Vom SV Kirchbichl in die Königsklasse

Marco Friedl hat sich im November seinen großen Traum erfüllt: In der Königsklasse des Fußballs, der Champions League, auflaufen. Mit dem 19-jährigen Kirchbichler hat der FC Bayern München einen neuen Hoffnungsträger und Tirol einen potenziellen Fußball-Star.

Marco Friedl ist angekommen in München. Er fühlt sich wohl in der Weltstadt und noch wohler am Fußballplatz unter den Weltstars.
Am 22. November 2017 hatte der Kirchbichler seinen ersten Auftritt als Bayern Profi. Im Champions League Rückspiel gegen Anderlecht kam der 19-Jährige beim 1:2 Auswärtssieg als Alaba-Ersatz von Anfang an zum Einsatz. Wenige Tage später spielte er das erste Mal in der Deutschen Bundesliga.

Marco Friedl erstes Pflichtspiel CL

APA/AFP/John Thys

Marco Friedl gab bei seinem Pflichtspieldebüt seine Visitenkarte ab

Der Traum vom Fußballprofi

Für den Linksverteidiger ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. „Natürlich war ich sehr froh über den Sieg und mein Pflichtspieldebüt. Da ist man sehr erleichtert, wenn man weiß, jetzt hab ich in der Champions Leauge über 90 Minuten gespielt, wo ich früher als Kind eigentlich jeden Mittwoch und Dienstag das Spiel angesehen habe. Es war ein Traum von mir, dass ich da einmal spiele.“

Mit zehn Jahren wurde der Unterländer vom FC Bayern München entdeckt. Dass ihr Sohn besser ist als viele andere und ein besonderes Talent hat, haben die Eltern Caroline und Roland Friedl schon früh gemerkt. "Er war sehr sehr früh fokussiert, andere Kinder waren mit diesem Alter noch verspielt, er wollte immer auf Sieg spielen und das Ergebnis wissen, verlieren hat es für ihn so und so nicht gegeben. Egal ob das Fußball, Triathlon oder Skifahren war. Speziell beim Skifahren hat er tolle Leistungen gebracht, sich dann aber irgendwann entscheiden müssen, erinnert sich Roland Friedl.

Der Aufstieg zum FC Bayern Profi

Vom SV Kirchbichl über den FC Kufstein in die Königsklasse des Fußballs. Hier hat Marco Friedls Weg begonnen.

Der Weg zum Bayern Spieler: Ein Familienprojekt

„Ohne meine Eltern“, sagt Marco Friedl, „wäre das nie möglich gewesen“. Jahrelang haben die Friedls ihre Freizeit am Sportplatz verbracht, keine Mühen und Wege gescheut, um das große Talent des Sohnes so weit zu fördern, wie nur möglich. Beinahe täglich sind sie zum Training und Spiel nach München gependelt. "Es ist lange nur noch darum gegangen zu planen, wer neben der Arbeit wann nach München fahren kann, erinnert sich Papa Roland Friedl. „Du lebst irgendwann mit, du hast nichts anderes mehr. Du bist auch als Elternteil darauf fokussiert, nicht nur der Sohn. Weil man will, dass seine Träume wahr werden und da probiert man seine ganze Energie reinzustecken“, ergänzt Mama Caroline Friedl.

Vor allem die Doppelbelastung, während der Schulzeit an der Handelsschule in Wörgl zwischen daheim und München zu pendeln sei anstrengend gewesen, so Marco Friedl. Er habe im Auto die Hausübung gemacht, gelernt geschlafen, gegessen. Disziplin und Verzicht, ist sich der 19-Jährige sicher, waren auf dem Weg zum Fußball-Profi essentiell. Man müsse auch in jungen Jahren auf viele Dinge verzichten, etwa von Bällen und Partys früher heimgehen oder gar nicht hingehen, weil am nächsten Tag ein Spiel ist.

Gut angekommen in München

Marco Friedl fühlt sich wohl in München. Seit Sommer 2017 hat er einen Profivertrag beim FC Bayern.

David Alaba als Freund und Unterstützer

Seit über einem Jahr wohnt der Kirchbichler jetzt in München. Eine große Hilfe beim Ankommen ist Bayern-Star und Nationalteamspieler David Alaba gewesen. „Als ich als kleiner Junge hergekommen bin, hat mir David sehr viel geholfen und viele Tipps gegeben“, sagt der 19-Jährige.

Die beiden teilen aber nicht nur ihre Freundschaft sondern auch ihre Position als Linksverteidiger. An Alaba führt derzeit aber noch kein Weg vorbei. Konkurrenz zwischen den beiden würde es im Moment noch keine geben, so Friedl. Er könne zwar auch in der Innenverteidigung spielen, fühle sich links aber schon sehr wohl und könne dort seine Fähigkeiten sehr gut ausspielen.

marco friedl david alaba

APA

Marco Friedl kann auf die Unterstüzung von Freund David Alaba zählen

Das Leben als FC Bayern Profi

Das Leben als Profifußballer noch dazu bei einem Weltclub hat viele Rahmenbedingungen: Von mehreren Managern betreut zu werden, Interview- und Pressetermine nur nach Rücksprache zu absolvieren, viele Fans zu haben, ein Star zu sein. Marco Friedl freut der Hype um seine Person, am Anfang sei dieses Gefühl aber neu gewesen.

Wenn der Kirchbichler nicht am Fußball- oder Trainingsplatz steht, versuche er abzuschalten, Freunde zu treffen und in die Stadt zu fahren. An erster Stelle stehe aber ganz klar der Fußball.

Stammspieler werden

Derzeit trainiert Marco Friedl viel in der Kraftkammer. Kräftiger werden, Extraschichten einlegen und hart arbeiten lautet die Devise, um sich in naher Zukunft durchsetzen zu können. Eine Ausleihe zu einem anderen Verein sei derzeit kein Thema, sagt Friedl. Ziel sei es, Stammspieler beim FC Bayern zu werden und im neuen Jahr mehr Einsatzminuten zu bekommen. Derzeit bereitet sich der 19-Jährige mit seiner Mannschaft in Katar auf die Rückrunde vor. Sein Vertrag beim FC Bayern München läuft noch bis Juni 2021.

Ziele hat der 1,87 Meter große Verteidiger auch für das Nationalteam. Er hoffe, dass auch das A-Team künftig ein Thema werde. Vorerst konzentriert sich Marco Friedl aber auf die Qualifikation für die U21 EM in Italien. Das stehe aktuell an erster Stelle.

Daniela Schmiderer, tirol.ORF.at