervenerkrankungen in erster Linie an ältere Tiere, treten die Störungen leider auch schon sehr früh, manchmal sogar im Welpenalter auf. „Wird ein Welpe nicht ausreichend mit Calcium und Phosphat ernährt, bilden sich Knochen und Skelett schlecht aus, daraus können neurologische Krankheitsbilder entstehen,“ warnt die Tierärztin. Vor allem bei einem Welpen mit Wachstums- oder Bewegungsstörungen sollte sofort ein Tierarzt aufgesucht werden. Dann lässt sich noch vieles abfangen. Die Heilungschancen sind bei jungen Hunden noch gut.

Welpe

APA

Bei Welpen ist eine ausgewogene Ernährung mit Calcium und Phosphat für einen guten Knochenaufbau besonders wichtig.

Symptome für den Tierarzt aufzeichnen

Manchmal sind die Symptome beim Besuch in der Tierarztpraxis wie weggezaubert. Tierärztin Valeria Ferrari empfiehlt deshalb eine Bilddokumentation. Wenn das Bewegungsmuster zu Hause besonders schlecht ist, empfiehlt sie, mit dem Handy ein Video zu drehen. So kann sich die Tierärztin ein Bild machen, auch wenn der Hund in der Praxis plötzlich kein Krankheitsbild zeigt.

neurologische Untersuchung eines Hundes

Tierarztpraxis Ferrari

Eine umfassende neurologische Untersuchung kann Klarheit bei unspezifischen Krankheitssymptomen geben.

Langwierige Therapie

Die richtige Diagnose ist ein erster wichtiger Schritt. In der Regel sind die Hundebesitzer zunächst einmal erleichtert, dass der Grund für das Übel gefunden ist. Mit einer schnellen Therapie ist allerdings nicht zu rechnen, sagt Valeria Ferrari. Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Therapieansätzen. Wird die Erkrankung früh genug erkannt, genügen vielleicht eine Schonung und eine Reduktion des Gewichts sowie eine ausgewogene Ernährung. Darüber hinaus können Medikamente wirken. Auch Physiotherapie hat sich bei neurologischen Erkrankungen bewährt. Zuletzt kann auch eine Operation Erfolg versprechen.

Zwei Dackel rennen auf der Wiese

dpa

Mit viel Bewegung, ausgewogener Ernährung und einer schlanken Figur kann der gefürchteten genetisch bedingten Dackellähmung vorgebeugt werden.

Heilung und bessere Lebensqualität

Eine Heilung von Nervenerkrankungen ist möglich. Sie hängt aber stark davon ab, wie früh die Krankheit erkannt wurde. Oft bleiben Spätfolgen. Dann geht es darum, dem Hund eine möglichst hohe Lebensqualität zu ermöglichen. Das bedeutet vor allem, ihn weitgehend schmerzfrei zu halten.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
7.10.2017 ab 10.00 Uhr

In enger Absprache mit seinem Tierarzt wird es fast immer möglich sein, eine geeignete Therapie zu finden. Sie muss auch Rücksicht auf die finanziellen Möglichkeiten des Tierbesitzers nehmen. Es ist besser, vorab über die Kosten der Behandlung zu sprechen, als die Therapie zum Schaden des Hundes dann plötzlich abzubrechen. Konsequenz und Durchhaltevermögen werden bei einer Nervenerkrankungen gefragt sein. Es gibt aber genug ermutigende Beispiele von Hunden, die trotz ihrer schweren Erkrankung ein fröhliches und aktives Leben führen.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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