Zeckengefahr abseits von Borreliose

Dass Zecken die für Hunde gefährliche Krankheit Borreliose übertragen können ist mittlerweile weithin bekannt und Hundehalter sind dementsprechend sensibilisiert. Doch damit nicht genug: Zecke haben noch andere - teils schwere - Krankheiten im Talon.

Eine dieser Krankheiten ist die Anaplasmose. Bis zu fünf Prozent der Zecken sind mit Anaplasmen infiziert, bereits ein Viertel aller Hunde hatte Kontakt mit dem Erreger. Allerdings erkranke nur ein kleiner Prozentsatz dieser Hunde, sagt Dr. Michael Leschnik von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Symptome der Krankheit sind plötzlich auftretendes Fieber, Mattigkeit und Fressunlust sowie möglicherweise Lahmheiten. Der Erreger kann mittels eines speziellen Bluttests nachgewiesen werden. Wird die Anaplasmose rechtzeitig erkannt und mit Antibiotika behandelt, sollten die Symptome bald zurückgehen, so Leschnik. Jedes Jahr würden mehr Anaplasmosefälle registiert, dies führt Leschnik vor allem darauf zurück, dass die Krankheit besser nachgewiesen werden kann bzw. öfter dahingehend getestet werde. Betroffen sind von der Krankheit sowohl Hunde als auch - wenn auch seltener - Katzen.

Zwei Zecken
APA/dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
Zwei Zecken in Lauerstellung. Sie reagieren auf Körperwärme, Ausatemluft und Schweiß

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
11. 6. 2016 ab 10.00 Uhr

Babesiose: Jeder zehnte Hund stirbt

Verbreitet sind die mit Anaplasmen infizierten Zecken in ganz Österreich unterhalb von 1.800 Meter Seehöhe. Eine weitere durch Zecken übertragene Krankheit wurde in unseren Breiten bislang nur in Ostösterreich bzw. im bayrischen Raum nachgewiesen: die Babesiose. Die Babesiose - auch Hundemalaria genannt - wurde vor rund 20 Jahren aus Süd- bzw. Osteuropa importiert. Hunde, die von einer mit Babesien infizierten Zecke gestochen werden, zeigen teils sehr schwere Symptome, die Sterberate liegt bei zehn Prozent.

Dr. Michael Leschnik, Veterinärmedizinische Universität Wien
privat
Dr. Michael Leschnik von der Klinik für Kleintiere der Vetmeduni Wien

Babesien längerfristig auch im Inntal möglich

Die Symptome beginnen meist unspezifisch mit leichtem Fieber und Magen-Darm-Problemen. Innerhalb weniger Tage scheidet der Hund dunkelbraunen Harn aus. Die Behandlung richtet sich dann danach, welche Organe betroffen sind. In fast allen Fällen muss der Hund stationär in einer Tierklinik aufgenommen werden. Stirbt der Hund, dann meist an Nierenversagen. Für Katzen stelle Babesiose hingegen keine Gefahr dar, so Leschnik. Bislang seien in Westösterreich nur vereinzelte Babesien-Fälle registriert worden, dabei dürften die infizierten Zecken aus dem bayrischen Raum eingeschleppt worden sein. Leschnik will aber nicht ausschließen, dass aufgrund der Klimaänderung auch das Tiroler Inntal mit Babesien verseucht sein könnte. Die Übertragung von Hund zu Hund sei selten, aber möglich, so Leschnik. Aus dem benachbarten Ausland seien Fälle gemeldet, bei denen Babesien durch Bisse übertragen wurden. Auch können Mutterhündinnen Babesien auf ihre Welpen übertragen.

Hunde
Tierheim Dechanthof
Auch aus Mittelmeerländern gerettete Streuner können mit Ehrlichiose infiziert sein

Ehrlichiose endet unbehandelt tödlich

Eine weitere von Zecken übertragene Krankheit ist die Ehrlichiose, mit der sich der Hund etwa beim Urlaub in Mittelmeerländern infizieren kann. Überträger ist die braune Hundezecke, die ursprünglich aus Afrika stammt und mittlerweile im Mittelmeerraum, aber auch in Asien und Amerika heimisch ist. Auch Hunde, die aus prekären Lebensverhältnissen in südlichen Ländern gerettet und von Tierfreunden importiert werden, können mit der Krankheit infiziert werden. Ehrlichiose ist ein langwierige und chronische Erkrankung, die unbehandelt zum Tod führt. Nach dem Stich einer mit Ehrlichien verseuchten Zecke vermehrt sich der Erreger im Hund. In den ersten Wochen tritt eventuell leichtes Fieber und Fressunlust auf. Die schwerwiegenden Symptome kommen erst Monate später: Die infizierten Hunde nehmen stark ab, haben Magen-Darm-Probleme, Fress- und Trinkunlust, struppiges Fell und tränende Augen. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits zahlreiche Organe befallen. Wird die Krankheit rechtzeitig festgestellt, kann eine Therapie helfen, heilt aber oft nicht hundertprozentig, sagt Leschnik. Der Erreger bleibt im Hundekörper und kann später wieder zu Symptomen führen.

Hund schüttelt sich am Strand
APA/dpa/Maurizio Gambarini
Auch durch heftiges Schütteln oder ein Bad im Wasser lassen sich angesaugte Zecken nicht loswerden.

Horrorszenario: Tausende Zecken im Haus

Die braune Hundezecke, die die Babesiose übertragen kann, ist bei uns zwar nicht heimisch, kann aber in menschlichen Behausungen überleben und sich vermehren. Wenn der Hund vom Urlaub am Mittelmeer eine braune Hundezecke mit nach Hause bringt, die Zecke vollgesogen dort abfällt und sich in einer dunklen Ecke verkriecht, kann sie dort Eier ablegen. Und zwar bis zu 4.000. Die Mutterzecke stirbt, der bewegungsaktive Nachwuchs kann sich etwa durch Ritzen in sämtlichen Räume des Gebäudes ausbreiten. Dieses Horrorszenario ist natürlich auch in Tierheimen möglich, in die aus den Mittelmeerländern gerettete Hunde gebracht werden, sagt Leschnik und rät, den Hund deshalb bei der Rückkehr aus dem Urlab besonders gut auf Zecken abzusuchen.

Generell sinke das Übertragungsrisiko massiv, wenn die Zecke frühzeitig und richtig entfernt werde, so Leschnik. Mehr dazu auch in Lästige Blutsauger bei Hund und Katze.

Natalie Wander; tirol.ORF.at

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