Lawinenhunde - Retter mit der kalten Schnauze

Zu Beginn ihrer Ausbildung ist es für die jungen Hunde nur ein Spiel. Als fertiger Lawinenhund geht es im Ernstfall um Minuten und das scheinen auch die vierbeinigen Retter genau zu spüren.

Phil ist ein vierjähriger brauner Labrador. Er ist ausgebildeter Lawinenhund. Sein zweibeiniger Bergrettungspartner ist Martin Flossmann aus Innsbruck. Beide zusammen bilden ein Team der Lawinenhundestaffel in der Tiroler Bergrettung. Einzeln trifft man die beiden so gut wie nie an. Phil ist als Lawinenhund Mitglied in der Familie Flossmann und das von Welpenbeinen an. „Phil ist der beste Freund meiner kleinen Tochter, ich selbst nehme ihn mit ins Büro, er ist also immer bei mir. Nur ein gut sozialisierter Hund, der mit anderen Hunden und fremden Menschen umgehen kann, wird auch ein guter Lawinenhund sein.“

Lawinenhund Phil mit Einsatzdecke

privat

Der Labrador Phil mit offizieller Einsatzdecke der Lawinenhundestaffel der Bergrettung Tirol

Gesundheit und Charakterstärke

Es gibt viele Rassen, die sich für den Einsatz als Lawinenhund eignen. Nicht zu klein, aber auch nicht zu schwer dürfen sie sein. Das wichtigste ist die Gesundheit, sagt Lawinenhundeführer Martin Flossmann. Ein guter Körperbau ohne Mängel und ein solider Charakter sind die besten Vorraussetzungen, sagt er. Körperlich muss alles in Ordnung sein, wenn der Hund dann auch noch neugierig, verspielt, eifrig und gelehrig ist, sind die Voraussetzungen gut. Als Welpe ist das manchmal noch nicht leicht zu erkennen. Ob ein kleines Fellknäuel einmal einen guten Lawinenhund abgibt, zeigt sich oft erst im Laufe der Ausbildung.

Lawinenhund gräbt in Schneehöhle

Lawinenhundestaffel Bergrettung Tirol

Halte durch, ich bin gleich da! Lawinenhund Phil bei einer Übung der Hundestaffel der Bergrettung Tirol

Jahrelange Ausbildung, ständiges Training

Mindestens zweimal im Monat werden das ganze Jahr über Einsätze trainiert. Jeder Lawinenhundeführer bildet seinen Hund im Prinzip selbst aus. In Winter-und Sommerkursen werden Szenarien mit einem bzw. mehreren Verschütteten nachgestellt. Gelingen A, B und C Kurse positiv, darf sich der Hund Lawinenhund und das Herrchen oder Frauchen Lawinenhundeführer nennen. Ihre Qualifikation haben sie nur gemeinsam. Fällt einer aus, ist das Team Geschichte. Fertig ausgebildete Lawinenhunde sind unbezahlbar, deshalb werden sie auch nicht verkauft. „Das wäre für uns in der Hundestaffel undenkbar, einen Lawinenhund zu verkaufen. Außerdem würde er dadurch seine Qualifikation verlieren. Die gilt nur für das Team, das auch die Prüfungen absolviert hat,“ sagt Martin Flossmann.

Hundeführer Martin Flossmann und Lawinenhund Phil

Lawinenhundestaffel Bergrettung Tirol

Das Team: Hundeführer Martin Flossmann mit seinem Lawinenhund Phil

Schutz für die vierbeinigen Retter

Vereiste Lawinenkegel, starke UV Belastung für die Augen, Kälte und Sturm. Das alles darf einem Lawinenhund nichts anhaben. Dass er fit und einsatzfähig ist, ist Voraussetzung dafür, das Menschenleben gerettet werden können. Auch die vierbeinigen Profis brauchen Schutz. Für die Pfoten werden Cremes wie bei den Schlittenhunden verwendet. Spezielle Decken schützen vor starken UV Strahlung und Kälte. Vor allem im Frühjahr bei extrem starker Sonneneinstrahlung tragen die Hunde Sonnenbrillen.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
13. 2. 2016 ab 10.00 Uhr

Die fliegenden Hunde

Eine gute Kondition darf kein Thema sein, alle Lawinenhunde müssen alpine Erfahrung haben und mit schwierigem Gelände zurecht kommen. Fast immer sind sie auch bei den privaten Berg- und Skitouren ihrer Lawinenhundeführer dabei. Sogar mit dem Flug in einem Hubschrauber oder am Bergetau haben sie kein Problem. "Die Hunde vertrauen ihrem Hundeführer, deshalb haben sie vor den lauten Hubschraubergeräuschen und der zunächst ungewohnten Situation auch kaum Angst,“ sagt Martin Flossmann. Sogar an das Fliegen am Bergetau gewöhnen sie sich schnell. Die meisten Hunde werden begeisterte Flieger, zeigt die Erfahrung.

Lawinenhund und Hundeführer vor ÖAMTC Hubschrauber

Lawinenhundestaffel Bergrettung Tirol

Keine Angst vor dem Gelben Engel: Lawinenhunde müssen auch flugtauglich sein

Pension mit Familienanschluss

Regelmäßige Einsatzüberprüfungen und tierärztliche Untersuchungen sorgen dafür, dass erkannt wird, wenn ein Lawinenhund in Pension gehen muss. Fast immer bleibt er in der Familie, erzieht schon den nächsten jungen Hund mit, der einmal in seine Pfotenstapfen treten soll. Der Beruf des Lawinenhundes ist in der Regel mit etwa zehn Jahren beendet. Die enge Beziehung zwischen Hund und Hundeführer bleibt für immer.

Lawinenhund Phil mit Mädchen

privat

Lawinenhund und bester Kumpel, Phil wird immer Teil der Familie sein

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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