Zoff im Katzenhaushalt

Es kreischt und faucht, die Krallen werden ausgefahren und die Zähne gezeigt - im Katzenhaushalt hängt der Haussegen schief. Was bisher ein Herz und eine Seele war, verwandelt sich plötzlich in ein Knäuel Furien. Da ist guter Rat teuer.

Fast jeder, der einen Mehrkatzenhaushalt führt, kennt das Problem. Die besten Freunde werden plötzlich zu Feinden. Die Ursachen sind manchmal nur schwer oder gar nicht zu ergründen, sagt die Katzenverhaltensberaterin Gaby Bunde aus Innsbruck.

zwei Kater im Kampf
privat
Bei freilaufenden Katern wird oft erbittert um das Revier gekämpft. Bei ihnen kann es auch ernste Verletzungen geben

Wenn der Freund zum Feind wird

Ein Klassiker als Ursache ist der Besuch einer Katze beim Tierarzt, erklärt Gaby Bunde. „Nehmen wir an, eine Katze muss für die Behandlung teilweise geschoren werden. Wenn sie heimkommt, riecht sie anders und sieht irgendwie komisch aus. Da wird sie dann von den Daheimgebliebenen wie ein Eindringling gesehen.“

Eine andere Möglichkeit kann eine umgerichtete Aggression sein. „Stellen wir uns vor, die Katze sitzt am Fenster und sieht im Garten ihren Feind, den Nachbarkater. Die Aggression, die sich dadurch aufbaut, bekommt dann ihr Wohnungsgenosse zu spüren.“ Manchmal vertragen sich die Katzen aber auch aus unerfindlichen Gründen nicht mehr.

Der Streit eskaliert

Dauert der Streit unter den Katzen nur kurz, kann man ihn ignorieren. Beruhigt sich die Situation nicht mehr, sollte man die Streithähne aber für einige Zeit trennen. Was in der begrenzten Umgebung einer Wohnung oft nicht so einfach ist. „Es kann notwendig sein, die Katzen ein paar Tage in verschiedenen Zimmern zu halten und den Kontakt zu unterbrechen.“ Und zwar solange, bis sich Aggression, Aufregung oder Angst gelegt haben. Denn nicht immer finden die Tiere zur gewohnten Harmonie zurück. Der oder die Unterlegene sind oft stark verunsichert, trauen sich nicht mehr aus dem Versteck oder verweigern sogar das Futter. Sie brauchen eine Auszeit.

Zwei junge schwarze Katzen raufen
privat
Junge Katzen messen gerne ihre Kräfte. Bei ihnen ist es mehr Spiel als ernste Keilerei

Mobbing bei Katzen

Manchmal ist der Streit zwischen Katzen auch nicht so offensichtlich, sondern unterschwelliger. Der Aggressor lässt die andere Katze nicht mehr zum Futternapf, oder auf das Kistchen. Sie soll auch nicht mehr von Frauchen gestreichelt werden und wird verjagt. Nur wer das Verhalten seiner Tiere regelmäßig beobachtet und sie gut kennt, kann rechtzeitig eingreifen. Wenn Katzen den ganzen Tag allein in der Wohnung gelassen werden, kann sich einiges abspielen, das dem Besitzer entgeht.

Zwei Katzen raufen unter einem Tisch
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Versteck´ Dich oder ich pack´ Dich... nicht immer verläuft der Alltag im Katzenhaushalt konfliktfrei

Keine Strafe, sondern Schutz

Die Aggressoren laut zu schimpfen oder sogar die Hand gegen sie zu erheben, ist keine Hilfe, betont Gaby Bunde. "Das einzige ist ein lautes „Nein" in genau dem Moment, in dem eine unerwünschte Situation entsteht. Katzen wissen nach zwei Sekunden nicht mehr, was eigentlich passiert ist, deshalb kommt Strafe für sie oft völlig ohne Grund.“ Das verunsichert sie noch mehr. Die Aggression von Katzen kann vielmehr zum Beispiel durch Spielen umgelenkt werden. Sind die Katzen abgelenkt und nicht auf sich selbst fixiert, beruhigt sich so manche Situation wieder.

Behutsam wieder zusammenführen

Ist es tatsächlich notwendig geworden, die Streitparteien zu trennen, müssen sie langsam wieder aneinander gewöhnt werden. Gute Dienste leistet ein Netz oder ein Gitter an der Tür. Damit können sich die Wilden nahe, aber doch nicht zu nahe kommen. Ist Frieden eingekehrt, lässt man die Katzen zunächst nur begrenzt zusammen und steigert die gemeinsame Zeit von Tag zu Tag. Dann ist hoffentlich der Streit vergessen und vergeben.

Zwei Katzen in einer grünen Wiese
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Manchmal genügt ein herrischer Blick und die Sache ist klar. Dann muss es gar keine Auseinandersetzung geben

Raue Sitten vor der Haustür

Noch ernster als in der reinen Wohngemeinschaft geht es bei freilaufenden Katzen zu. Es gibt Fälle, in denen die Tiere fast täglich verletzt heimkommen. Revierkämpfe werden draußen wesentlich härter ausgetragen, als in der Wohnung. Auch schwere Verletzungen sind nicht selten. Notfalls müssen sich die Besitzer untereinander einigen. „Wenn die Rivalen täglich aufeinander treffen, weil sie in unmittelbarer Nähe wohnen, kann man ein Timesharing vereinbaren,“ schlägt Gaby Bunde vor. Eine Katze geht tagsüber hinaus, die andere in der Nacht. Nicht ganz einfach bei den freiheitsliebenden Vierbeinern. Aber besser als ständig zerrissene Ohren und blutige Wunden.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
11.2.2017 ab 10.00 Uhr

Vorbeugen statt Streit schlichten

Weil der Streit unter Katzen das gemeinsame Zusammenleben ziemlich aus den Fugen bringen kann, ist es wichtig, sich schon vorher genau zu überleben, ob das Paar oder die Gruppe sich gut vertragen werden. "Eine Grundregel besagt, am besten Katzen mit etwa gleichem Alter, gleichem Geschlecht und gleichem Charakter zusammenführen,“ empfiehlt Gaby Bunde. Auch Nachwuchs aus einem Wurf verträgt sich in der Regel gut. Natürlich gibt es viele Beispiele einer bunt zusammen gewürfelten Gruppe, die friedlich zusammen leben, aber das Risiko eines Stunks ist dann eben höher.

Freigängerkatzen in Wohnungskatzen umzuwandeln hält Gaby Bunde allerdings für äußerst schwierig und kaum machbar. „Für die bisher freilaufenden Katzen ist das kleine Revier einer Wohnung - auch wenn sie viele Quadratmeter hat - furchtbar,“ erklärt sie. Das wird nur in den seltensten Fällen gelingen. Eine Katze aus der Gruppe ganz herauszunehmen und sie an einen anderen Platz zu geben, sollte aber nur die allerletzte Möglichkeit sein, sagt Gaby Bunde.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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