Chinchillas - Fellkugeln mit Ohren

Sie stammen aus Südamerika und wurden wegen ihres besonders flauschigen Fells vor allem in der Pelzindustrie geschätzt. Als Haustiere erobern sie die Herzen mit ihrem unwiderstehlichen Schlafzimmerblick.

Wer an Chinchillas seine Freude haben will, sollte wie sie ein Nachtmensch sein. Tagsüber ist von ihnen höchstens ein Teil ihres Flauschefells zu sehen. In der Nacht aber ist Party-Time. Da drehen sie so richtig auf.

Chinchilla vor seinem Holz-Haus
Tierheim Mentlberg
Flauschiges Fell, Kulleraugen und Fledermausohren, das sind die Markenzeichen der Chinchillas

Vom Pelzlieferanten zum Haustier

Sie haben wohl das weichste Fell im ganzen Tierreich. Weshalb sie für die Pelzindustrie immer noch in großen Farmen gehalten und geschlachtet werden. Als Heimtier haben sie sich einen Namen wegen ihres putzigen Aussehens und ihrer vermeintlich pflegeleichten Art gemacht. Letzteres ist allerdings ein Irrtum. Denn wer Chinchillas möglichst artgerecht halten will, braucht Platz und Phantasie.

Ein Chinchilla kommt selten allein

Ein Chinchilla geht gar nicht. Mindestens zwei müssen es sein. Chinchillas sind Gruppentiere und vertragen sich untereinander gut, sagt Sonja Flunger, Leiterin der Kleintierabteilung im Tierheim Mentlberg. Auch zwei Männchen können zusammen gehalten werden. Bewohnt ein Pärchen gemeinsam ein Gehege, sollte das männliche Tier kastriert sein. Sonst gibt es nämlich ganz schnell Nachwuchs. Und dann stellt sich bald die Frage: wohin mit all den Fellkugeln?

Chinchilla steckt den Kopf aus einer Rindenhöhle
Tierheim Mentlberg
Wer stört denn da mitten am Tag? Chinchillas werden erst am Abend munter.

In der Nacht geht´s rund

Tagsüber ist Ruhe im Chinchilla-Haus. Die Verwandten der Meerschweinchen sind nachtaktiv. In der Dunkelheit gibt´s Ramba-Zamba, da ist die Ruhe dahin, erzählt Sonja Flunger: „Es ist schon lustig, wie sie sich beim Fressen auf die Hinterpfoten stellen und das Futter mit ihren Vorderpfoten halten. Wenn Versteckspiele angesagt sind, ist das auch sehenswert.“ Chinchillas wollen klettern und springen, in die eine Höhle rein und schon wieder raus. Dazwischen gibt es ein Sandbad und wer einen so wertvollen Pelz trägt, pflegt ihn natürlich auch ausgiebig.

Die grauen Fellkugeln mit den großen schwarzen Augen, den Fledermausohren und dem buschigen Schwanz sind als Heimtiere etwas aus der Mode gekommen. Das merken leider die Tierheime. In Mentlberg sind immer mindestens eine Dutzend untergebracht. Vielleicht weil sie den Menschen tagsüber zu langweilig sind. Und in der Nacht geben sie dann keine Ruhe. Das will bedacht sein, wenn sich jemand für Chinchillas als Haustiere entscheidet.

Chinchilla-Haus mit mehreren Stockwerken
Tierheim Mentlberg
Hier fühlen sich Chinchillas wohl. Es gibt viel Platz zum Klettern und Verstecken. Heu, Wasser und ein Sandbad dürfen nicht fehlen

Chinchilla-Haus im Kleiderschrank

Chinchillas brauchen Kletter und Versteckmöglichkeiten. Und auch sonst wollen sie keinen Käfig, sondern ein Schloss mit mehreren Stockwerken. Ein ausrangierter Kleiderschrank, dessen Fronttüren durch Gitter ersetzt werden, lässt sich wunderbar zur Chinchilla-Unterkunft umbauen. Hölzer, Zweige, Zapfen, Rinden und Höhlen aus allen möglichen natürlichen Materialien sind das gewünschte Mobiliar. Der Phantasie beim Einrichten sind da kaum Grenzen gesetzt. Im Tierheim Mentlberg gibt man gerne Bauanleitungen und Tipps für Chinchilla-Wohlfühlburgen.

Chinchilla bei einem Sandbad
Tierheim Mentlberg
Es geht doch nichts über ein schönes Sandbad. Edler Pelz will eben gepflegt werden

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
28. 1. 2017 ab 10.00 Uhr

Zur Nachspeise ein Gänseblümchen

Zum Fressen brauchen Chinchillas so wie auch Kaninchen und Meerschweinchen überwiegend gutes Heu. "Das sollte ihnen in hoher Qualität immer zur Verfügung stehen,“ so Sonja Flunger. Dazu lieben die Tiere Hölzer, Löwenzahn oder auch ein Gänseblümchen. Frisches Wasser und eine große Schale für ein ausgiebiges Sandbad runden das Angebot ab.

Sonja Flunger, Leiterin der Kleintierabteilung im Tierheim Mentlberg in Innsbruck mit einem Chinchilla
Tierheim Mentlberg
Sonja Flunger hat einen guten Draht zu den Chinchillas im Tierheim. Sie gehören oft viele Jahre zu ihren Schützlingen

Pelztier ohne Kuschelfaktor

Chinchillas gewöhnen sich mit Zeit und Geduld an die fütternde Hand. Aufgehoben, herumgetragen und festgehalten werden wollen sie aber nur, wenn sie genug Vertrauen gefasst haben. Auch wenn es sehr verlockend ist, das überaus weiche Fell zu streicheln, es dauert eine Weile, bis die Tiere das ohne Angst zulassen. Sie tagsüber aus dem Schlaf zu reißen und abrupt aus ihrer Höhle zu nehmen, stresst sie, meist erstarren sie vor Angst. Ihr flauschiger Pelz beginnt zum Fellwechsel stark zu haaren. Es ist also eine genaue Überlegung wert, ob sie sich als Haustiere für Kinder eignen.

Wer Zeit hat, die fröhlichen Gesellen in der Nacht zu beobachten, wird einiges zu sehen und zu lachen bekommen. Und das für lange Zeit. Als Heimtiere können Chinchillas nämlich über 20 Jahre alt werden.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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