Kommunikation mit Tieren

Wenn wir doch nur mit unseren Tieren sprechen könnten! So lautet ein oft geäußerter Wunsch. Vor allem dann, wenn es Probleme mit dem lieben Vierbeiner gibt. Dabei haben Menschen, die sich sehr intensiv mit Tieren befassen, sehr wohl die Möglichkeit, mit ihnen zu kommunizieren. Und zwar ganz ohne Hokuspokus.

Natürlich sprechen wir alle mit unseren Tieren. Es wird kaum ein Herrchen oder Frauchen geben, das nicht mit seinem Haustier redet. Ganz egal, ob es nun ein Hund, eine Katze, ein Meerschweinchen oder ein Papagei ist. Tatsächlich haben wir sehr oft das Gefühl, das Tier verstehe beinahe jedes Wort. So, als hätte es in den vielen Jahren des Zusammenlebens unsere menschliche Sprache gelernt.

Geheimnis Körpersprache

Wer in der Sprache der Tiere spricht, verwendet allerdings weniger Laute und Worte als vielmehr die Körpersprache. Für viele Trainer von Tieren ist sie die unmittelbarste Form der Kommunikation. Denn auch Tiere verständigen sich untereinander mehr durch Körpersprache als durch Töne. Im Idealfall lernt der Mensch, die Körpersprache des Tieres zu verstehen und das Tier die des Menschen. Sowohl bei Haus- als auch bei Wildtieren gibt es immer wieder verblüffende Beispiele, dass diese Art der Kommunikation tatsächlich funktionieren kann.

Kleiner Mischlingshund
privat
Was verrät dieser Blick? Wer Tiere gut beobachten kann, wird sie auch besser verstehen.

Die Tierkommunikatorin

Die Innsbruckerin Elisabeth Pechtl arbeitet als ausgebildete und gewerblich eingetragene Tierkommunikatorin. Sie hat sich nicht das Training von Tieren zur Aufgabe gemacht, sondern will dort Hilfe anbieten, wo sich quasi Missverständnisse zwischen Menschen und ihren Tieren aufgetan haben. Hauptsächlich arbeitet sie mit Hunden, aber auch mit Katzen oder in Einzelfällen auch mit Pferden - und deren Menschen. Warum bellt der Hund jedesmal, wenn jemand an der Tür klingelt? Warum stürmt das Schoßhündchen kläffend auf jeden Artgenossen zu, sei er auch noch so groß und furchteinflößend? Warum vertragen sich Wohnungskatzen plötzlich nicht mehr und fahren im täglichen Miteinander die Krallen aus? Die Ursachen dieser Verhaltensmuster versucht Pechtl zu finden.

Elisabeth Pechtl mit Riesenschnauzer
privat
Elisabeth Pechtl mit ihrem Riesenschnauzer Neo

Der erste Schritt - beobachten

Wenn Elisabeth Pechtl mit einem Tier zu arbeiten beginnt, fragt sie gar nicht lang nach der Vorgeschichte. Wo das Problem liegt, erkennt sie meist auf einen Blick oder es genügt eine kurze Schilderung. „Ich beobachte das Tier erst einmal. Wie verhält es sich in einer bestimmten Situation und was macht der Mensch?“, erläutert Pechtl. Meistens ist es das Fehlverhalten des Zweibeiners, das später zu einer unerwünschten Reaktion des Tieres führt. Ursache und Wirkung müssen durchbrochen werden, das Verhalten des Tieres ändert sich aufeinmal schlagartig.

Frau und Katze Nase an Nase
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Was willst Du mir sagen? Die Tierkommunikatorin „im Gespräch“ mit einer Katze.

Wissen über das Tier

Viele Probleme entstehen, weil sich zum Beispiel ihre Besitzer nicht klarmachen, dass Hunde Rudeltiere sind. Sie folgen ihrem Rudelführer, verlangen aber auch von ihm, dass er die Führung übernimmt. Bietet der Zweibeiner diese Führung nicht, wird der Hund selbst zum Leiter des Rudels, erklärt Pechtl. Dann wächst er seinem Besitzer schnell über den Kopf. Das muss nicht unbedingt ein 50 Kilogramm schwerer Rottweiler sein. Das passiert sogar besonders oft bei kleinen Hunden, weil auf ihre Erziehung weniger Wert gelegt wird.

Grenzen der Tierkommunikation

Elisabeth Pechtl kann keine Tiere heilen, die krank oder verletzt sind. „Dafür bin ich nicht ausgebildet und das gehört nicht zu meiner Arbeit,“ sagt die Tierkommunikatorin ganz klar. Häufig kann sie Schmerzen oder körperliche Beschwerden eines Tieres aber erkennen und empfiehlt den Besuch beim Tierarzt. Manche Probleme entstehen schlichtweg deshalb, weil das Tier leidet. Pechtl übernimmt auch nicht die Erziehung eines Hundes. Dafür sind Hundetrainer ausgebildet. Allerdings kann sie den Besitzern zeigen, wie sich das Verhalten ihres Tieres ändert, wenn sie selbst sich anders verhalten. „Manchmal können wir ein Problem beim ersten Besuch lösen“, sagt sie. „Manchmal brauchen wir mehrere Einheiten“.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
31. 8. 2013 ab 10.00 Uhr

Die Verständigung mit Tieren ist ein überaus spannendes Thema. Erst nach und nach werden auch durch wissenschaftliche Untersuchungen neue Erkenntnisse bekannt, wie Tiere unter sich, aber auch mit Menschen kommunizieren. Dabei wird klar, dass die Zweibeiner nicht immer nur vom Tier verlangen dürfen, auf die menschliche Sprache zu hören und zu gehorchen. Kommunikation geht immer von beiden Lebewesen aus. Es liegt am Menschen, sich mehr und mehr auch auf die (Körper)-Sprache der Tiere einzulassen und sie so besser zu verstehen.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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