Zugvögel - willkommen daheim

Wenn wir es hören, merken wir erst wie stark wir es vermisst haben. Das erste Frühlingsgezwitscher der Vögel ist an milden Tagen wieder zu vernehmen. Nach und nach kehren die Zugvögel aus ihren Winterquartieren im Süden zurück nach Tirol.

„Willkommen daheim“ könnte man sagen. Die ersten Zugvögel kehren in diesen Tagen zurück, der Rest trifft nach und nach in Kürze ein. Singdrossel, Goldammer und Hausrotschwanz, Buchfink, Rotkehlchen und Star. Als Nahzieher waren sie nicht allzu weit weg, manche sind auch gleich da geblieben. Bis maximal Nordafrika haben sie sich niedergelassen, manche fliegen auch nur nach Oberitalien. Nach einem in Tirol kalten und frostigen Winter kehren sie nun langsam zu ihren Nist- und Brutplätzen zurück, erklärt Katharina Bergmüller, die Leiterin von Birdlife in Tirol: „Vor allem die Nahzieher können an der Großwetterlage erkennen, wann sie aus ihren südlichen Winterquartieren wieder Richtung Norden starten können.“

Singende Goldammer

Birdlife/H.Lauermann

Sie sind wieder da: hier eine Goldammer.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag“,
25. 2. 2017

Veränderungen durch Klimawandel

Durch den Klimawandel fliegen manche Nahzieher gar nicht mehr weiter nach Süden. Sie konkurrieren mit Standvögeln und jenen, die weggeflogen sind und wieder zurückkommen. Hier ändert sich tatsächlich das Verhalten der Zugvögel bedingt durch Veränderungen des Klimas. Jene Vogelarten, die über den Winter ihre Nist- und Brutplätze behalten haben, sind gegenüber ihren reisenden Kollegen dann möglicherweise im Vorteil. Welche Auswirkungen diese Veränderungen für einzelne Vogelarten haben, muss erst noch erforscht werden.

Hausrotschwanz

Birdlife/P.Buchner

Zählt zu den Nahziehern, der bereits wieder Einzug in Tirol gehalten hat: Ein Hausrotschwanz.

Für die Ersten gibt es die besten Plätze

Tatsächlich kehren auch die Zugvögel früher zurück, wenn die klimatischen Bedingungen es zulassen. Je früher sie einen Nistplatz finden, desto besser sei es für sie, sagt Katharina Bergmüller. Meistens sind es ältere, erfahrene Männchen, die als erstes zurückkehren. Sie beanspruchen die besten Reviere für sich. Junge Vögel kommen etwas später zurück und müssen sich dann andere, nicht so gute Reviere und Nahrungsquellen suchen.

Mönchsgrasmücke

Birdlife/H.Lauermann

Eine Mönchsgrasmücke im Beerenglück.

Kurzstreckenzieher:

* Feldlerche
* Hausrotschwanz
* Singdrossel
* Mönchsgrasmücke
* Star

Zurück aus fernen Ländern

Zugvögel, die weit in die Ferne ziehen, sind Insektenfresser. Wie die Rauchschwalben etwa, die bis nach Südafrika fliegen. Auch Kuckuck und Nachtigall gehören zu den Langstreckenziehern. Sie müssen sich sicher sein, dass genug Fressbares herumschwirrt, wenn sie sich wieder in Tirol niederlassen. Wenn sie erschöpft von der langen Flugreise zu uns kommen, geht der Stress für sie erst richtig los, sagt Katharina Bergmüller. Manche Zugvögel brauchen ein bis zwei Wochen, bis sie sich von den Strapazen erholt haben. Dann muss aber gleich das Werben und Paaren, der Nestbau und das Brüten der Eier beginnen.

Rauchschwalben im Schwarm auf einer Stromleitung

dpa/Patrick Pleul

Die Rauchschwalben kehren als Fernzieher aus Zentral- oder Südafrika zurück. Ein Nest am Haus gilt bei uns in Tirol als Glücksbringer.

Langstreckenzieher:

* Rauchschwalbe
* Gartengrasmücke
* Fitis
* Grauschnepper
* Braunkehlchen

Viele Zugvögel kehren nicht zurück

Wie viele der Zugvögel, die im Herbst in wärmere Gefilde aufbrechen, letztlich wieder zurückkehren, kann niemand genau sagen. Die Ausfallquote ist aber hoch, erklärt die Vogelexpertin. Man rechnet bei Singvögeln im ersten Jahr mit etwa 50 Prozent, im zweiten Jahr überleben etwa 20 Prozent nicht. Wie viele auf dem Zug oder in ihren Winterquartieren sterben, ist unbekannt. Mit Sorge beobachten Vogelschützer aber das Einfangen von Singvögeln in Mittelmeergebieten oder auch in Ägypten. Dort werden Singvögel mit großen Fangnetzen vom Himmel geholt.

Bei manchen Populationen fallen gewaltige Ausfälle auf, aber niemand kann derzeit genau sagen, warum. Viele Faktoren können eine Rolle spielen. Eine intensive Landwirtschaft, starker Einsatz von Pestiziden, das Zurückdrängen natürlicher Lebensräume, aber natürlich auch Krankheiten können die Bestände dramatisch reduzieren. Das Braunkehlchen zum Beispiel ist selten geworden, es ist vom Aussterben bedroht.

Braunkehlchen

Birdlife/H.Lauermann

Das Braunkehlchen ist ein seltener Anblick geworden.

Zugvögel als Kulturfolger

Viele Zugvögel sind Kulturfolger und leben in unmittelbarer Nähe des Menschen, einige davon sogar mitten in den Städten. Vogelhäuser mit Futter und Nisthäuschen laden sie zum Bleiben ein. Interessanterweise haben viele Gebirgsvogelarten in besiedelte Gebiete gewechselt und nutzen statt Felshöhlen nun Schlupflöcher in Gebäuden zum Nisten. Der wichtigste Vogelschutz ist aber nach wie vor eine reich strukturierte Natur und ein Hauch von Wildnis, selbst in dicht bebauten Gebieten und kleinen Gärten. Außerdem brauchen Vögel eine Vielzahl von Insekten als Nahrung. Nur wenn wir ihren Lebensraum erhalten, werden sie uns auch in Zukunft im Frühjahr mit ihrem Gezwitscher erfreuen.

Lydia Gallo Gau;tirol.ORF.at

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