Gefahren für Samtpfoten

Katzen haben sieben Leben, so sagt man. In der menschlichen Umgebung brauchen sie die auch. Denn sowohl im Freien, als auch in der Wohnung lauern vielfältige Gefahren. Katzenbesitzer müssen einige Überlegungen anstellen, um ihr Zuhause und ihre Umgebung möglichst katzensicher zu machen.

Grundsätzlich ist zu überlegen, ob die Umgebung im Freien sicher genug ist. Wohnt die Familie an einer viel befahrenen Straße, ist es vielleicht besser, Katzen nur im Haus zu halten und sie zum reinen Stubentiger zu machen. Denn Todesfalle Nummer eins im Katzenleben sind verkehrsreiche Straßen. Überfahrene oder angefahrene Katzen sind gerade im begrenzten Siedlungsraum in Tirol fast an der Tagesordnung. Hier sind die Autofahrer gefordert. Sie müssen ihre Geschwindigkeit deutlich zurücknehmen. Denn viele Katzen springen im letzten Moment vor dem Auto über die Straße, um in eine vermeintlich sichere Umgebung zu gelangen. Nur wenige Katzen sind zu ängstlich, um sich in die Nähe von Straßen zu wagen. Das könnte ihnen langfristig das Leben retten.

Katze mit Schulkind an einer Straße

APA/Barbara Gindl

Katzen sind im Straßenverkehr extrem gefährdet, viele werden angefahren oder getötet.

Katzen an die Leine?

Junge Katzen, die sich in ihrer Umgebung noch nicht auskennen, sollten die erste Zeit im Haus, danach wenn möglich einige Wochen unter Aufsicht im Garten gehalten werden. Im Idealfall bleiben sie so lange wie möglich in unmittelbarer Umgebung ihres neuen Zuhauses und erkunden die Ferne erst später, wenn sie erfahrener und vorsichtiger geworden sind. Vor allem in der Stadt ist es gar keine schlechte Idee, eine Katze in einer ruhigen Umgebung an die Leine zu nehmen. „Vor allem, wenn sie von Klein auf daran gewöhnt sind, ist es eine gute Möglichkeit, ihnen ein bisschen Freiraum auf der Wiese zu bieten“, sagt die Innsbrucker Tierärztin Dr. Elisabeth Lechleitner. „Katzen wollen aber nicht wie Hunde spazieren geführt werden“, ergänzt sie.

Katze in einem Kippfenster eingeklemmt

Feuerwehr Zirl

Immer wieder werden gekippte Fenster zu gefährlichen Fallen für Katzen.

Gekippte Fenster als Todesfallen

Aber nicht nur im Straßenverkehr, auch in einer vermeintlich sicheren Wohnung lauern tödliche Gefahren für Katzen. Eine der größten sind gekippte Fenster. Jedes Jahr verletzen sich Tiere darin oder kommen sogar ums Leben, weiß die Tierärztin. „Die Katze versucht, durch den größeren Spalt am oberen Rand des gekippten Fensters zu springen. Dabei rutscht sie dann in den Zwickel. Je verzweifelter sie sich befreien will, desto stärker wird sie eingeklemmt“, sagt die Tierärztin. Wird die Katze nicht innerhalb kurzer Zeit gerettet, stirbt sie an ihren schweren inneren Verletzungen.

zwei spielende und springende Katzen

dpa

Katzen sind behände Springer und landen fast immer auf ihren Pfoten. Große Höhen können sie aber schlecht abschätzen.

Stürze aus großen Höhen

Katzen sind behände Springer und man weiß, dass sie sich noch im Sturz so geschickt drehen können, dass sie immer auf den Pfoten landen. Einen Absturz aus großer Höhe aus einem Fenster oder vom Balkon überlebt aber auch eine Katze nicht unbeschadet. „Sie können große Höhen schlecht abschätzen“, so Elisabeth Lechleitner. „Manchmal springen sie auch einfach einem Schmetterling nach und schon ist es passiert.“ Sicherungsnetze und Katzengitter gibt es inzwischen im Fachhandel. Verletzte Katzen müssen unbedingt zum Tierarzt gebracht werden. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie gut auch schwere Verletzungen mit der entsprechenden Behandlung bei Katzen heilen. Sie sind sehr regenerationsfähig und halten wirklich viel aus“, berichtet die Tierärztin aus ihrer Erfahrung.

Katze auf einem Balkongeländer im Gegenlicht

dpa

Katzen sind zwar wahre Kletterkünstler, beim Spielen oder Jagen stürzen sie aber immer wieder von Balkonen.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
17. 6. 2017 ab 10.00 Uhr

Eingesperrt und unauffindbar

Immer wieder schlüpfen neugierige Katzen in Garagen, Keller oder Scheunen und sind dann tagelang ohne Wasser und Futter gefangen. Es liegt in der Verantwortung der Katzenbesitzer, nach dem Tier zu suchen, wenn es nicht zu den gewohnten Zeiten nach Hause kommt. Meist sitzt der Vierbeiner ganz in der Nähe in einer Falle. Tagelang einfach zu warten und sich zu denken "die kommt schon wieder“ kann für eine eingesperrte Katze tödlich enden.

Katze in einem Mauerspalt gefangen

SON

Manchmal kommt eine Katze zwar überall rein, aber nicht mehr raus. Hier kann nur die Feuerwehr helfen.

Giftige Substanzen

Immer wieder unterschätzt werden Gefahren, die auch auf eine reine Wohnungskatze lauern: Viele Pflanzen sind giftig, sowohl im Garten, als auch im Zimmer. Hier empfiehlt die Tierärztin, immer Katzengras anzubieten. Damit lässt die Mieze das andere Grünzeug meist in Ruhe.

Herumliegende Medikamente, Putzmittel oder auch Zigarettenkippen können bei Katzen schwere Vergiftungen auslösen. Zwar fressen Katzen selten giftige Substanzen direkt, sie können aber beim Spielen oder beim Sich-Putzen mit ihnen in Berührung kommen, warnt die Innsbrucker Tierärztin Dr. Elisabeth Lechleitner. Schneckenkorn im Garten kann zum Beispiel auf die Pfoten gelangen, wenn es nass ist. Die Katze schleckt die Pfoten sauber und nimmt so die hochgiftige Substanz auf.

Tierärztin Dr. Elisabeth Lechleitner mit einer ihrer Katzen

privat

Tierärztin und Katzenfreundin Elisabeth Lechleitner

Verantwortungsvolle Katzenfreunde sollten also einige Überlegungen anstellen, wie das Zuhause und die Umgebung der Samtpfoten möglichst sicher gestaltet werden können. Denn auch sieben Leben können schnell zu Ende sein.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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