Frau brachte im Gebirge Kind zur Welt

Eine 30-jährige Frau hat am Dienstag auf einer Alm auf 2.250 Metern Seehöhe einen Buben zur Welt gebracht. Bei der Pächterin einer Berghütte hatten unerwartet früh - im fünften Monat - die Wehen eingesetzt. Das Kind wurde in das Krankenhaus Villach geflogen.

Die Wehen hatten bei der Frau am Dienstagmorgen eingesetzt. Sie war in der 24. Schwangerschaftswoche. Weil der Hubschrauber witterungsbedingt nicht fliegen konnte, stiegen Mitglieder der Bergrettung gemeinsam mit einem Bergrettungsarzt und einer Gynäkologin zur Berghütte auf. Die Frau wurde zu einer weiter talwärts liegenden Alm gebracht, wo sie betreut wurde und schließlich ihr Kind zur Welt brachte.

Rettungskräfte vor der Alm bei schlechtem Wetter

Bergrettung Obertilliach

Die Rettungskräfte vor der Alm.

Kinderarzt: „Alles improvisiert“

Der Lienzer Kinderarzt Andreas Totschnig war bei der Geburt dabei. Im Gespräch mit dem ORF Tirol sprach er von improvisierten Verhältnissen: „Das war ein Raum von drei mal drei Metern mit zwei Betten drin. Mit Stirnlampen konnten wir den Raum heller machen. Bei der Geburt waren der Papa und drei Ärzte dabei, darunter ein Internist und eine Frauenärztin, die das Kind in Empfang genommen hat. Es gab auch keine vorgeheizten Tücher. Wir haben Leintücher über einem Ofen aufgehängt, damit man sie halbwegs warm verwenden konnte.“

Unterdessen organisierte Josef Burger, ebenfalls ein Kinderarzt im Krankenhaus in Lienz, den Nachschub an medizinischem Gerät und Medikamenten: „Ich glaub, wir haben dort oben teilweise mehr wehenhemmende Mittel gehabt als im Krankenhaus. Die Zentrale der Bergrettung war immer mit zwei bis drei Leute besetzt und sobald wieder eine Lieferung gekommen ist, die gewünscht war, haben wir sie hinaufgeschickt. Es hat alles bestens funktioniert.“

Hubschrauber nutzte kleines Wolkenfenster

Gegen 18.00 Uhr konnte der Notarzthubschrauber ein Wolkenfenster nutzen und die Frau mit ihrem Kind in das Bezirkskrankenhaus Lienz fliegen, so Kinderarzt Josef Burge: „Für das Kind war das ein extremes Glück, dass kurz nach der Geburt das Wolkenfenster aufgegangen ist. Und für das Kind schaut es deshalb jetzt sehr gut aus. Aber man muss noch die nächsten 72 Stunden abwarten, um endgültig sagen zu können, wie es mit dem Kind weitergeht.“

Der Bub wurde in der Nacht noch an die Neonatologie am Krankenhaus Villach geflogen. Sein Zustand ist laut Ärzten stabil. Die Mutter sollte im Laufe des Mittwochs ebenfalls nach Villach gebracht werden. Im Einsatz waren 25 Mitglieder der Bergrettung von Obertilliach, Kartitsch und Sillian.