Statistiker errechnen WM-Sieg Brasiliens

Das Finale der Fußballweltmeisterschaft in Russland lautet Brasilien gegen Deutschland. Das errechneten die Forscher des Instituts für Statistik der Universität Innsbruck. Im Finale sehen die Forscher leichte Vorteile für Brasilien.

Mit ihrem auf Buchmacherquoten basierenden Modell sagten die Statistiker rund um Achim Zeileis laut eigenen Angaben bereits den Weltmeister bei der WM 2010 und drei von vier Halbfinalisten bei der WM 2014 in Brasilien vorher. Das Forscherteam greift auf die Quoten von 26 Online-Wettanbietern - Buchmachern und Wettbörsen - zurück, die, kombiniert mit komplexen statistischen Rechenmodellen, eine Simulation aller möglichen Spielvarianten und Ergebnisse zulassen.

WM-Finale Brasilien gegen Deutschland

Das wahrscheinlichste Finale mit einer Wahrscheinlichkeit von 5,5 Prozent sei ein Aufeinandertreffen von Brasilien und Deutschland, so Zeileis. „Hier könnten die Brasilianer das dramatische Halbfinale von 2014 wiedergutmachen“, meinte er. Wie dieses Finale ausgeht, wenn es dazu kommt, sei allerdings auch statistisch völlig offen: Hier liege die Gewinnwahrscheinlichkeit für Brasilien bei gerade einmal 50,6 Prozent.

Prof. Achim Zeileis vom Institut für Statistik der Universität Innsbruck

Universität Innsbruck

Achim Zeileis vom Institut für Statistik der Universität Innsbruck

Auch Frankreich und Spanien im Halbfinale

Hinter den beiden Topfavoriten bei der Weltmeisterschaft gibt es laut den Wissenschaftern noch zwei weitere Teams mit sehr guten Chancen: Spanien (12,5 Prozent) und Frankreich (12,1 Prozent). Die wahrscheinlichsten Halbfinal-Paarungen seien daher auch Brasilien gegen Frankreich (9,4 Prozent) und Deutschland gegen Spanien (9,2 Prozent), wobei aus diesen Paarungen eben Brasilien und Deutschland etwas wahrscheinlicher als Sieger hervorgehen dürften.

Solide Basis durch realistische Quoten

„Da die Buchmacher mit ihren Wettangeboten natürlich Geld verdienen wollen, setzen sie ihre Quoten möglichst realistisch fest und berücksichtigen dabei neben historischen Daten auch die Turnierauslosung sowie kurzfristige Ereignisse wie etwa Spielerausfälle“, erklärte Zeileis. Das bilde eine sehr solide Basis für das von ihm zusammen mit Christoph Leitner und Kurt Hornik entworfene Modell.

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„Unser Modell hat im Vergleich zu allen anderen den Vorteil, dass es sowohl Gewinn- als auch ‚Überlebens‘-Chancen für jede einzelne Mannschaft liefert“, so der Forscher. „Von einer 100 Prozent sicheren Prognose sind wir aber weit entfernt“, betonte Zeileis. Man liefere eben „Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten“. Gewissheit wird der 15. Juli bringen, der Tag des Finales.

Gastgeber Russland mit geringen Chancen

Gastgeber Russland sehen die Buchmacher, auf deren Quoten die Statistik basiert, als insgesamt zwölftbestes Team. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gastgeber das Viertelfinale erreichen, liege noch bei 28,9 Prozent, für den Turniersieg sinke diese Wahrscheinlichkeit aber auf 2,1 Prozent.

Stanislaw Tschertschessow

ORF

Russlands Teamchef Stanislaw Tschertschessow

Am Mittwoch nimmt der 54-jährige Russe Stanislaw Tschertschessow wieder auf der Trainerbank in Innsbruck Platz. Von 1996 bis 2002 stand Tschertschessow 182-mal im Tor des FC Tirol. Danach war er von 2004 bis 2006 auch als Trainer auf dem Innsbrucker Tivoli tätig. Im Testspiel gegen Österreich - Anpfiff ist um 20.45 Uhr - geht es für Russland bereits um viel. Schließlich soll bei der Heim-WM in zwei Wochen gute Figur gemacht werden.

Falsch gelegen bei Euro 2016

Das Finale der Euro 2016 sagten die Forscher allerdings nicht richtig voraus. Damals errechneten sie in ihrem Modell ein Duell Deutschland gegen Frankreich - mehr dazu in Statistiker errechnen EURO-Sieger. Im Finale besiegte aber Portugal Frankreich mit 1:0.

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