Borreliose - Gefahr für Mensch und Tier

Während FSME bei Tieren eine geringe Rolle spielt, erkranken Hunde und Pferde nicht selten an Borreliose. Sie zeigen starke Krankheitssymptome und müssen unbedingt tierärztlich behandelt werden.

Es kommt immer wieder vor, dass Hunde oder Pferde an Borreliose erkranken. So wie auch beim Menschen, handelt es sich um eine schwere und ernst zu nehmende Infektion durch Bakterien. Sie sollte so früh wie möglich erkannt und intensiv behandelt werden.

Andere Haustiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder andere Kleintiere erkranken offenbar nicht an Borreliose. Warum das so ist, ist noch nicht bekannt. Denn beim Freilauf im Gehege kann es ja durchaus sein, dass ihnen eine Zecke ans Fell geht.

Unspezifische Symptome

Es kann mit etwas Fieber und einer gewissen Trägheit und Schlappheit beginnen, sagt der Innsbrucker Tierarzt Matthias Seewald. Vielleicht denkt der Tierbesitzer zunächst an nichts Ernstes. Es könnte ja die längere Bergtour schuld sein, die der Hund gestern mitgelaufen ist. Oder wir schieben es auf die intensive Trainingseinheit des Turnierpferdes, die es am nächsten Tag etwas müde wirken lässt. Spätestens wenn die Tiere nicht mehr fressen wollen, sollten den Besitzern aber die Alarmglocken läuten. Fieber, das kommt und geht, im Verlauf der Krankheit auch Gelenksbeschwerden mit Lahmheiten sowie neurologische Auffälligkeiten könnten auf eine Borreliose-Infektion hinweisen. Suchen Sie sofort Ihren Tierarzt auf und sprechen Sie Ihren Verdacht direkt an.

Hund liegt im Gras

privat

Zuerst begann Max zu humpeln, dann wurde er lustlos und träge. Wenig später wurde bei ihm Borreliose diagnostiziert.

Zeckenbiss mit bösen Folgen

Wer Tiere hat, die sich im Freien aufhalten, hat fast zwangsläufig mit Zecken zu tun. Tierhalter geraten zu Recht deshalb nicht gleich in Panik. Es vergeht kein Sommer, in dem unsere lieben Vierbeiner die unerwünschten Gäste nicht mit sich herumtragen. Eine regelmäßige und sehr genaue Kontrolle des Fells ist deshalb unerlässlich, empfiehlt Tierarzt Matthias Seewald. Die Zecke sollte so schnell wie möglich entfernt werden. Und zwar am besten mit einer Zeckenzange, die für Tiere im Fachhandel in unterschiedlichen Ausführungen angeboten wird. Während das FSME Virus sofort beim Biss der Zecke übertragen wird, sitzen die Borrelien im Mitteldarm der Zecke. Es dauert deshalb etwa zwölf bis 24 Stunden, bis der Erreger übertragen wird. Ein frühes Herausnehmen der Zecke kann also eine Übertragung mit Borrelien verhindern. Im Gegensatz zum Menschen spielen die FSME-Erreger bei Tieren offenbar keine Rolle.

Hund liegt im Bett

dpa

Schläft der Hund im Bett, sind auch die Zecken mit drin.

Vorsicht vor Übertragung auf den Menschen

Die wenigsten Haustiere, an denen sich Zecken festsaugen, erkranken tatsächlich. Vor allem jene Vierbeiner, die bei uns im Haus wohnen, können aber für uns Menschen indirekt gefährliche Überträger werden. Ob Hunde im menschlichen Bett schlafen und mit auf dem Sofa sitzen dürfen, ist letztlich Geschmackssache. Zu bedenken ist allerdings, dass Zecken von einem Wirt zum anderen wandern können, wenn sie sich noch nicht festgebissen haben. Wenn ein Hund also von Zecken übersät vom Auslauf zurückkommt, kann es durchaus sein, dass sich einige der unerwünschten Mitbringsel noch frei herumbewegen.

Es ist ein verbreiteter Irrtum zu glauben, dass Zecken passiv auf Bäumen sitzen, sich auf ein Opfer fallen lassen und dann sofort zubeißen. Zecken sitzen meist im hohen Gras und krabbeln an ihrem Wirt entlang, bis sie eine geeignete Stelle gefunden haben. Sie können also auch von einem Tier zum Menschen wechseln. So kann das Haustier selbst zum indirekten Überträger der gefährlichen Viren und Bakterien werden.

Genaue Fell-Kontrolle

Hunde laufen mit der Nase über den Boden häufig in Zeckennester hinein. Auch Pferde mit der Nase im Gras, bieten Zecken eine gute Gelegenheit. Das ist auch der Grund, warum sich Zecken häufig am Kopf, hinter den Ohren oder in den Kniekehlen- bzw. Ellbogenbeugen finden. Hier haben die meisten Tiere nur wenig Fell und eine dünne Haut. Kleine Zecken, oder solche, die sich noch nicht mit Blut vollgesaugt haben, sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Am besten sind sie mit der Hand zu fühlen. Eine tägliche Kontrolle der Haustiere ist wichtig.

Zecke auf einem Blatt

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Eine Zecke auf einem Blatt. Sie gehört zu den Spinnentieren und kann krabbeln. Hat sie einen geeigneten Wirt gefunden, beißt sie sich fest.

Borreliose Behandlung

So wie beim Menschen kann eine Borreliose, die zu spät oder gar nicht erkannt wird, auch bei Hunden und Pferden schwere bleibende Schäden verursachen. Der Tierarzt behandelt eine Borreliose-Infektion mit Antibiotika. Es dauert einige Tage, bis es dem Tier besser geht und die Infektion überwunden ist. In dieser Zeit baut der tierische Organismus Antikörper auf. Sie sind aber meistens zu schwach, um das Tier vor einer weiteren Infektion zu schützen. Leider gibt es auch mehrere verschiedene Stämme der Borrelien. Außerdem tarnen sich die Bakterien mit immer neuen Oberflächen-Proteinen. Deshalb werden sie vom Immunsystem des Körpers auch so schlecht erkannt.

Forscherin im Labor vor einem Zeckenplakat

dpa

Zecken als Überträger von Borrelien geben den Forschern noch viele Rätsel auf.

Borreliose-Impfung für Hunde

Weil Borrelien-Bakterien solche Meister im Tarnen und Täuschen sind, funktioniert der körpereigene Abwahrmechanismus zu wenig. Für Hunde wurde eine Impfung entwickelt, die nach einigen Jahren der Weiterentwicklung und Forschung nun gegen mehrere Borrelien-Stämme wirkt. Sie muss aber regelmäßig aufgefrischt werden, um den Hund zu schützen. Wer ins Ausland reist, sollte bedenken, dass es dort andere Bakterien-Stämme gibt, gegen die der Hund dann trotz Impfung nicht geschützt ist, warnt Tierarzt Matthias Seewald. Für Pferde oder Menschen gibt es sie leider noch nicht.

Frau geht mit Hund in der Abendsonne spazieren

dpa

Wer beim Spaziergang hohes Gras meidet, verringert die Zeckengefahr, ganz vermeiden lässt sie sich aber nicht.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
27. 5. 2017 ab 10.00 Uhr

Vorbeugung ist schwierig

Es ist keine Alternative, unseren Haustieren das Leben im Freien während der zeckenaktiven Zeit einzuschränken. Sie brauchen ihren Freilauf und ihren Freiraum. In Tierarztpraxen und Apotheken werden inzwischen Zeckenbänder, Zeckentropfen oder Präparate zum Schlucken angeboten, die durch bestimmte Inhaltsstoffe verhindern sollen, dass sich Zecken diesen Wirt aussuchen.

Beachten Sie peinlich genau die Gebrauchsanleitungen und befolgen Sie die Anwendungsempfehlungen genau. Verwenden Sie das Produkt nur für jenes Tier, für das es gedacht ist. Untersuchen Sie Ihr Haustier jeden Tag sorgfältig und entfernen Sie die Zecke vorsichtig mit einer Zeckenzange. Mehr können Sie für die Gesundheit Ihres Tieres, was eine Borrelien-Infektion durch Zecken betrifft, vorerst nicht tun.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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