Therapiehunde dringend gesucht

Therapiehunde sind aus dem Alltag vieler sozialer Einrichtungen nicht mehr wegzudenken. Die Nachfrage ist dabei viel größer als das Angebot. Der Verein „Tiere Helfen Leben“ sucht Menschen, die sich mit ihren Hund zu einem Therapiehundeteam ausbilden lassen.

Freitagnachmittag sorgt ein Termin im Altersheim Telfs für besondere Abwechslung - die Stunde mit den Therapiehunden. Die Warteliste für die Therapiestunde ist lang, diesmal kommen die Springer-Spaniel-Hündin Donna mit ihrem Frauchen Maria König und Schäfer-Windhund-Mischling Pepino mit Frauchen Nadine Luger zu den Senioren. Beide Hunde sind staatlich zertifizierte Therapiehunde, geprüft vom Messerli-Institut der Vetmeduni Wien.

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Therapiehündin Donna
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Ausbildner Paul Ferstl

Ausbildung kostet 1.000 Euro

Die Ausbildung für das Mensch-Hund-Team dauert etwa ein Jahr und kostet rund 1.000 Euro. Nicht nur Ergo- oder Physiotherapeuten würden sich zu einer solchen gemeinsamen Ausbildung entschließen, sagt Therapiehundeausbildner Paul Ferstl vom Verein „Tiere Helfen Leben“. „Es gibt auch Menschen, die einfach nur anderen Leuten - wie hier im Altersheim - etwas Gutes tun wollen und sie mit dem Hund besuchen.“

Die Einsatzmöglichkeiten für ein Therapiehundeteam sind vielfältig und erstrecken sich auf zahlreiche Lebenswelten und reichen von Kindergärten über Schulen bis hin zu Altersheimen. Besonders positiv lassen sich Therapiehunde auch im Schwerstbehindertenbereich einsetzen. Aber auch in der Reha, bei Physio- und Psychotherapie und auch bei logopädischen Behandlungen werden Therapiehunde erfolgreich eingesetzt.

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Fasziniert beobachten die Senioren Hündin Donna und können sie mit der Flasche füttern

Mensch-Hund-Verhältnis wird gefestigt

Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, solle sich über den damit verbundenen Zeitaufwand klar sein: „Mit einmal die Woche eine Stunde trainieren wird das nicht funktionieren“, gibt Ferstl zu bedenken. Dafür werde man allerdings belohnt: „Der Mensch bekommt sehr viel Vertrauen in seinen Hund und umgekehrt. Man kann sich hundertprozentig auf seinen Hund verlassen. Es ist eine ganz andere Ebene, wenn man mit dem eigenen Tier arbeitet.“

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Ergotherapeutin Nadine Luger mit Pepino

Voraussetzung, dass ein Hund zum Therapiehund ausgebildet werden kann, ist, dass er freundlich und nicht schreckhaft ist. Pepino, ein Straßenhund aus Spanien, unterstützt sein Frauchen Nadine Luger bei ihrer Arbeit als Ergotherapeutin. „Unsere Beziehung ist viel enger geworden, weil wir so viel gemeinsam machen können. Es ist ein ganz anderes Vertrauensverhältnis da.“

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Vorsichtig nimmt Pepino das angebotene Wurstradl

Sendungshinweis

„Radio Tirol am Vormittag"
26.8.2017

Maria König ist ausgebildete Physiotherapeutin und hatte ihre Praxis im Altersheim, ihre Therapiehündin Donna war dabei immer Teil ihrer Arbeit. Seit Maria König in Pension ist, besucht sie gemeinsam mit Donna regelmäßig die Kinder in einem integrativen Kindergarten in Innsbruck. Sowohl sie als auch der Hund würden von der Arbeit profitieren, sagt König. „Die Beziehung ist viel enger geworden. Die ständige Beschäftigung mit dem Hund gibt Bindung. Aber die Arbeit bringt einem auch menschlich sehr viel. Es sind sehr bereichernde und berührende Momente.“

Bereichernd ist der Kontakt mit den Hunden auch für die Altersheimbewohner, sagt Erika Fuchs, Pflegedirektorin im Altersheim Telfs: „Eine bessere Reizanflutung gibt es überhaupt nicht für unsere Bewohner.“ Speziell demente oder emotional zurückgezogene Bewohner würden sehr positiv reagieren: „Es ist schön zu sehen, wie das Strahlen in die Augen der Menschen zurückkehrt.“

Vierteljährlich Eignungstests

Interessenten für eine Therapiehundeausbildung können sich beim Verein „Tiere Helfen Leben“ melden. Dort wird u. a. ein Orientierungsgespräch geboten, bei dem die Eignung des Hundes bewertet wird und der Hundehalter Ratschläge und Trainingstipps für den Eignungstest erhält. Der nächste Eignungstest für Schnellentschlossene ist am 31. August in Telfs, der nächste am 1. Oktober.

Link:

Natalie Wander; tirol.ORF.at

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