Sportlich mit dem Hund unterwegs

Freizeit mit dem Hund zu verbringen muss sich nicht nur auf den täglichen Spaziergang und die Spielerei im Garten beschränken. Bei vielen Sportarten kann der Hund aktiv mit dabei sein – und ist es auch für sein Leben gerne.

Das Gesetz sieht vor, dass einem Hund mindestens einmal täglich ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden muss. Der stupide Gassigang um den Wohnblock sollte aber keinesfalls die tägliche Routine sein, vielmehr will ein Hund möglichst viel bei seinem Rudel (den Bezugspersonen) sein und körperlich und geistig gefordert werden. Auch um möglichst lange fit und gesund zu bleiben.

Tierarzt Mag. Markus Stieldorf
privat
Tierarzt Mag. Markus Stieldorf aus Schwaz

Tierarzt Mag. Markus Stieldorf, wird den ganzen Tag über von seinem Labrador Nanut begleitet, natürlich auch dann, wenn es zum Beispiel zum Wandern in die Berge geht. Nanut ist mittlerweile ein derart erfahrener Bergfex, dass er auch Kletterpassagen meistert – bergauf und im Brustgurt angeseilt auch bergab.

Am Anfang steht die Erziehung

Damit aus einem Hund der ideale Sportkamerad wird, ist vor allem eines unabdinglich: Erziehung. Mit der Erziehung wird ganz entspannt in der Welpenschule begonnen, die sportlichen Betätigungen sollten sich im ersten Lebensjahr des Hundes allerdings nur auf Spielen, Spaziergänge und kleine Wanderungen beschränken. Erst wenn Muskeln und Gelenksknorpeln fertig ausgebildet sind, der Hund die Grundkommandos versteht und der Hundekopf von den unterschiedlichen Umwelteinflüssen nicht mehr überfordert ist, ist der Hund bereit für seine sportliche Laufbahn.

Joggen mit dem Hund, bei Schnee
APA/BARBARA GINDL
Hunde lieben es, gemütlich im Trab mit zu laufen. Auch im Winter.

Kondition langsam aufbauen

Tierarzt Markus Stieldorf rät, die Kondition des Hundes (und auch des Besitzers) mit kleinen Ausflügen mehrmals am Tag langsam aufzubauen. Wenn sich der junge Hund beim Spaziergang hinsetzt, sollte man ihn nicht zum Weitergehen zwingen sondern eine Pause einlegen. Da es dem Hund Freude bereitet, mit seinen Talenten zu spielen, sollte man die jeweiligen Talente (z. B.: Schwimmen, Apportieren, Nasenarbeit) auch in die Spaziergänge einbauen. Dem Hund sollte auch der Unterschied zwischen freiem Laufen und „Arbeiten“ klar sein, die Leine sollte niemals Strafe sein sondern eine einfache Bindung ermöglichen.

Sendungshinweis

„Radio Tirol am Vormittag“,
25. 5. 2013, 10.10 Uhr

Neben dem Üben zu Hause empfiehlt Stieldorf, den Hund auch nach der Welpenschule mithilfe erfahrener Trainer auszubilden, da eine gute Ausbildung den Alltag mit dem Hund unglaublich erleichtern kann. Auf der Suche nach einer geeigneten Ausbildungsstätte kann auch der Tierarzt behilflich sein, da er zu diesem Thema zahlreiche Rückmeldungen von Patientenbesitzern bekommt. Auch der Österreichischen Kynologenverband gibt Auskunft zu diesem Thema, dort kennt man die Bedürfnisse der jeweiligen Rasse.

Voller Magen kann gefährlich werden

Sportlich aktiv sollte der Hund nur mit leerem Magen sein, da sich ein voller Magen leicht drehen kann. Eine Magendrehung kann sogar zum Tod des Hundes führen. Deshalb rät Markus Stieldorf, den Hund erst am Abend zu füttern, über Nacht wird verdaut und beim Morgenspaziergang kann sich der Hund lösen.

Hund spielt mit Ast
dpa/Ole Spata
Schwimmen und Stöckchen holen - ein perfekter Tag für viele Hunde.

Prinzipiell gibt es in Tirol sehr viele Möglichkeiten, mit dem Hund sportlich aktiv zu werden. Sie reichen von Wandern, Joggen, Bergtouren gehen über Langlaufen, Skijöring, Skitouren und Rodeln bis hin zu Schwimmen und Mountainbiken. Bei den unterschiedlichsten Sportarten sollte man einiges beachten: Joggen sollte man nicht auf asphaltierten Wegen, die Gelenke des Hundes würden dabei Schaden nehmen. Generell ist bei Tätigkeiten, bei denen der Hund ins Laufen kommt, darauf zu achten, dass er im Schongang trabt und nicht anfängt zu galoppieren. Deshalb empfiehlt Markus Stieldorf etwa auch Mountainbiken mit dem Hund, spricht sich aber gegen Straßenradfahren aus. Beim Bergabfahren ist darauf zu achten, dass nicht auf einer Asphaltstraße abgefahren wird, das Tempo sollte sich bei etwa zehn km/h einpendeln, ab zwölf km/h galoppiert der Hund.

Grundbesitzer um Erlaubnis fragen

Bei Touren in den Bergen empfiehlt sich ein Brustgeschirr, mit dem der Hund an Kletterstellen abgeseilt werden kann. Ein Geschirr kann auch beim Langlaufen mit dem Hund hilfreich sein, wenn man sich ziehen lassen will. Vorher ist allerdings abzuklären, ob auf der Loipe Hunde überhaupt erlaubt sind, ein Anruf beim örtlichen Tourismusverband schafft Klarheit. Überhaupt rät Stieldorf dazu, bei sämtlichen sportlichen Betätigungen mit dem Hund zuerst den jeweiligen Grundbesitzer um Erlaubnis zu fragen. Viele Hundehalter würden das im Eifer oft vergessen, was wiederum für schlechte Stimmung sorgen kann.

Hund und Herrl entspannen in der Hängematte
privat
Nach dem Sport soll entspannt werden - zum Beispiel in der Hängematte.

Vorsicht beim Rodeln!

Beim Skitouren gehen sollte der Hund beim Aufstieg bei Fuß bzw. an der Leine gehen, in der Aufstiegsspur lässt es sich Kräfte für die Abfahrt schonen - mehr dazu in Mit Hunden auf Skitour. Gern wird der Hund im Winter auch zum Rodeln mitgenommen. Gerade hier sei wichtig, dass der Hund die Kommandos seiner Besitzer ernst nimmt, da er einen Rodler als Beutetier empfinden könnte. Aber nicht nur für den Rodler besteht Gefahr, auch der Hund kann sich an den scharfen Kufen der Rodel schwer verletzen.

Ein Sport, der für Hunde geradezu ideal ist, ist Schwimmen. Schwimmen entlastet die Gelenke, fördert die Kondition und macht gerade wasserliebenden Hunden wie Neufundländer oder Retriever besonderen Spaß. Ein ziemlich großer Wermutstropfen ist allerdings, dass Hundeschwimmen nur in ganz wenigen Seen in Tirol erlaubt ist, Stieldorf nennt hier etwa das Südufer des Achensees. Andere Hundebesitzer empfehlen auch den Obernbergersee im Wipptal, den Stillupspeicher im Zillertal sowie den Pillersee im Bezirk Kitzbühel. Möglich ist auch Schwimmen in Fließgewässern wie dem Inn, allerdings sollte der Hund aufgrund der Strömung stark genug sein und gut schwimmen können.

Natalie Wander, tirol.ORF.at

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