Heinz Fischer warnt vor Abspaltung

Der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer hat in Bozen die Bedeutung eines geeinten Europas betont. Er kritisierte bei dem Vortrag in Südtirol auch die Bestrebungen in Katalonien in Richtung Unabhängigkeit.

Mit großem Interesse wurden in Südtirol die Entwicklungen der vergangenen Wochen in Katalonien verfolgt. Südtiroler Befürworter der Selbstbestimmung oder einer Abspaltung von Italien hatten die Schritte der katalanischen Regierung begrüßt. Diesen erteilte der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer aber eine definitive Absage.

Der ehemalige Bundespräsident Heinz Fischer hält wenig von der Unabhängigkeitsbestrebung in Katalonien. Er plädierte in Bozen für ein geeintes Europa, das sich auf seine Stärken konzentriert.

Regionen seien wichtig im europäischen Kontext. Katalonien wünsche aber keine Rolle als Region und Teil Spaniens, sondern eine Änderung der Grenzen und der Verfassung. „Das kann man im 21. Jahrhundert nur im Konsens und nicht mit dem Kopf durch die Wand“, so Fischer in Bozen.

Schrittweise Entwicklung Europas

Den Brexit, als die Trennung Großbritanniens von Europa sieht Fischer als nicht durchdachten Beschluss, der beiden Seiten große Sorgen bereite. Andererseits sei dies auch eine Möglichkeit für Europa, sich neu und stärker aufzustellen.

Die Umsetzung der großen Aufgaben, die auf die EU warten, sollte aber schrittweise gemacht werden. Fischer plädiert für realistische Ziele, weil signifikante Veränderungen derzeit nicht mehrheitsfähig seien. Aber auch weil es wichtig sei „sich nicht zu große Ziele zu setzen und damit Gefahr zu laufen in extreme Richtungen abzudriften“.

Nach wie vor Südtirol verbunden

Der Vortrag am Donnerstag in Bozen war nicht der erste öffentliche Auftritt Heinz Fischers in Südtirol seit dem Ende seiner Amtszeit. Der Bundespräsident a.D. war bereits im Mai als Gastredner bei der Landesversammlung der Südtiroler eingeladen. In den zwölf Jahren seiner Amtszeit galt Fischer immer als Südtirolfreund, der immer wieder die enge Beziehung zwischen Österreich und Südtirol betonte.

Ein Zeichen dafür dürfte auch seine letzte Auslandsreise als Bundespräsident gewesen sein, die er in Südtirol absolvierte - mehr dazu in Fischer auf Abschiedsbesuch in Südtirol. Aber auch privat reisten Heinz Fischer und seine Frau Margit immer wieder nach Südtirol, etwa bei ihrer Hochzeitsreise. Und auch zum Vortrag in Bozen war der ehemalige Bundespräsident in Begleitung seiner Frau angereist.