Lkw-Zunahme: Rasche Maßnahmen gefordert

Die dramatische Zunahme des Lkw-Transits in den ersten Monaten des neuen Jahres lässt den Ruf nach raschen Maßnahmen immer lauter werden. Das Transitforum droht mit Blockade, die Politik will die Maßnahmen verschärfen.

Dass die aktuelle Zunahme des Lkw-Transits dramatisch ist, darüber sind sich Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Fritz Gurgiser, Obmann des Transitforums, einig. Letzter betonte aber gegenüber ORF Tirol, dass dies die Folge jahrelanger politischer Versäumnisse sei. Jetzt sei es zwingend notwendig, dass Tirol endlich alle rechtlichen Möglichkeiten voll ausschöpfe. Die Gesundheit der Bevölkerung stehe nämlich über dem freien Warenverkehr.

Sektorales Fahrverbot derzeit zahnlos

Das bestehende sektorale Fahrverbot für unverderbliche Güter sei in seiner derzeitigen Form lächerlich, betonte Fritz Gurgiser. Grund dafür ist, dass es zu viele Ausnahmen gebe. Beispielsweise seien sämtliche Euro-6-Lkw ausgenommen. Die Speditionen hätten darauf längst reagiert und ihre Flotten aufgerüstet. Außerdem sei der Diesel viel zu billig und die Ziel-und-Quellverkehrsverordnung veraltet.

Transit hat laut Gurgiser Narrenfreiheit

Versäumnisse seitens der Politik in den letzten Jahren haben laut Fritz Gurgiser die dramatische LKW-Zunahme gefördert.

Land plant weitere Maßnahmen

Landeshauptmann Günther Platter wiederum versicherte, alles ihm Mögliche zu unternehmen, um den Transit zu reduzieren. Mit 25-30 Blockabfertigungen im laufenden Jahr soll weiter Druck auf die Nachbarländer und da vor allem auf Deutschland aufgebaut werden.

Unterstützung erwartet sich Platter aber auch von Seiten der EU, beispielsweise bei der geplanten Verschärfung des sektoralen Fahrverbots. Es könne nicht sein, dass in Sachen Verkehr ein Nicht-EU-Land wie die Schweiz von der EU besser behandelt werde als Tirol, so Platter. Mittelfristig müsse es Ziel sein, dass die Maut für die Brennerstrecke erheblich teurer werde. Dann würden 40 Prozent des derzeitigen Umwegtransits wegfallen. Für Mai ist ein weiterer Transitgipfel in Tirol geplant.

Weitere Verschärfungen geplant

Für die Verschärfung des sektoralen Fahrverbots aber auch für eine Mauterhöhung fordert Günther Platter Rückendeckung der EU.

Autobahn-Blockade für Gurgiser denkbar

Beim Transitforum denkt man angesichts der aktuellen Entwicklung laut über eine Bürgerversammlung auf der Autobahn nach. Jedoch sei das erst dann eine mögliche Maßnahme, wenn die künftige Landesregierung in Sachen Transit nicht konsequent agiert. Darauf hofft man allerdings, so Gurgiser, für den durchaus auch ein Schulterschluss mit der Politik denkbar sei. Blockabfertigungen allein würden das Problem jedenfalls bei weitem nicht lösen.

1.000 Lkw pro Tag mehr

Die Zunahme des Lkw-Transits geht derzeit ungebremst weiter. In Summe sind heuer bisher schon gut 400.000 Sattelschlepper und Lkw-Züge über den Brenner gefahren, das sind pro Tag durchschnittlich rund 1.000 Schwerfahrzeuge mehr als im Vorjahr - mehr dazu in Starker Anstieg beim Lkw-Transit.

Stefan Lindner; tirol.ORF.at