Bei Vergiftungen rasch handeln

Vergiftungen kommen bei Haustieren nicht selten vor. In unserer Umgebung gibt es viele Giftstoffe, mit denen sie in Berührung kommen können. Eines ist allen Vergiftungen gemeinsam: Für das Tier besteht Lebensgefahr, es muss so schnell wie möglich zum Tierarzt.

Es ist der Alptraum für jeden Tierliebhaber. Der Vierbeiner zittert plötzlich am ganzen Körper, er speichelt stark oder hat Schaum vor dem Mund. Oft sind die Tiere kaum mehr ansprechbar. Diese Symptome weisen alle auf eine Vergiftung hin. „Jetzt muss schnell gehandelt werden, denn der Vierbeiner schwebt in absoluter Lebensgefahr“, warnt die Wattener Diplomtierärztin Valeria Ferrari. Das Tier braucht so schnell wie möglich eine ärztliche Versorgung.

Den Magen leeren und Infusionen geben

In der Tierarztpraxis wird mit einer Injektion versucht, das Tier zum Erbrechen zu bringen. Hat der Hund oder die Katze bereits zu Hause erbrochen, rät die Tierärztin, das Erbrochene mit in die Praxis zu bringen. So lässt sich am ehesten feststellen, was der Vierbeiner an giftigen Substanzen erwischt hat. Auch wenn das Tier sich zu Hause offenbar allein wieder erholt, rät Valeria Ferrari, eine Tierarztpraxis aufzusuchen. Der Vierbeiner ist nach einer Vergiftung oft so geschwächt und ausgetrocknet, dass er dringend eine Infusion braucht. Außerdem kann er über einen längeren Zeitraum medizinisch beobachtet und betreut werden. Nach einer schweren Vergiftung wird das Haustier meist stationär aufgenommen.

Katze hängt an einer Infusion
privat
Nach einer schweren Vergiftung hängt die Tierärztin eine Infusion an.

Giftige Substanzen sind fast überall

In vielen Fällen werden schwere Vergiftungen bei Haustieren durch Ratten- oder Mäusegift verursacht. Erst im April dieses Jahres wurde ein Hund durch Rattengift getötet. Oft kommen die Tiere mit dem Gift zwar nicht direkt in Berührung. Nicht selten fressen sie aber tote vergiftete Nager. Auch Schneckenkorn kann in größeren Mengen zu Vergiftungen bei Haustieren führen.

Katze im Freien vor Fressnapf
dpa/Bernd Wüstneck
Vorsicht Gift: Tierbesitzer sollten immer wissen, was ihr Liebling frisst.

Aber nicht immer sind es ausgebrachte Gifte, die unsere Tiere in Lebensgefahr bringen. Viele Tierbesitzer wissen nicht, dass fast alle Zimmerpflanzen giftig sind. Wenn Hunde oder Katzen stundenlang allein gelassen werden, kann es sein, dass sie aus purer Langeweile beginnen, an den Pflanzen zu knabbern. Auch offene, herumstehende Reinigungs- oder Frostschutzmittel sind für Tiere hochgiftig. Herumliegende Tabletten können von Tieren aufgenommen werden. Auch Schokolade ist in größeren Mengen für Hunde giftig, warnt Tierärztin Valeria Ferrari.

Vorsicht vor gespritztem Grünzeug

Wer seinen Kaninchen oder Meerschweinchen etwas Gutes tun will und Grünzeug pflücken geht, sollte reichlich Abstand zu Gemüsefeldern oder Obstplantagen nehmen. Sie sind oft stark gespritzt, auch diese Gifte können für die Kleintiere tödlich sein. Wer ganz sichergehen will, lässt auf der eigenen Wiese im Garten die Beikräuter stehen und verzichtet auf jegliche Art von Kunstdünger.

Tierärztin Valeria Ferrari aus Wattens
privat
Tierärztin Valeria Ferrari aus Wattens mit Hund Schoko.

Nicht immer schützt der natürliche Instinkt

Man könnte meinen, Tiere wüssten instinktiv, was für sie giftig ist und was nicht. Das stimmt nur zum Teil. Substanzen, mit denen sich der Mensch umgibt, kommen in der Natur nicht vor, der natürliche Schutzmechanismus eines Tieres kann hier also versagen. Manche chemischen Substanzen riechen für Tiere offenbar verlockend. Außerdem sind Haustiere es gewohnt, von ihren Menschen das Futter vorgesetzt zu bekommen. Sie verlassen sich sozusagen darauf, dass das was sie in ihrer Umgebung zu fressen finden, auch für sie in Ordnung ist. Und manchmal ist es pure Langeweile oder Neugier, die sie Dinge kosten lassen, die ihnen gar nicht schmecken.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
7. 9. 2013 ab 10.00 Uhr.

Viecherei zum Nachhören

Notfallnummern und Notdienste

Nicht immer wird Ihr Tierarzt rund um die Uhr und sieben Tage die Woche erreichbar sein. Deshalb ist es wichtig, sich für Notfälle Bereitschaftsdienste und die Notfallnummern der nächsten Tierklinik zu notieren. Im Falle einer Vergiftung zählt wie gesagt jede Minute für das Leben Ihres Vierbeiners.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at

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