Tiroler Chirurg wird ESOT-Präsident

Der Tiroler Transplantationschirurg Stefan Schneeberger wird neuer Präsident der Europäischen Gesellschaft für Organtransplantation ESOT. Die Herausforderungen sind groß, der Bedarf an Organen steigt.

ESOT führt weltweit Forschungen zum Thema zusammen und sucht nach Verbesserungen bei Methoden. Derzeit wachse die Transplantation besonders schnell in Asien aber auch in Afrika. Das große Wachstum fordere aus Perspektive der ESOT, die nötigen Strukturen zu schaffen und zu unterstützen, sagt Schneeberger: „Da sehen wir uns in der Verantwortung, mit beizutragen."

Organe sollen länger haltbar werden

Aber allein in Europa warten derzeit schon 15.000 Menschen auf ein Spenderorgan und die Zahl steigt weiter, sagt der 44-jährige Topchirurg. So wird mit Hochdruck daran geforscht, entnommene Organe länger haltbar zu machen.

Stefan Schneeberger

ORF/Hermann Hammer

Stefan Schneeberger im ORF Tirol

Derzeit dürfen zwischen der Organentnahme und der Transplantation nur wenige Stunden vergehen. Hier setzen die Forscher auf die sogenannte „Ex-vivo-Perfusion“. Diese Technologie könnte eine Revolution in der Transplantation auslösen. Man könne das Organ nach der Entnahme an eine Maschine hängen, wo es weiter durchblutet werde und damit in seiner Funktion und Vitalität aufrecht erhalten bleibe. Damit habe man bessere diagnostische Möglichkeiten, um die Qualität des Organs zu prüfen.

Wartezeit wird deutlich verlängert

Außerdem könne man den Zeitraum bis zur Transplantation in die Länge ziehen und damit auch logistische Probleme lösen. Derzeit könne man etwa bei einer Lebertransplantation höchstens sechs bis zwölf Stunden warten. Mit der neuen Technologie verlängere sich diese Zeit auf 24 Stunden. Es gebe Aussicht, diesen Zeitraum weiter zu verlängern, in ferner Zukunft vielleicht bis zu über einer Woche. Bei der Niere sei diese Technologie in einfacher Form schon im Einsatz. Bei der Lunge sei die Forschung schon weit fortgeschritten und auch für die Herztransplantation werde diese Technologie relevant.

Der 44-jährige gebürtige Zillertaler studierte in Innsbruck und habilitierte sich hier, danach forschte er unter anderem in bedeutenden Einrichtungen in Pittsburg oder der John Hopkins Universität in Baltimore. Seit 2014 ist er Leiter der Transplantationschirurgie in Innsbruck.

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