Giorgio Moroder überrascht Südtiroler Chor

Am Wochenende hat „Choriosum“ ein neues Programm mit Songs von Disco-Altmeister Giorgio Moroder präsentiert. Bei der Uraufführung am Sonntag in Gröden schaute der Weltstar spontan beim Konzert vorbei.

Kein Synthesizer, keine E-Gitarre und kein Keyboard: Der Südtiroler Chor „Choriosum“ hat die Disco-Klassiker Giorgio Moroders für sein neues Programm komplett A-Capella arrangiert und gesungen. Bei der Premiere im Kongresszentrum in St. Ulrich in Gröden wurden Versionen von „I Feel Love“, „What a Feeling“ oder „Un’Estate Italiana“, dem Song der Fußball-WM 1990 in Italien, präsentiert. Der als Vater der Discomusik titulierte Giorgio Moroder selbst überraschte den Chor und schaute beim Auftaktkonzert spontan vorbei.

Giorgio Moroder lebt schon seit Jahrzenten in den USA, er ist aber immer wieder zu Besuch in seiner alten Heimat Gröden. Am Sonntag hat er seine Songs in einer bislang noch nie gehörten Interpretation erlebt.

Der Musikstar genoss die Möglichkeit, einmal nicht selber auf der Bühne stehen zu müssen. „Es freut mich, einmal zuhören und zuschauen zu können. Andere arbeiten und ich kann es genießen.“ Nach dem Konzert zeigte sich Moroder sehr angetan: „Ich bin begeistert, nicht nur was den Gesang angeht, sondern auch die Präsentation und Choreographie“, so der 77-jährige Musiker.

Das Konzert als Glitzershow

Nicht nur musikalisch, sondern auch beim Bühnenbild und den Kostümen hatte der Chor den Altmeister der Discokugel zitiert. Der Chorleiter selbst schlüpfte zeitweise mit Silberperücke in die Rolle von Donna Summer. Die Chormitglieder traten teils mit Sonnenbrille, teils mit Glitzeroutfits im Disco-Stil der 1980er-Jahre auf.

Südtiroler Chor bei Generalprobe

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Die Sonnenbrille glitzert als Markenzeichen Moroders über dem Chor

Neben den bekanntesten Hits des Musikers hat Choriosum aber auch die frühen Werke Moroders bearbeitet. Der Schlager „Her mit dem Geld“ oder „Looky, Looky“ erinnerten an die musikalischen wie geographischen Wurzeln des weltbekannten Musikers.

Von Gröden in die Charts

Der aus St. Ulrich stammende Musiker und Neffe von Luis Trenker war in den 1970er-Jahren zum Disco-Weltstar geworden. Der Ladiner Hansjörg Moroder wurde spätestens 1975 mit seinem Skandal-Song „Love to Love You Baby“ international bekannt. Das Stöhnen von Donna Summer in dem Song sorgte für Furore, manche Radiostationen weigerten sich, den Song zu spielen.

Dance-Musik Altstar Giorgio Moroder

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Giorgio Moroder hat mit unzähligen Musikstars zusammengearbeitet

Mit seinem typischen Synthesizer-Sound eroberte Moroder die Musikwelt. Er produzierte erfolgreich Filmmusik, etwa für „Top Gun“ oder „Flashdance“ und war auch gefragter Komponist für Olympia- und WM-Songs. „Kunst machen kann jeder. Aber Kunst zu machen, die sich auch verkauft - das ist eine Kunst“, antwortete Moroder einmal, als er auf Kritiker seiner Musik angesprochen wurde.

Ein Chor zwischen Pop und Performance

Die Kunst, Chormusik zu verkaufen, verfolgt „Choriosum“ seit Oktober 2004. Mit Rock- und Popsongs, aber auch Jazz und Klassik versucht der Chor um Leiter Hannes Knollseisen ein modernes Image zu vermitteln. Der musikalische Spagat reicht dabei von EAV bis zur Performance mit einer norwegischen Künstlerin beim Transart-Festival. Das aktuelle Disco-Pop-Paket „Giorgio by Choriosum“ ist bei dem 35-köpfigen Chor bis Ende November Programm.