Hunde eindecken - Sinn oder Unsinn?

Selbst unter Hundefreunden ist es umstritten. Braucht der Hund im Winter einen Mantel oder reicht ihm sein Fell auf jeden Fall aus? Wie so oft steckt die Antwort im Detail, denn jeder Hund ist anders.

Auf die Rasse kommt es an. Neufundländer, Husky, Islandhund und Co. werden vor jedem Mantel Reißaus nehmen. Die Natur hat sie üppig bestückt mit viel Wolle und Fell. Selbst wenn sie ganzjährig mit geschütztem Unterschlupf im Freien gehalten werden, haben sie kaum jemals ein Problem mit der Kälte. Kleine kurzhaarige Hunde dagegen frieren oft schon an einem kühleren Herbsttag, weiß Katja Wolf, vom Österreichischen Kynologenverband und Chefredakteurin der Zeitschrift „Unsere Hunde“.

Italienisches Windspiel mit dickem roten Mantel
ÖKV
Mehr Mantel als Hund: Dieses Italienische Windspiel wird aber froh darüber sein

Polarbär oder Wüstenfuchs

„Ich würde die Frage nach einem Mantel immer situationsbezogen und auf den jeweiligen Hund zugeschnitten beantworten. Große Hunde mit viel und dickem Fell brauchen keinen zusätzlichen Kälteschutz. Bei Hunden mit einem dünnen und sehr kurzem Fell macht er dagegen schon Sinn. Ein italienisches Windspiel etwa wird ohne zusätzlichen Schutz wohl kaum gut durch unseren Winter kommen. Auch große Hunde mit kurzem Fell wie etwa Dalmatiner oder Rhodesian Ridgeback können durchaus frieren. Wichtig ist dabei auch die Frage, wie viel sich der Hund im Freien bewegt.“

Immer in Bewegung bleiben

Fast alle Hunde lieben Schnee. Solange sie in Bewegung sind, herumtollen und springen wird ihnen auch mit einem kurzen Fell nicht zu kalt. Stehen oder sitzen sie dagegen nur herum, oder müssen an kurzer Leine in der Stadt nebenher trippeln, beginnt bei manchen das große Zittern. Wichtig ist, dass Hunde, die sich ausgetobt haben und zur Ruhe kommen, sich aufwärmen und trocknen können. Sie nach der Bewegung mit einem Mantel zu schützen oder sie auf einer Decke anstatt auf kaltem Boden liegen zu lassen, sorgt für Wohlbefinden und Gesundheit beim Hund.

Zittern vor Kälte oder vor Angst?

Manchmal wird Angst und Unwohlsein mit dem Zittern vor Kälte allerdings auch verwechselt. Wer seinen Hund in große laute Menschenmassen mitnimmt, muss davon ausgehen, dass der vierbeinige Begleiter nicht vor Kälte zittert, sondern vor Angst oder Aufregung. Allerdings gibt es durchaus eindeutige Hinweise darauf, dass der Hund friert, sagt Katja Wolf. „Es ist wichtig, den Hund bei Kälte im Auge zu behalten. Einige zittern heftig, heben abwechselnd die Pfoten vom Boden, sind unruhig und wollen sichtbar von der Situation weg. Andere erstarren buchstäblich, ihr ganzer Bewegungsablauf friert regelrecht ein. Für solche Hunde ist ein gefütterter Mantel eine Wohltat.“

Kleiner weißer Hund mit kariertem Mantel in einer grünen Wiese
ÖKV
Diesem jungen Parson Russell Terrier ist ohne Mantel schnell zu kalt.

Senioren und Jungspunde warm einpacken

Nicht nur die Rasse, sondern auch das Alter des Hundes spielt bei der Frage nach einem zusätzlichen Wärmeschutz eine große Rolle. Senioren sind in der Regel gemächlicher unterwegs, ihre natürliche Thermoregulation lässt nach. Sie sind oft dankbar für einen Mantel und tragen ihn mit Würde. Junge Hunde sind zwar viel in Bewegung, haben danach aber ein großes Bedürfnis nach Ruhe und schlafen viel. In den Ruhephasen kühlen sie leichter aus als ein erwachsener Hund. Auch sie sind dankbar für kuschelige Wärme. Sind sie ausgeruht und es geht wieder los mit dem Herumtollen, wollen sie sich ungehindert bewegen und brauchen keinen Mantel mehr.

Schwarz weißer junger Hund mit dickem Fell im Schnee
ÖKV
Könnte auch als Bär durchgehen: Dieser junge Border Collie friert wohl nicht so schnell.

Armer Hund: verkühlt und krank

Auch Hunde können sich durch Nässe oder Kälte verkühlen. „Im Prinzip werden sie genauso krank wie wir Menschen, das wird manchmal vergessen.“ Husten, Blasenentzündung oder sogar Lungenentzündung sind bei Hunden im Winter ein großes Thema. Sie davor zu schützen hat nichts mit Verhätschelung oder Vermenschlichung zu tun. Diese Krankheiten sind ernst zu nehmen und gehören von einem Tierarzt behandelt.

Grell, rustikal oder dezent

Mäntel und Decken für Hunde gibt es im Fachhandel heute in allen Größen, Formen und Farben. Egal ob der Zweibeiner es dezent oder auffällig liebt, wichtig sind Stoff, Robustheit und Passform, sagt Katja Wolf. „In der Regel ist das Innenfutter weich, zum Beispiel aus Frottee oder Fließ. Außen sollte der Mantel zumindest wasserabweisend und robust sein. Wichtig ist, dass das Kleidungsstück für den Hund wirklich passt, dass nichts scheuert und keine Schnallen unangenehm sind.“ Zur Anprobe sollte der Hund auf jeden Fall dabei sein und es lohnt sich, mehrere Modelle auszuprobieren.

Mantelträger und Naturburschen

Ob Hunde ihr Kleidungsstück annehmen, ist sehr unterschiedlich. Manche kriechen gleich selbst hinein, sobald man es nur in die Hand nimmt, andere nehmen es gleich mal zwischen die Zähne, um zu verhindern, dass es angelegt wird. Wird der Mantel auch nach einer gewissen Eingewöhnungszeit nicht akzeptiert, kann man besser darauf verzichten oder man probiert es mit einem ganz anderen Modell.

Schwarzer Hund liegt im Schnee
ÖKV
Kälte, was ist das? Manche Hunde liegen liebend gerne im Schnee und frieren trotzdem nicht. Sie brauchen keinen Mantel.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
21. 1. 2017 ab 10.00 Uhr

Das Auto als Gefrierschrank

Nach dem Spaziergang ab mit dem Hund in die Box im Kofferraum und die Zweibeiner gehen noch einen Kaffee trinken. Das ist ein durchaus übliches Szenario. Zu bedenken ist, dass ein länger stehender Wagen mehr oder weniger die Außentemperatur annimmt. Einem Hund, der ungeschützt und vielleicht nass vom Schnee in einem solchen Auto warten muss, kann schnell zu kalt werden. Ihm etwas anzuziehen oder ihn mit einer Decke zu wärmen wird ihm die Wartezeit deutlich angenehmer machen.

Katja Wolf vom ÖKV mit ihrer Hündin Ingah
T.Hofer
Katja Wolf vom ÖKV mit ihrer Flat Coated Retriever Hündin Ingah

Auch Schuhe können nützlich sein

Was Beobachtern nun wirklich als Gipfel der Verweichlichung von Hunden vorkommt, kann durchaus Sinn machen. Pfotenschuhe schützen empfindliche Vierbeiner im Winter vor Salz und Streusplitt. Während bei den meisten eine dicke Schicht Fettcreme auf den Ballen genügt, entzünden sich die Pfoten bei manchen Hunden stark. Für sie sind schützende Schuhe beim Spaziergang von großem Vorteil. Sie müssen ja nicht gerade rosa sein.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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