Mystisches Lautenspiel zur Barockoper

Die Krone aufgesetzt haben die Grazer Lautenspielerin und mehrfache „Echo“ Gewinnerin Christina Pluhar und ihr Ensemble „L’Arpeggiata“ der Premiere der Barockoper „Il Paride“ im Rahmen der Innsbrucker Festwochen am Freitag.

Das Publikum huldigte dem beschwingten, „ba-rockigen“ Spiel der Musik-Virtuosen besonders. „Il Paride“, das in Musik gesetzte Spiel von der Liebe, begeisterte restlos, es gab im Landestheater minutenlange Ovationen für sämtliche Protagonisten.

Frischer Wind für alte Partituren

Pluhar, die an der Theorbe spielte, dirigierte ihr Ensemble perfekt ohne selbst den Dirigentenstab in der Hand zu halten. L’Arpeggiata bestach neben dem barocken Partysound mit zahlreichen Zupf- und Schlaginstrumenten auch mit zartem, in gewissen Szenen sogar mystischem Spiel. Die alten Partituren wurden geradezu mit frischem Wind durchlüftet.

Auch Regisseur Christoph von Bernuth trug mit seiner Inszenierungskunst wesentlich zum gelungenen Opernabend bei. „Die Liebe in all ihren Spielarten“ sei das eigentliche Thema des Stücks über den trojanischen Prinzen Paris und seiner Liebe zu Helena, der Königin von Sparta, hatte der Regisseur im Vorfeld der Premiere gemeint.

(v. l. n. r.) Dominique Visse als "Hecuba", Fernando Guimares als "Hirseno" und Fulvio Bettini als "Priamo"

APA/INNSBRUCKER FESTWOCHEN/RUPERT LARL

Dominique Visse als „Hecuba“, Fernando Guimares als „Hirseno“ und Fulvio Bettini als „Priamo“

Konzept des Regisseurs aufgegangen

Christoph von Bernut stellte das seit Anbeginn der Menschheit beherrschende Lebensthema in allen seinen Abgründen, Irrungen und Wirrungen, seiner Schönheit sowie seiner Tragik und Abstrusität auf der Bühne dar - und gewann auf voller Linie mit einer Mischung aus gehobenem, barockem Komödienstadel, getragenem antiken Aufführungsgestus und bravouröser Slapstick-Kunst.

Das neunköpfige Sänger- und Darstellerensemble verkörpert insgesamt 23 unterschiedliche Rollen. Der australische Countertenor David Hansen war ein souveräner Paris, ebenso Raquel Andueza als von ihm begehrte Helena. Emiliano Gonzales Toro war in seinen Rollen als Jäger und Koch der unbestrittene, brillierende „Komödianten-König“ des Stücks. Mariana Flores glänzte eindrücklich in ihrer eher kleinen Rolle als Göttin der Zweitracht Discordia,die aus Rache mit dem goldenen Apfel das Paris-Urteil beschwört.

Fernando Guimares als "Hirseno, Höfling in Troja", Fulvio Bettini als "Ermillo, Höfling in Troja" und Emiliano Gonzalez Toro als "Ergauro, der Mönch" (liegend)

APA/INNSBRUCKER FESTWOCHEN/RUPERT LARL

Fernando Guimares als „Hirseno, Höfling in Troja“, Fulvio Bettini als „Ermillo, Höfling in Troja“ und Emiliano Gonzalez Toro als „Ergauro, der Mönch“ (liegend)

Hervorstechende Enone

Aus der Riege des ausnahmslos durch Darstellungskraft, Bühnenpräsenz und gesangliche Meisterleistungen glänzenden Ensembles stach Luciana Mancini als Enone, Geliebte des Paris, hervor. Sie verkörperte diese tragische Figur des Stücks, die die extremsten Gefühle erlebt und ob der Liebe zwischen Paris und Helena in den Tod geht, perfekt und wurde vom Publikum dafür nach drei Stunden lautstark und gebührend gefeiert.

Die dem Stück eigentlich innewohnende opulente Bühnenkonzeption wurde reduziert und Verwandlungen wohltuend minimalistisch ausgelegt. So wachsen Bäume aus dem Bühnenboden, Betten klappen aus der Wand oder goldene Äpfel fliegen durch den Raum. Alles in allem ein Opernabend der Sonderklasse - dargetan von Meistern ihres Fachs.

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