Studie zeigt Leid in Erziehungsheimen

Was wirklich in den Kinder- und Erziehungsheimen in Tirol und Vorarlberg nach Ende des zweiten Weltkrieges passiert ist, ist Inhalt einer Studie, die am Montag präsentiert wurde. Dieser Forschungsbericht wurde von der Uni Innsbruck erstellt.

Wie sehr mussten Mädchen und Buben tatsächlich unter ihren Erzieherinnen und Erziehern, unter Betreuern, Lehrern und Ärzten leiden? Das listet jetzt eine gemeinsame Studie für Tirol und Vorarlberg auf. Die Geschichte der Erziehungsheime in der zweiten Republik ist unter der Leitung der Innsbrucker Erziehungswissenschafterin Michaela Ralser von der Uni Innsbruck erstellt worden. Im Auftrag der beiden Landesregierungen sollten die historischen Fakten zu den Berichten geliefert werden, die seit zwei Jahren Österreich erschüttern.

Der leidvollen Geschichte ein Gedächtnis geben

Schläge, sexuelle Übergriffe, Pychoterror, Quälereien - all diese Dinge haben in den Heimen von Tirol und Vorarlberg stattgefunden. Dies ist eine Tatsache, die man nicht verschleiern sollte. „Mit diesem Bericht geben wir den Opfern eine Stimme und der leidvollen Geschichte über die unhaltbaren Vorgänge in den Heimen ein Gedächtnis“, ist Soziallandesrat Gerhard Reheis (SPÖ) überzeugt.

„Dass Jugendliche und Kinder seelische, physische und sexuelle Gewalt erleiden mussten, ist traurig und beschämend", sagte Vorarlbergs Soziallandesrätin Greti Schmid. Geschehenes könne nicht ungeschehen gemacht werden. Umso wichtiger sei es, dass dieses sensible Thema lückenlos aufgearbeitet wird: „Ich kann an dieser Stelle nur um Verzeihung bitten für das, was Kinder und Jugendliche vor 1990 erleiden mussten."

Reheis, Schmid, Ralser
Land Tirol
Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Heimgeschichte ist Teil des Opferschutzpakets. Vorarlbergs LRin Schmid, LR Reheis und Studienleiterin Michaela Ralser (v.l.) präsentierten die wichtigsten Ergebnisse.

Erziehungsstil war fundamental autoritär

Mündel- und Jugendwohlfahrtsakten, Heimunterlagen, Berichte der Vormundschaftsgerichte sowie Personal- und Krankenakten dienten als Quellen für die Studie. Insgesamt könne man feststellen, dass die Heime und Erziehungseinrichtungen bis in die 80er Jahre der nötigen Entwicklung weit hinterhergehinkt seien. Ausreichende Kontrolle seitens der Politik und anderer Aufsichtsorgane habe es nicht gegeben, erläutert Michaela Ralser, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck, Psychotherapeutin und Leiterin der Studie.

Der Erziehungsstil sei fundamental autoritär gewesen, nicht demokratisch und wenig sorgsam im Umgang mit den Kindern, so Ralser. „Im Forschungsbericht wird deutlich, dass Alleinerzieherinnen und Eltern aus armen Verhältnissen bei der Jugendwohlfahrt lange unter besonderem Verdacht standen, ihren Nachwuchs nicht ausreichend zuverlässig zu erziehen. Diese unterprivilegierten Kinder waren dann auch die ersten und nahezu einzigen, die in Erziehungsheimen untergebracht waren.“

Mit den Erkenntnissen der Studie sollen jetzt weitere historische Aufarbeitungen stattfinden. Besonderes Augenmerk will man dabei auf das Vorarlberger Heim Jagdberg, auf die Tiroler Heime Bubenburg und St. Martin in Schwaz sowie die einstige psychiatrischen Kinderbeobachtungsstation legen.

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