Suspendierter Pädagoge ist höherer Beamter

Im Fall des vom Landesschulrat für Tirol am Montag suspendierten ehemaligen Pädagogen und Trainer an der Skihauptschule Neustift handelt es sich um einen mittlerweile höheren Beamten. Möglicherweise wurden die Vorfälle von damals verschleppt.

Auf den Fall sei man beim akribischen Durchforsten alter Akten gestoßen, erklärt Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) gegenüber ORF Tirol. Wie berichtet soll ein damaliger Pädagoge und Trainer an der Skihauptschule Neustift in der 90er-Jahren anzügliche Gespräche mit Schülern geführt haben und sie im Zuge von Massagen und Sicherungsarbeiten im Training und Sportunterricht „unpassend berührt“ haben - mehr dazu in Missbrauch: Land suspendiert einen Pädagogen.

Es gibt offenbar mehrere Betroffene

Laut Tirols Bildungslandesrätin Beate Palfrader gehe aus den Akten hervor, dass es mehrere Betroffene gibt.

Direktor hat Hinweise weitergeleitet

Der Direktor zu jener Zeit kann sich an einen Vorfall erinnern, bei dem die Sportabteilung des Landes von einem anonymen schriftlichen Hinweis sprach. Daraufhin habe man eine Opferschutzstelle kontaktiert, die den Fall geprüft habe. Der Direktor habe dann nie wieder etwas gehört und sei davon ausgegangen, dass der Fall damit erledigt sei.

Keine Unterlagen über Ergebnis der Prüfung

Aus dem Büro von Sportlandeslandesrat Josef Geisler (ÖVP) wurde am Dienstag bestätigt, dass in der Geschäftsstelle des Fördervereins in der Sportabteilung Unterlagen gefunden worden seien, aus denen hervorgehe, dass es Vorwürfe gegen den nun vorläufig suspendierten Pädagogen gegeben habe. Darauf sei das damalige Kinderschutzzentrum Tangram mit dem Fall betraut worden und um Untersuchung durch außenstehende Dritte gebeten worden. Über den weiteren Verlauf gebe es allerdings keine Unterlagen, hieß es weiter aus dem Büro von Sportlandesrat Geisler.

Der besagte Pädagoge war dann weiterhin Lehrer und Trainer an der Schule.

In der Hierarchie nach oben gespült

Auf die Frage, wie es möglich sein konnte, dass der betreffende Lehrer und Trainer dann die Karriereleiter weit nach oben gestiegen sei, konnte Palfrader aus Datenschutzgründen nicht konkret werden. Sie betonte allerdings, dass es sehr wohl Konsequenzen gegeben hätte, wenn man in der Abteilung Bildung davon gewusst hätte. Dies sei aber nicht der Fall gewesen.

Hinweis kam aus anderen Abteilungen

Gegenüber ORF Tirol bestätigt Palfrader dass die Hinweise aus Akten von anderen Abteilungen des Landes stammen. Weshalb sie letztendlich nie in der Abteilung Bildung gelandet sind, sei jetzt zu prüfen. Weshalb es für den Lehrer damals keine Konsequenzen gegeben habe, sei von der Staatsanwaltschaft zu prüfen, so die Bildungslandesrätin. Diese sei bereits informiert.

Externe Kommission eingesetzt

Eine weitere Konsequenz sei es, so Palfrader, dass die Landesregierung am Dienstag beschlossen hat, eine externe und unabhängige Kommission in Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen im Nachwuchssport einzurichten. Vertreter aus Justiz, Sportuniversität und den Pädagogischen Hochschulen sollen ihr angehören. Als Leiterin wurde Andrea Wibmer-Stern, Vorsteherin des Bezirksgerichts Kufstein, bestellt.

Stefan Lindner; tirol.ORF.at

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