Wenn Tiere Menschen krank machen

Trotz aller Freude, die Haustierhaltung mit sich bringt, muss auch dieses Thema erwähnt werden: Tiere können Menschen auch krank machen. Mit dem Begriff Zoonosen beschreibt man jene Infektionskrankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können.

Eines gleich vorneweg: Zahlreiche Studien und auch die Erfahrungswerte vieler Haustierbesitzer belegen: Haustiere tun uns Menschen gut. Sei es als Seelentröster oder durch das Fitnesstraining beim täglichen Spaziergang. Aber der Mensch kann sich bei fehlenden Hygienemaßnahmen auch mit Krankheiten anstecken. „Zoonosen“ heißen jene Infektionskrankheiten, die auf natürlichem Weg vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Sei es durch Viren, Bakterien, Pilze, Einzeller, Würmer oder andere Parasiten wie Milben.

Tierärztin Natalie Franiek mit Hunden

privat

Tierärztin Dr. Natalie Franiek-Krijt aus Telfs

Hautpilze am häufigsten

Hautpilzerkrankungen, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden, sind die häufigste Zoonose, die Tierärztin Natalie Franiek in ihrer Praxis zu sehen bekommt: Trichophyton mentagrophytes, der bei Kaninchen und Meerschweinchen vorkommen kann und Microsporum canis, ein Pilz der Hunde und Katzen betrifft. Wenn das Tier erkrankt, fallen haarlose Stellen auf, die rund, schuppig und gerötet sein können. Durch direkten Hautkontakt mit den Tieren wie Streicheln oder Kuscheln kann sich der Mensch anstecken. Beim Menschen zeigen sich Hautrötungen, die dann vom Hautarzt behandelt werden müssen. Die erkrankten Haustiere werden mit Shampoos oder Salben, in schweren Fällen mit Tabletten behandelt. Wichtig sei, so Franiek-Krijt, sich nach dem Kontakt mit erkrankten Tieren gründlich die Hände zu waschen sowie die Umgebung der Tiere zu desinfizieren - am besten mit Benzalkoniumchlorid, rät Tierärztin Franiek-Krijt. Empfänglich für Pilzsporen sind vor allem junge Tiere, die auf engem Raum gehalten werden bzw. bei denen das Immunsystem noch nicht völlig ausgebildet ist. Auch Stress begünstige den Ausbruch der Erkrankung.

Mädchen kuschelt mit Hund

IEMT

Kinder lieben es, mit ihren vierbeinigen Freunden zu kuscheln. Hunde und Katzen sollten deshalb regelmäßig entwurmt und auf Parasiten- und Pilzbefall kontrolliert werden.

Sendehinweis:

„Radio Tirol am Vormittag“, 19. 3. 2016, 10.00 Uhr

Auch Milbenbefall wird durch ein schlechtes Immunsystem begünstigt. Wenn das Tier mit Grabmilben, auch als Krätzemilben bekannt, befallen ist, kann sich auch der Mensch durch Hautkontakt infizieren. Geholfen werden kann dem Tier durch aufträufeln einer Spot-On-Lösung gegen Milben in den Nacken. Der infizierte Tierbesitzer muss ebenfalls medikamentös behandelt werden.

Spulwürmer lauern im Sandkasten

Auch Spul-, Haken- und Bandwürmer können den Wirt wechseln und vom Tier auf den Mensch übergehen. Spulwürmer können vor allem bei Kindern zu Problemen führen. Die Ansteckung erfolgt durch direkten Tierkontakt oder durch Kontakt mit Kot, etwa im Garten oder in Sandkästen. Weltweit sind etwa 20 Millionen Menschen von einer Spulwurminfektion betroffen, die Hälfte davon Kinder unter drei Jahren. Eine Infektion kann zu Lebervergrößerung, zu asthmatischem Husten und auch Magen-Darm-Beschwerden führen. Mittels Tabletten kann den Würmern rasch der Garaus gemacht werden.

Sandkasten

dpa/Stephanie Pilick

In Sandkästen tümmelt sich allerlei Getier, u.a. auch Spulwürmer aus dem Kot freilaufender Katzen oder Hunde.

Katze mit Vogel

dpa/Patrick Pleul

Jagt die Katze viel, dann sollte sehr auf eine regelmäßige Entwurmung geachtet werden.

Jagt die Katze viel und wird nicht regelmäßig entwurmt, dann kann sie sich mit Bandwürmern infizieren. Sichtbar wird das bei der Katze, wenn ihr am After kleine weiße Bandwurmglieder anhaften die an plattgedrückte Reiskörner erinnern. Wenn man die Katze streichelt, sich danach nicht die Hände wäscht und die Hand zum bzw. in den Mund führt, kann man sich damit infizieren. „Das Problem bei den Bandwürmern ist, dass die Inkubationszeit sehr lange ist. Erst nach fünf bis fünfzehn Jahren treten Symptome beim Menschen auf, die schwerwiegend sein können.“ Um dieser Gefahr vorzubeugen, sollten Hunde und Katzen vierteljährlich entwurmt werden. Eine andere Möglichkeit wäre, vierteljährlich den Kot mikroskopisch auf Wurmbefall zu untersuchen. „Wenn man weiß, was drinnen ist, kann man auch gezielter therapieren“, so Tierärztin Franiek. Bei Jagdhunden und jagdeifrigen Katzen empfiehlt Franiek-Krijt sogar eine monatliche Entwurmung.

Toxoplasmose, der Schreck aller Schwangeren

Nicht selten bekomme sie Anrufe von werdenden Müttern, die plötzlich ihre Hauskatze loswerden wollen. Schätzungsweise ein Drittel der Weltbevölkerung ist mit dem Einzeller Toxoplasmagondii infiziert. Hat eine werdende Mutter keine Antikörper im Blut und infiziert sich während der Schwangerschaft, kann es zu Missbildungen des Fötus aber auch zu Totgeburten kommen. Anstecken kann man sich durch den Verzehr rohen Fleisches, durch infiziertes Gemüse oder Salat und auch bei der Gartenarbeit ohne Handschuhe kann es zur Ansteckung kommen. Wenn die Katze mit dem Kot sogenannte Oozysten ausscheidet, kann man sich theoretisch auch durch Streicheln infizieren, da sich die Katze ja das Fell leckt. Die Katze selbst zeigt oft keine Symptome.

Katze am Fenster

dpa-Zentralbild/Stefan Sauer

Wohnungskatzen können sich nicht so leicht mit Toxoplasmose infizieren wie freilaufende Katzen.

Frischer Kot nicht infektiös

Wichtig zu wissen ist, dass frischer Katzenkot nicht infektiös ist, er wird dies erst nach zwei bis vier Tagen. Deshalb sollte man täglich das Katzenklo reinigen und mit heißem Wasser desinfizieren. Bei der Gartenarbeit sei es wichtig, Handschuhe zu tragen, so Franiek. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte während der Schwangerschaft das Reinigen des Katzenklos jemandem anderen überlassen. Toxoplasmose bei der Katze kann durch eine Blutuntersuchung festgestellt werden, wenn diese positiv ausfällt heißt es allerdings noch nicht, dass sie im Moment die Oozysten auch ausscheidet. Franiek-Krijt empfiehlt deshalb zusätzlich zwei Kotuntersuchungen im Abstand von zwei Wochen. Sind alle Ergebnisse negativ, ist die Katze Toxoplasmose-frei. Allerdings können sich freilaufende Katzen und Katzen, die roh gefüttert werden, jederzeit anstecken. Franiek-Krijts Rat: „Am besten alle Schutzmaßnahmen ergreifen und nicht in Panik verfallen.“

EHEC-Bakterienstämme

dpa/Christian Charisius

Im Kot eines Bauernhofhundes könnten EHEC-Keime isoliert werden.

Bauernhofhund mit EHEC

Tierärztin Natalie Franiek-Krijt hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit 228 Kotproben von Hunden und Katzen u.a. auf EHEC untersucht. EHEC ist die Abkürzung für Enterohämorrhagische Escherichia coli - vielen noch aus 2011 bekannt, als der EHEC-Ausbruch in Deutschland für über 50 Todesfälle sorgte. Damals waren infizierte Sojasprossen die Auslöser. EHEC-Bakterien erzeugen blutigen Durchfall und HUS - das Hämolytisch-urämisches Syndrom, das besonders für kleine Kinder gefährlich ist. Bei ihrer Untersuchung hat die Tierärztin in einem Fall EHEC-Keime isolieren können. Kühe gelten als natürliches EHEC-Reservoir, deshalb sei es nicht erstaunlich, dass der EHEC-positive Hund ein Bauernhofhund sei, so Franiek. Der Hund könnte sich über Schlachtabfälle oder Nachgeburten infiziert haben. Bei Stadthunden sei die Wahrscheinlichkeit sehr gering.

Basishygienemaßnahmen einhalten

Wer Basishygienemaßnahmen einhalte, für den überwiegen die positiven Aspekte beim Zusammenleben mit Haustieren, so Franiek-Krijt: „Der Umgang mit Tieren wirkt beruhigend, der Blutdruch senkt sich. Hundebesitzer haben mehr Bewegung und mehr soziale Kontakte. Tierhalter fühlen sich gebraucht, Kinder entwickeln mehr soziale Kompetenz, mehr Lebensfreude, mehr Verantwortungsgefühl und weniger Allergien. Das Zusammenleben mit Haustieren bereitet sehr viel Freude.“

Natalie Wander; tirol.ORF.at

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