Jüngste Missbrauchsvorwürfe schlagen Wellen

Die Missbrauchsvorwürfe eines ehemaligen Skirennläufers gegen das Skigymnasium Stams schlagen jetzt hohe Wellen. Unter anderem ist von Seiten des Bildungsministeriums jetzt eine schriftliche Weisung an zuständige Stellen in Tirol ergangen.

Ein ehemaliger Stams-Schüler hat in einem Interview im Standard wie berichtet von Gewaltakten älterer gegenüber jüngeren Schülern gesprochen. Der Mann, der nicht namentlich genannt werden wollte, war in den 80er und 90er Jahren aktiver Rennläufer - mehr dazu in Missbrauchsvorwürfe gegen Skigymnasium Stams.

Weisung an Landesrätin und Landesschulrat

Das Bildungsministerium hat sich nach den jüngsten Berichten über Übergriffe im Skigymnasium Stams und in der NMS Neustift (früher Skihauptschule Neustift) erschüttert gezeigt. Am Samstag sei eine schriftliche Weisung an die Tiroler Landesrätin Beate Palfrader (ÖVP), an den Landesschulratsdirektor von Tirol und an den zuständigen Landesschulinspektor ergangen.

In dem Schreiben wurde die Übermittlung einer Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft angewiesen, erklärte eine Sprecherin von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) der APA. „Die begonnenen Erhebungen durch die Schulaufsicht und Juristen des Landesschulrats sind fortzusetzen“, hieß es. Dazu forderte das Ministerium dazu auf, mit den zuständigen Behörden - nämlich Polizei und Staatsanwaltschaft - zu kooperieren.

Fühle mich im Weg bestätigt

LR Beate Palfrader (ÖVP) nahm am Sonntag in „Tirol heute“ zu den Missbrauchsvorwürfen Stellung.

Auch ÖSV drückt Bedauern aus

Der Österreichische Skiverband (ÖSV) meldete sich am Samstagabend in einer Aussendung ebenfalls zu Wort und sprach von „großer Betroffenheit“, mit der man die Berichterstattung „von nicht vertretbaren Vorfällen oder Übergriffen in Schulen mit sportlichen Schwerpunkten“ zur Kenntnis genommen habe. Gleichzeitig wurde aber festgehalten, dass der ÖSV keinerlei Verantwortung für diese Vergehen trage.

„Wir legen großen Wert auf die Feststellung, dass der Österreichische Skiverband weder Träger von Schulen oder Internaten ist, noch Einfluss auf die Auswahl von Lehrern oder Erziehern hat“, hieß es in der Mitteilung. „Selbstverständlich kooperiert der Österreichische Skiverband mit diesen Einrichtungen. Ausdrücklich wollen wir uns aber dagegen verwehren, dass der Österreichische Skiverband im Zusammenhang mit solchen Vorfällen als mitverantwortliche Institution genannt wird.“

Dass es auch im Österreichischen Skiverband zu Missbrauchsfällen gekommen sein könnte, wurde aber auch thematisiert: „Im Hinblick auf die Größe des ÖSV und die Vielzahl der Aktiven und Betreuer können auch wir nicht Vorfälle in unserem Bereich von vornherein ausschließen. Aus diesem Grunde wurde von uns eine Anlaufstelle für allfällig Betroffene eingerichtet.“ Damit wurde vom ÖSV erneut auf die ehemalige Landeshauptfrau der Steiermark, Waltraud Klasnic, als vertrauliche Ansprechperson verwiesen.

Werdenigg wird am Dienstag befragt

„Es macht sehr betroffen“, sagte Nikola Werdenigg zu den Aussagen des ehemaligen ÖSV-Aktiven. „Diese Machtübergriffe, die durchaus auch sexualisierte Gewalt sind, sind so typisch für dieses System“, sagte Werdenigg zur APA. Ohne diese Übergriffe, mit denen Neulinge, junge Leute, in das System eingeführt werden, würde das Ganze vielleicht nicht so funktionieren.

Werdenigg, die vor rund zwei Wochen den Stein bezüglich sexuellen Missbrauch im Sport ins Rollen gebracht hat, wird am Dienstag von der Staatsanwaltschaft in Innsbruck befragt - mehr dazu in Missbrauchsvorwürfe: Jetzt wird ermittelt. Sie froh und erleichtert, dass in dieser Sache jetzt ermittelt werde, betonte die ehemalige Skirennläuferin gegenüber ORF Tirol.

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