Juckreiz - das ewige Kratzen

Wenn sich unser vierbeiniger bester Freund einmal hinter dem Ohr kratzt, mag das ja noch normal sein. Aber wenn das Kratzen, Schlecken, Reiben und Schrubben nicht mehr aufhört, besteht dringender Handlungsbedarf.

Wenn der Hund sich verzweifelt selbst anknabbert, wenn die Katze sich beinah rund um die Uhr putzt und wenn das Kaninchen sich das Ohr blutig kratzt, sind das keine normalen Verhaltensweisen. Der Vierbeiner sollte sofort zum Tierarzt!

Juckreiz ist eine der häufigsten Gründe für einen Tierarztbesuch, erklärt Tierärztin Dr. Melanie Bertignol-Spörr in ihrer Kleintierpraxis am Kasbach in Jenbach. Das Problem bei Juckreiz ist, dass so viele unterschiedliche Ursachen in Frage kommen. Sie lassen sich in drei große Gruppen aufteilen: Parasiten, Bakterien und Allergien.

Tierärztin Dr. Melanie Bertignol-Spörr

Kleintierpraxis am Kasbach

Tierärztin Dr. Melanie Bertignol-Spörr mit einer Patientin.

Parasiten und Bakterien

Parasiten können in der Regel vergleichsweise einfach bekämpft werden. Sobald klar ist, welcher Parasit das Tier befallen hat - das können Flöhe, Läuse, Haarlinge oder Milben sein - kann gezielt dagegen vorgegangen werden. Nach einer konsequenten Anwendung der vom Tierarzt empfohlenen Präparate können die lästigen Angreifer besiegt werden. Entsprechende Parasiten-Halsbänder verhindern, dass sie gleich wieder auftauchen.

Zu Juckreiz können auch Bakterien und Pilzerkrankungen führen. In der Regel kommt man ihnen mit konsequenter Anwendung von Medikamenten aber bei. Wobei Konsequenz in der Behandlung das Zauberwort ist. Dosierungen und Anwendungen der Medikamente müssen genau befolgt werden. Nicht nur die genaue Menge, sondern auch die vorgegebene Zeit der Behandlung spielen eine große Rolle. Nur dann besteht Aussicht auf Erfolg.

Tierärztin untersucht das Ohr eines Kaninchens

Kleintierpraxis am Kasbach

Kaninchen haben immer wieder Milben, die Juckreiz verursachen.

Vielfältige Allergien

Erweist sich das Tier als Allergiker sind Geduld, Konsequenz und eine langwierige tierärztliche Betreuung die einzigen Möglichkeiten, dem Vierbeiner zu helfen. Allergien bei Tieren sind so breit gefächert und unterschiedlich wie bei uns Menschen - und genauso schwer zu diagnostizieren, sagt Tierärztin Melanie Bertignol-Spörr. Vor allem Hunde sind zunehmend von Allergien betroffen. Bestimmte Hunderassen wie Golden Retriever oder Terrier gelten als anfälliger dafür, als andere. Es kann aber genauso einen vermeintlich robusten Mischling treffen. Sie können zum Beispiel auf Umwelteinflüsse allergisch sein oder auf Futtermittel. Ein relativ häufiges Allergen bei Hunden ist der Speichel von Flöhen.

Ausschnitt eines Allergiker-Hundes mit Fellverlust

Kleintierpraxis am Kasbach

Ein stark allergischer Hund mit Fellverlust, Schrunden und Verdickungen der Haut.

Der lange Weg der Behandlung

Egal welche Ursache für den Juckreiz des Haustieres verantwortlich ist. Er muss unbedingt behandelt werden. Der Verlust des Fells, offene und verkrustete Wunden bis zu geschwulstartigen Verdickungen der Haut können die schlimmen Folgen sein. Das Tier verliert seine Lebensqualität, seinen Menschen treibt das ständige Kratzen und Reiben beinahe in den Wahnsinn.

Auch wenn die Ursache für den Juckreiz vom Tierarzt gefunden wird, ein schneller Erfolg ist bei den Allergien nur in wenigen Fällen möglich. Das wird natürlich entsprechend teuer, darüber sollte man mit seiner Tierärztin oder seinem Tierarzt auch offen sprechen.

Tierärztin gibt Dackel ein Leckerli

Kleintierpraxis am Kasbach

Leidet der Hund an einer Futtermittelallergie, muss auch bei den Leckerlis auf die Verträglichkeit geachtet werden.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
8. 4. 2017 ab 10.00 Uhr

Ist ein Behandlungsplan aufgestellt worden, muss er vom Besitzer eisern, sogar pingelig befolgt werden. Frustrierende Rückschläge müssen hingenommen werden. Sei es aus einer geringen Nachlässigkeit heraus oder weil äußere Faktoren wie Stress oder Umwelteinflüsse dazu gekommen sind, machen sie Erfolge schnell zunichte. Davon darf man sich nicht entmutigen lassen. Es gilt, über viele Jahre ein möglichst gutes Behandlungsmanagement zu entwickeln. Es wird gute Phasen geben und schlechte. Dabei darf man die Geduld nicht verlieren. Und es hilft ehrlich gesagt auch nichts, von Tierarzt A bis Tierarzt Z zu rennen, die Allergie wegzaubern wird niemand können. Eine Heilung ist nämlich nicht möglich. Sie können Ihrem Vierbeiner aber seine Lebensqualität bis ins hohe Alter zurückgeben. Und das ist zu einem großen Teil ja auch die des Tierfreundes.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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