Briefe von Maria Theresia an Freundin gefunden

86 Briefe von Maria Theresia an ihre beste Freundin, Sophie Gräfin Enzenberg, sind vor kurzem auf Schloss Tratzberg (Bezirk Schwaz) entdeckt worden. Eine Sensation passend zum heurigen 300. Geburtstag der Kaiserin.

Im Jahr 1745 kam Sophie Amalia Baronin Schack zu Schackenburg an den Kaiserhof nach Wien. Obwohl Maria Theresia bereits 15 Hofdamen hatte, nahm sie die zehn Jahre ältere Adelige in ihre Entourage auf. Bereits ein Jahr später heiratete Sophie den hohen Beamten Kassian Graf Enzenberg und übersiedelte nach Tirol. Damit begann eine Brieffreundschaft, die 30 Jahre lang halten sollte.

Maria Theresia mit einigen ihrer insgesamt 16 Kinder

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Maria Theresia mit einigen ihrer insgesamt 16 Kinder

Politik, Mode und Alltägliches

Ulrich Goess-Enzenberg, ein Nachkomme von Sophie Gräfin Enzenberg, entdeckte die gesammelten Briefe vor kurzem in einer Eisenschatulle auf Schloss Tratzberg, wo die Familie Enzenberg heute lebt.

Ulrich Goess-Enzenberg

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Ulrich Goess-Enzenberg, Schlossherr von Tratzberg

Der Germanist und Historiker Jean-Pierre Lavandier übersetzte die in Französisch verfassten Briefe und die Kulturjournalistin Monika Czernin verfasste das Buch „Maria Theresia - Liebet mich immer“ im Ueberreuter-Verlag.

Interessant ist, dass nur die Briefe der „Kaiserin“ nach Tirol erhalten sind. Die Antworten der Gräfin ließ Kaiser Joseph II mit weiteren privaten Schriften gleich nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1780 aus Staatsräson vernichten.

Schloss Tratzberg

Auf Schloss Tratzberg oberhalb von Stans bei Schwaz wurden die Briefe entdeckt, die Maria Theresia an ihre Freundin schrieb.

Intime Gedanken der Kaiserin

Die Textanalyse ergibt wenig inhaltlich Neues. Beachtlich ist vielmehr der innige Ton, der zwischen den Freundinnen anklingt. Die zwischen ihren 16 Kindern und dem politischen Tagesgeschäft eingespannte Herrscherin gewährte ihrer Seelenverwandten in Tirol intime Einblicke in ihre Gefühlswelt, die sie in Wien kaum jemanden anvertraute. In den Briefen erzählte sie von politischen Entscheidungen, von der Verheiratung ihrer Kinder in ganz Europa sowie alltäglichen Sorgen.

Sophie Enzenberg

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Gräfin Sophie Enzenberg, Freundin von Maria Theresia

Maria Theresia gab etwa detaillierte Anweisungen zur Organisation der Hochzeit ihres Sohnes Leopold II mit der spanischen Prinzessin Maria Ludovica in Innsbruck. Kassian Graf Enzenberg war damals Gouverneur von Tirol, heute könnte man seine Position mit der eines Landeshauptmanns vergleichen, erzählt der Schlossherr von Tratzberg. Es war eine Ehre, dass die Hochzeit des Kaisersohnes in Innsbruck ausgerichtet wurde. Gräfin Enzenberg äußerte schriftlich ihre Bedenken, ob sie den hohen Ansprüchen gerecht werden könne.

Sendungshinweis:
„Universum History: Maria Theresia - Majestät und Mutter“, 2.5.2017, 21.05, ORF 2

Maria Theresia mit Burnout?

1765 wurde in Innsbruck nicht nur gefeiert. Kurz nach der Hochzeit seines Sohnes verstarb Franz Stephan von Lothringen unerwartet. Maria Theresia war untröstlich, ließ sich die Haare schneiden, verschenkte ihren gesamten Schmuck und trat nur noch in schwarzen Gewändern auf.

Briefe von Maria Theresia

Maria Theresia begann jeden ihrer Briefe an ihre beste Freundin Sophie gleich: „Ma chère Enzenberg“

Die Briefe nach Tirol wurden mit einem schwarzen Trauerflor umrandet. Die disziplinierte Herrscherin versuchte, ihre Trauer mit Arbeitswut zu betäuben. „Für mich gibt es nur noch die Gruft“, schrieb sie nach Tirol. Die Kulturjournalistin Monika Czernin geht sogar so weit, von einem Burnout der Kaiserin zu sprechen.

Ausstellung auf Schloss Tratzberg

Die Briefe von Maria Theresia sind derzeit im Habsburgersaal auf Schloss Tratzberg ausgestellt. Daneben ist das Taufkleid zu sehen, das Maria Theresia aus dem Krönungsornat von Franz Stephan von Lothringen für die Familie Enzenberg anfertigen ließ und das bis heute in Verwendung ist.

Teresa Andreae, tirol.ORF.at

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